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Aus: Ausgabe vom 13.03.2021, Seite 12 / Thema
jW-Kunstedition

Realismus und Abstraktion

Heute erscheint die sechste Grafik in der junge Welt-Kunstedition: »Die Bewegten« von Harald Kretzschmar
Von Andreas Wessel
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Harald Kretzschmar: »Die Bewegten«, 2021, vierfarbiger Siebdruck (Serigraphie) auf Munken Print Cream (300 g/m²), gedruckt in der Werkstatt R. Slotta (Berlin), Blatt: 29 x 20 cm

Wer dreht am Rad? Oder: Wer wird gedreht? Wollen alle drehen, oder ist es nicht auch mal ganz schön, einfach gedreht zu werden, Rädchen im Räderwerk, der Zukunft zugewandt? Ist es Menschenwerk, oder dreht hier doch der Wind der Geschichte, dem kein noch so starker Arm Einhalt gebieten könnte? Vielleicht ist es der Sturm, der den Angelus Novus von Paul Klee, den Engel der Geschichte, wie ihn Walter Benjamin nennt, fortbläst und von dem er 1940 schreibt: »Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.« Hauptsache, alle haben Spaß dabei.

Schöpferisches Leben

Mit der S 1 geht es nach Berlin-Wannsee, dann mit dem 620er Bus über die Autobahn, vorbei an der ehemaligen Raststätte Dreilinden (»Sie verlassen Berlin, bitte lösen Sie ein Anschlussticket der Zone C!«) und noch eine Schleife gedreht durch den Europarc Dreilinden, dort, wo der Fortschritt wohnt. Die Niederlassungen von Ebay und Co. liegen natürlich am Albert-Einstein-Ring, darunter geht es nicht. Nun den Stahnsdorfer Damm entlang, und dann liegt da auf freier Strecke die Haltestelle Heidefeld, dort links hinein in den westlichen Zipfel des Kleinmachnower Siedlungsgebiets, die dritte Ecke ist es schon, gut versteckt hinter wuchernden Hecken liegt das Kretzschmarsche Häuschen. Die gespitzten Bleistifte liegen schon bereit, es gilt jetzt, zweihundertundfünfzigmal »Harald Kretzschmar« zu schreiben, so habe er ja immer signiert, da hilft nun nix, und auch noch eine »21« muss dahinter, damit klar ist, das ist was Aktuelles. Niemand soll denken, mit fast neunzig müsse er auf was Altes zurückgreifen – auch wenn die Beine nicht mehr so wollen, der Kopf und die Hand funktionieren um so besser!

Harald Kretzschmar, geboren 1931 in Dresden, hatte sich über die Einladung zur jW-Kunstedition sehr gefreut, aber eine Kritik muss sein: »An sich müsstest du dich auch schon längst mit jüngeren Künstlern beschäftigen. Wo du sagst, Mensch das ist doch ganz toll, was da jetzt entsteht!« Nicht, weil die Alten nichts mehr zu sagen hätten, aber im Rückblick zeigt sich für Harald immer deutlicher, was für riesige Chancen sich den jungen Leuten, besonders seiner Generation, die nicht mehr in den Krieg musste und politisch »unbelastet« war, geboten hatten. »Das Leben, ganz besonders das künstlerische Leben, das war unglaublich schöpferisch, wer wollte, konnte etwas leisten. Aber deine Generation und die noch Jüngeren haben das ja jetzt wahnsinnig schwer, überhaupt etwas zu schaffen. Irgendwie braucht diese Gesellschaft gar nichts mehr – auch künstlerisch. Das macht mir ja auch immer noch Mut, mich so viel mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, weil ich merke, dass die Gegenwart – die nun schon 30 Jahre lang anhält – von der künstlerischen Ernte her so mager ist. Aber das geht ja schon bei der Auftragsvergabe los. Dass diese Gesellschaft überhaupt keinen Ehrgeiz hat, ein künstlerisches Bild von sich zu hinterlassen! Wenn du in 50 Jahren fragst, was ist denn da eigentlich gewesen, dann hast du gar keinen Anhaltspunkt.« Und mit Blick auf die aktuelle Situation, die an- und abschwellenden Pandemiemaßnahmen: »Diese Gleichgültigkeit in dieser Gesellschaft, wo man sagt, ihr müsst noch warten, ihr kommt dann schon noch dran, wenn wir alles wieder aufmachen …«

Ich werde plaziert mit Blick über die Terrasse in den Garten, der jetzt im trüben Februarlicht etwas struppig daliegt. Harald braucht zum Signieren Tageslicht von links. Die Blätter der Auflage werden kritisch betrachtet, das lockere Raster der mit Kohlestiften auf das Transparentpapier gezeichneten Farbauszüge gefällt, das Orange kommt gut (vorher war auch ein Gelb ausprobiert worden), das Rot hat noch etwas Blau dazubekommen: »Siehst du das? Ist das jetzt etwas tiefer?« Ja. Na, dann ist gut. Signiert wird mit einem ordentlichen Stapel der Blätter auf dem Knie, das ist bequemer als auf dem Tisch, und das Licht ist auch besser.

Von Daumier geprägt

Harald Kretzschmar ist, zumindest im Osten Deutschlands, bekannt als Karikaturist, besonders mit seinen Porträtkarikaturen, die ganze Bände füllen, als Pressezeichner wird er unweigerlich mit dem Eulenspiegel und auch mit dem Neuen Deutschland verbunden. Ihn um einen originalgrafischen Beitrag zur jW-Kunstedition zu bitten lag für mich trotzdem nahe, da ich sein Engagement für Druckgrafik in der DDR kannte. Seine zeitkritischen Karikaturen oder Cartoons funktionierten immer auf der Ebene des Bildwitzes, im Gegensatz zur heute vorherrschenden »Sprechblasenkarikatur«, bei der das Bild nur noch ein Blickfang ist, ein visueller Aufreißer. Für Kretzschmar war die Karikatur immer Teil der Kunst, geprägt haben ihn in diesem Verständnis die heute klassischen Werke von Honoré Daumier ebenso wie die satirischen und sozialkritischen Arbeiten von Heinrich Zille. Trotzdem gab es durchaus Vorbehalte im DDR-Künstlerverband, und »deshalb hab’ ich ja so einen Wert darauf gelegt, dass wir auch Originalgrafik, Druckgrafik machen, nicht bloß die traditionelle Pressezeichnung, die ja noch als Wegwerfware groß wurde. Aber das war ja das Schöne, dass das eigentlich in der progressiven Tradition der 1920er Jahre schon vorgegeben war. George Grosz und Johnny Heartfield waren die großen Heroen dieser Zeit, und da war der künstlerische Anspruch immer mit dabei. Auch ›Die Pleite‹ und ›Der Knüppel‹ und ›Lachen links‹, der ›Eulenspiegel‹ unter Otto Nagel und wie die Zeitschriften alle hießen. Und damit sind wir so langsam, na, eigentlich sogar ziemlich schnell, in die Kunstszene eingedrungen.«

Allerdings war ich nicht darauf gefasst, mit diesem Auftrag (ja, die Grafiken der jW-Kunstedition sind Auftragskunst, auch wenn wir keine Themen vorgeben!) eine kunsthistorische Entdeckung zu machen. Auf meine Frage, in welcher Technik Harald arbeiten möchte, kam spontan: »Siebdruck«. Nun hat unsere Edition durch die Unterstützung eines hervorragenden Siebdruckers tatsächlich schon einen veritablen Schwerpunkt in dieser Drucktechnik, aber wie erstaunt war ich, als er hinzufügte: »Damit habe ich mich doch schon in meinem Studium beschäftigt, Siebdrucke waren sogar Teil meiner Diplomarbeit.« Moment mal, wann hast du gleich studiert? Nun, von 1950 bis 1955 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. »Das war eine turbulente Zeit, einmal quer durch die Formalismuskampagne, da war man 1955 zehnmal klüger als 1950!« Dazu vielleicht noch später, aber wann genau hast du Siebdruck gemacht, und wie kamst du darauf? Meine Nachfrage zielte darauf ab, dass in der DDR der künstlerische Siebdruck, die Serigraphie, immer ein Nischendasein fristete und überhaupt erst Mitte der 1950er Jahre bekannt wurde. Als Pionierin dieser Technik gilt Toni Mau (1917–1981), die – wie auch einige westdeutsche Künstler, u. a. Willi Baumeister – durch Ausstellungen und Kurse in einem der sogenannten Amerika-Häuser die Technik kennenlernte und die 1954 ihren ersten eigenen Siebdruck schuf, dem bis 1979 mehr als 200 weitere folgten. Also wie war das nun in Leipzig? »Das ist dem Arloth zu verdanken, der das als Lithograph noch nebenbei gemacht hat. Horst Arloth (1925–2018) kam damals mit der ganzen Welle von Leuten aus Weimar, als Hermann Henselmann mit der Kunsthochschule in Bauhaustradition aufhören musste. Das war ein großer Gewinn für uns, da kamen Albert Kapr und auch Heinz Wagner, der Maler, bei dem ich ja offiziell auch mein Diplom gemacht habe, und Arloth kam in die Lithographie. Das war die Generation, die noch aus dem Krieg kam, die Jahrgänge, die so fünf Jahre älter waren als ich, wozu Heisig und Mattheuer auch gehörten. Er musste sich auch, wie die meisten dieser Generation, mit einer Nazivergangenheit herumschlagen, die NSDAP muss ja noch 1944 Fischzüge unter den jungen Leuten gemacht haben. Die mussten dann alle eine Wandlung durchmachen, hatten aber auch große Chancen.«

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Trotz unermüdlichen Signierens scheint der gewaltige Stapel – immerhin ist die Editionsgrafik auf volumigem 300-Gramm-Karton gedruckt – kaum kleiner zu werden …

Pionier des Siebdrucks

Arloth ist natürlich jedem, der sich mit DDR-Druckgrafik befasst, ein Begriff; im Kunsthandel ist der Hinweis »Handabzug von Horst Arloth« bares Geld wert. Besonders um das lithographische Werk von Bernhard Heisig hat er sich verdient gemacht. Heisig hat oft betont, dass er mit Hilfe von Arloth, welchen er auch mehrfach porträtierte, dem Lithostein Dinge abgerungen hat, die er in der Malerei einfach nicht darstellen konnte. Höhepunkte dieser Zusammenarbeit sind die Folgen »Der faschistische Alptraum« und »Krieg« zu Ludwig Renn. Mit Siebdruck habe ich Arloth jedoch nie verbunden. Wie kam er darauf? »Wir wurden im März 1955 davon überrascht, dass in der Aula eine große, umfassende Übersicht mit Serigraphien aus Finnland gezeigt wurde. Was da zu sehen war, riss uns buchstäblich vom Hocker: brillante, als Schicht aufgebrachte Farben mit vom Sieb geprägten Rasterspuren. Da war, ohne Zuhilfenahme des heute obligatorischen Belichtens der Siebe, noch die handwerkliche Spur zu erkennen. Kurzum, wir studierten hier an hervorragenden Beispielen die grafischen Möglichkeiten des Siebdrucks. Und bereits im April besetzte ich eine Ecke der Lithowerkstatt mit dem Arbeitsplatz, an dem ich die schnell von Arloth besorgten, simplen, DIN-A2-großen, mit Gaze bespannten Holzrahmen mit wasserlöslicher Temperafarbe bearbeitete. Was drucken sollte, blieb frei. Und dann kam der Rakel zum Einsatz, der die unangenehm speckige Lackfarbe durch das Sieb drückte. Durch Zusatz von viel Talkum verhinderten wir den unerwünschten Glanz. Bald hingen auf den Leinen zum Trocknen nicht nur frisch gedruckte Lithos, sondern meine ersten serigraphischen Abzüge.« Harald Kretzschmar ist also ohne Zweifel ebenfalls ein Pionier dieser Drucktechnik in der DDR und hat vielleicht als einziger deutscher Künstler seine Anregung nicht aus US-amerikanischen, sondern aus nordeuropäischen Gefilden bezogen und mit Hilfe des versierten Druckers Arloth ganz eigene Wege beschritten. Schule machte das Experiment jedoch erst einmal nicht, den anderen Studenten war diese Technik zu mühsam. Profitieren konnte dann später Wolfgang Mattheuer, der zwischen 1969 und 1975 mindestens ein Dutzend großformatiger und farbenprächtiger Siebdrucke in der Arlothschen Werkstatt schuf. Harald Kretzschmar druckte 1976/77 noch einmal eine große Mappe mit zwölf Porträtlithographien mit Arloth – über die frühen Siebdruckexperimente wurde nicht mehr gesprochen.

Auch nach dem Studium blieb Kretzschmar den Sieben noch eine Weile treu und druckte – zur Irritation seiner Vermieterin – auch noch nächtens in der möblierten Bude. »Als ich beim Eulenspiegel anfing, hatte ich die Illusion, dass ich das im Siebdruck machen könnte, aber bei dem Termindruck war das der reine Wahnsinn. Montags wurden die Ideenskizzen bestätigt, und am Mittwoch oder Donnerstag musste ich ja dann schon liefern, und das bedeutete Nachtarbeit. An Auflagendrucke habe ich dabei gar nicht gedacht, mich hat dieser technische Effekt interessiert, das, was das Sieb ausmacht, diese Siebstruktur, die zu nutzen. Das sind natürlich Feinheiten und auch eine Frage des Publikums, der Sammler, dass da eben auch keine Nachfrage besteht.« Aber auch eine Frage der Vermittlung und wie man Leute zum Sammeln bringt, und das ist ja schließlich die Aufgabe, die wir uns mit der jW-Kunstedition stellen! »Es sind ja dann auch von etlichen Karikaturisten Originalgrafiken entstanden. Da hat der Künstlerverband sogar extra Aufträge erteilt. Es kam uns ja ganz praktisch gedacht auch zugute, dass wir dann mehrere Exemplare von bestimmten Blättern hatten, mit denen wir dann verschiedene Ausstellungen, auch internationale, beschicken konnten. 1970 habe ich übrigens in Belgien, auf dem Internationalen Cartoonfestival Knokke-Heist, meinen einzigen Grafikpreis bekommen – für einen Siebdruck!« Wurden die Auflagen auch in den Handel gebracht? »Einiges wurde im Staatlichen Kunsthandel angeboten, zum Beispiel bei der IX. und X. Kunstausstellung der DDR in Dresden. Die Basare im Palast der Republik haben wir persönlich beliefert.«

Harald schaut zufrieden auf den Stapel der noch zu signierenden Abzüge, der endlich sichtbar abnimmt …

Nicht bloß Nachahmung

Ich frage nach der Situation der Satire heute, da ist es mit der Zufriedenheit vorbei. »Das geht ja so weit, dass es gar nicht mehr kapiert wird, dass es nur als bösartig, als negativ wahrgenommen wird.« Auch Kritik braucht eine gewisse Gestaltungshöhe! »Ich habe einen ruhenden Text, den ich immer noch mal fertigschreiben muss, der heißt ›Der Putsch der Dilettanten‹. Gerade in der digitalen Sphäre sinkt das Niveau jeglicher kritischen Meinungsäußerung ins Bodenlose. Die missverstandene Freiheit, jegliche Form zu tolerieren oder besser zu ignorieren, führt dazu, dass jeder seine vermeintliche Meinung dahinrotzt und damit jede Auseinandersetzung unmöglich wird.« Und das macht vor der Kunst nicht halt: Formschwäche oder besser Formungsschwäche allerorten. »Sämtliche Schwächen des sozialistischen Realismus der frühen Phase, wie das naive Verständnis von Widerspiegelung, die wir mühsam überwunden hatten, sind ja nun durch die Hintertür wieder hereingekommen. Durch die ungehemmte digitale Fotografiererei ist eine naturalistische Darstellung als platte Abbilderei wieder völlig akzeptiert, in Kunst wie in der Werbung findet eine künstlerische Verfremdung ja überhaupt nicht mehr statt. Jeder ist ein Künstler? Ja dann, gute Nacht.« Realismus ist also kein Naturalismus. Aber was ist er dann? »Es ist doch ein Missverständnis, dass nur abstrakte Kunst abstrahiert. Ich war von Anfang an ein abstrahierender Künstler, und in der Karikatur erfindet man ja sowieso eine eigene Formwelt, die man für die gewünschte Aussage braucht. Der übersteigerte Ausdruck, was sich im wesentlichen in der Kunst der DDR abgespielt hat, war ja im Grunde die Fortsetzung und Krönung des deutschen Expressionismus.«

Realismus ist also im Wesen abstrahierende Kunst – aber wie geschieht diese Abstraktion konkret, wie wird sie erarbeitet? Harald blickt vom letzten, kleinen Blattstapel auf. »Durch den Blick hier raus in den Garten ist mir in den letzten Jahren immer mehr klargeworden, dass die Natur ihre eigene Künstlerin ist. Was sie hervorbringt, ist künstlerisch vorgeformt, deshalb ist die Verpflichtung, die ich als Künstler habe, dass ich das auch schaffe. Als Künstler bin ich ja auch Teil der Natur, ein natürliches Gebilde mit eigener Schöpferkraft – ledigliche Nachahmung der Natur ist zu schwach. Wenn ich zeichne, ist das nicht nur eine bildliche, sondern auch eine gedankliche Abstraktion – auch dem persönlichen Stil, der Handschrift ist eine gewisse Abstraktion schon immanent –, ich suche nach wesentlichen Eigenschaften und lasse Zufälliges weg. Mit der Verdrängung der bildlichen Abstraktion sehe ich die Gefahr, dass man auch nicht mehr in der Lage ist, gedanklich zu abstrahieren.« Ein ungeformter Gedanke ist kein Gedanke, Formen ist Denken und Denken ist Formen. Das letzte Blatt balanciert auf dem Knie, noch einmal wird besonders sorgfältig »Harald Kretzschmar 21« geschrieben: »Jetzt haben wir’s, jawoll, das war’s!«

Der Künstler

Harald Kretzschmar … … geboren am 23. Mai 1931 in Dresden, studierte von 1950 bis 1955 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und zeichnete danach als freier Karikaturist 36 Jahre lang für den Eulenspiegel. Von 1974 bis 1989 war er Vorsitzender der Zentralen Sektionsleitung Karikatur im Verband Bildender Künstler der DDR und organisierte zahlreiche Ausstellungen. 1975 war er Mitbegründer des Satiricum in Greiz. Seit 1990 publiziert er regelmäßig Texte und Zeichnungen im Neuen Deutschland, schreibt für die Marginalien, Ossietzky und auch jW und bringt zahlreiche Bücher heraus. In seinem neuesten Buch »Stets erlebe ich das Falsche. Der Alternative Künstlerreport« (Quintus-Verlag, Berlin 2017) entwickelt Kretzschmar seine eigene Sicht auf die DDR und ihre Kulturlandschaft.

Harald Kretzschmar wird mit neuen Arbeiten an der 10. Triennale der Karikatur mit dem Motto »Das ist jetzt nicht wahr, oder?« teilnehmen, Sommerpalais Greiz, 5. Juni bis 3. Oktober 2021

Der Autor Andreas Wessel führte mit Harald Kretzschmar bereits vor knapp zwei Jahren ein langes Interview, das am 8./9. Juni 2019 in der jW-Wochenendbeilage erschien.

Die sechste Grafik der jW-Kunstedition ist ein vierfarbiger Siebdruck (Serigraphie) von Harald Kretzschmar, »Die Bewegten«, 2021, auf Munken Print Cream (300 g/m2), gedruckt in der Werkstatt R. Slotta (Berlin), Darstellung: 26 x 17 cm, Blatt: 29 x 20 cm, unten links: Prägestempel der jW-Kunstedition, unten rechts: signiert und datiert, Auflage: 250 Exemplare, davon 50 Exemplare h. c.

Alle Editionsgrafiken können über die jW-Ladengalerie und den jW-Shop unter www.jungewelt-shop.de für je 28 Euro plus Versandkosten erworben werden

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