Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Sa. / So., 17. / 18. April 2021, Nr. 89
Die junge Welt wird von 2503 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 06.03.2021, Seite 6 / Ausland
Free Mumia!

Der Krankheit preisgegeben

Nach Covid-19-Diagnose: Empörung über Rückverlegung von Mumia Abu-Jamal ins Gefängnis
Von Jürgen Heiser
imago0107174055h.jpg
Solidarität und Kampf für Freiheit: Protest vor einem Gefängnis in Philadelphia (28.11.2020)

Im Ringen um Leben und Freiheit des in der Haft erkrankten US-Bürgerrechtlers Mumia Abu-Jamal hat nun auch die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) klar Position bezogen: »Unser Ehrenmitglied, der ehemalige Black-Panther-Aktivist Mumia Abu-Jamal, ist positiv auf Covid-19 getestet worden«, heißt es in der am Donnerstag verbreiteten Erklärung. Bereits vier Gefangene im Staatsgefängnis SCI Mahanoy in Pennsylvania seien an Corona gestorben, »viele weitere seiner Mitgefangenen im selben Zellentrakt sind ebenfalls erkrankt«, so die VVN-BdA. Abu-Jamal gehöre zur »Hochrisikogruppe«, weshalb es für ihn und andere gefährdete Gefangene nur eins geben könne: »die umgehende Freilassung und eine adäquate medizinische Behandlung!«

Wie das US-Solidaritätskomitee »Mobilization for Mumia« am Freitag meldete, war Abu-Jamal seit dem vergangenen Wochenende »vier Tage lang in einer örtlichen Klinik« nahe dem Gefängnis behandelt worden. Seitdem befindet er sich jedoch wieder in Quarantäne in der Krankenstation der Haftanstalt. Wegen der diagnostizierten Herz- und der attestierten Covid-19-Erkrankung sei das unverständlich, kritisierte Dr. Ricardo Alvarez, Vertrauensarzt von Abu-Jamal und unabhängiger Mediziner mit jahrzehntelanger Praxis in der Versorgung von Inhaftierten.

Eine Krankenstation hinter Gittern sei »kein Ort für Kranke oder ältere Menschen«, so Alvarez. »Die einzige akzeptable Behandlung für Mumia Abu-Jamal ist seine Freiheit.« Angesichts der Coronapandemie, die im US-Gefängnissystem viele Menschenleben fordere, gebe es für die Behörden »eine einfache, sogar kosteneffektive Maßnahme öffentlicher Gesundheitsvorsorge: Lasst unsere älteren Gefangenen frei!« Forschungsdaten belegten zudem, erklärte der Arzt, »dass sie kein Risiko für die öffentliche Sicherheit« darstellten, was von den Verantwortlichen immer wieder als Grund für die Haftfortdauer unter der momentan erhöhten Gesundheitsgefährdung angegeben werde.

»Mobilization for Mumia« prangerte an, es sei »ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, Gefangene trotzdem weiter in Haft zu halten. Insbesondere »alternde Menschen im Gefängnis« seien anfällig für einen vorzeitigen Tod, »wenn sie an Grippe, Krebs, Hepatitis, Lungenentzündung, Covid-19 oder wie Abu-Jamal zusätzlich noch an einer Herzkrankheit« litten. Als sofortige Schutzmaßnahme fordert das Komitee, dass Alvarez »zumindest tägliche Gespräche mit Mumias medizinischen Betreuern im Gefängnis gestattet werden«. Diese Forderung wird durch die Tatsache gestützt, dass bislang mindestens 110 Gefangene in Pennsylvania an Covid-19 gestorben sind. Und »90 Prozent der Inhaftierten, die im Jahr 2020 am Coronavirus starben, waren über 50 Jahre alt und hatten gesundheitliche Vorbelastungen«, so 32 Abgeordnete aus Pennsylvania in einem Brief vom 8. Februar an den Gouverneur von Pennsylvania, Thomas Wolf.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

Polizei vor Kiezkneipen- oder Waldschützern, Instagram vor linken Bloggern, Geheimdienste vor Antifaschisten? Oder eher andersherum? Die Tageszeitung junge Welt entlarvt jeden Tag die herrschenden Verhältnisse, benennt Profiteure und Unterlegene, macht Ursachen und Zusammenhänge verständlich.

Unverbindlich und kostenlos lässt sich die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) probelesen. Abbestellen nicht nötig, das Probeabo endet automatisch.

Ähnliche:

Mehr aus: Ausland