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Aus: Ausgabe vom 05.03.2021, Seite 8 / Ansichten

Rosa-Luxemburg-Forscherin des Tages: Deutsche Post

Von Arnold Schölzel
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Briefmarkenabonnenten der Deutschen Post erhielten in den vergangenen Tagen ein bemerkenswertes Geschenk: Einen Flyer, mit dem die zum größten Logistikkonzern der Welt aufgestiegene einstige Behörde an den 150. Geburtstag Rosa Luxemburgs an diesem Freitag erinnert. Solche Ehrung für eine Sozialistin, gar Kommunistin, setzt allerhand voraus, z. B., dass das böse Wort mit K nicht auftaucht.

Immerhin beginnt der Begleittext mit den Worten: »Zeit ihres Lebens griff sie den deutschen Militarismus und Imperialismus an, warnte immer wieder vor dem Krieg und rief zur Kriegsdienstverweigerung auf.« Daher: »Obwohl sie die Revolution im russischen Zarenreich 1917 unterstützte, behielt sie ihren grundsätzlichen pazifistischen Standpunkt bei.«

Es gab zwar 1917 zwei russische Revolutionen, und weil Rosa Luxemburg insbesondere die des Oktober unterstützte, wusste sie: Alle Mächte der alten Gesellschaft setzten auf Gewalt. Weil sie keine Pazifistin war, scheute sie den Bürgerkrieg nicht. Da die Post-Historiker so wenig Glück haben, bleibt Pech nicht aus: Unter den Luxemburg-Fotografien des Flyers ist eine, die eine Unbekannte zeigt. Da macht es schon nichts mehr, wenn von den sieben abgebildeten Briefmarken mit den Porträts Rosa Luxemburgs, Karl Liebknechts und Clara Zetkins sechs in der DDR erschienen. Die eine bundesdeutsche aus dem Jahr 1974 – vier Jahre, nachdem der sich zum Mord an Rosa Luxemburg bekennende Hauptmann Waldemar Pabst in Düsseldorf im Bett verstorben war – verursachte damals einen Empörungssturm im Wasserglas. Aufrechte Bürger weigerten sich, die Marke mit dem Konterfei des »Flintenweibs« zu verwenden.

Alles vergangene Zeiten, denn Geschichtsverbiegung gab es nur in der DDR, die laut Post-Flyertext allein die »Märtyrerin« feierte. Durch Verbreitung ihrer Werke.

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