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Aus: Ausgabe vom 13.03.2021, Seite 2 / Inland
Rechte Netzwerke

Bewährung für KSK-Soldaten

Landgericht Leipzig: Mildes Urteil im Prozess wegen eines Waffenlagers
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Mit dem Besitz einer »AK-47« soll der KSK-Soldat gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben (Symbolbild, 2.8.2018)

Es ist auch ein Signal an Gleichgesinnte, dass keine allzu schweren Strafen zu befürchten sind: Für das Anlegen eines illegalen Waffenarsenals in seinem Garten hat das Landgericht Leipzig am Freitag den KSK-Unteroffizier Philipp Sch. zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sprach ihn wegen Verstößen gegen das Kriegswaffen­kontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz schuldig. Der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft Dresden hatte zuvor zweieinhalb Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung plädierte auf höchstens zehn Monate Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sch. war Schießausbilder beim Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr. Zudem sei er Teil des rechten »Hannibal«-Netzwerks, wie Luca Heyer von der Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI) gegenüber junge Welt vom 23. Januar erklärt hatte. In Kisten und Säcken hatte der inzwischen suspendierte Oberstabsfeldwebel der 2. Kompanie des KSK ein gefährliches Arsenal in seinem Garten in Collm (Landkreis Nordsachsen) vergraben. Bei der Durchsuchung auf dem Grundstück im vergangenen Mai waren unter anderem ein Sturmgewehr vom Typ »AK-47«, zwei Kilogramm professioneller, offenbar einsatzfähiger Sprengstoff, mehrere tausend Stück Gewehr- und Pistolenmunition, Messer, eine Schreck- und Luftdruckwaffe, eine Armbrust, eine Nebelhandgranate, ein Schalldämpfer sowie weitere Waffenteile gefunden worden. Auch diverse Nazidevotionalien wurden entdeckt.

Trotz umfangreicher Ermittlungen sei dem Angeklagten aber kein strafrechtlich relevantes Handeln nachgewiesen worden, betonte Staatsanwalt Ron Franke. Die Verteidigung hatte zuvor angekündigt, eine Bewährungsstrafe wegen eines minderschweren Falls zu verlangen. Sch. räumte zum Prozessauftakt im Januar ein, das Waffenlager angelegt zu haben. Der 46jährige behauptete, dass er die Waffen und die Munition zur Ausbildung der Soldaten benötigt habe, weil es bei der Bundeswehr oft Engpässe bei der Ausrüstung gegeben habe. Er war nach der Razzia im Mai in Untersuchungshaft genommen worden. Ende November kam er zunächst wieder auf freien Fuß. (dpa/AFP/jW)

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Leserbriefe zu diesem Artikel:

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