Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Gegründet 1947 Sa. / So., 17. / 18. April 2021, Nr. 89
Die junge Welt wird von 2503 GenossInnen herausgegeben
Jetzt drei Wochen gratis lesen. Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Jetzt drei Wochen gratis lesen.
Aus: Ausgabe vom 05.03.2021, Seite 7 / Ausland
Free Mumia Abu-Jamal!

Mumia hat Covid-19

USA: Anwälte des politischen Gefangenen bestätigen Erkrankung. Solibewegung mobilisiert für Freilassung
Von Jürgen Heiser
7.JPG
Free Mumia Abu-Jamal! Plakat bei einer antirassistischen Demo in New York im April 2015

Im Bangen um die gesundheitliche Situation des US-Bürgerrechtlers Mumia Abu-Jamal hat eine Kundgebung der Solidaritätsbewegung für den politischen Gefangenen in Philadelphia am Mittwoch mittag (Ortszeit) traurige Gewissheit gebracht. Gegen Ende der vor dem Amtssitz des Bezirksstaatsanwalts Lawrence Krasner abgehaltenen Infoveranstaltung traf bei Johanna Fernández von der Kampagne »Bring Mumia Home« telefonisch die Nachricht ein, Abu-Jamal sei »positiv auf Covid-19 getestet worden«.

Gegenüber jW bestätigte Rechtsanwalt Robert Boyle telefonisch, die Information über das positive Testergebnis an Fernández weitergegeben zu haben. Gefragt nach einer weitergehenden Stellungnahme zur medizinischen Situation Abu-Jamals verwies Boyle darauf, sie werde »von einem der Komitees herausgegeben«. Bis jW-Redaktionsschluss am Donnerstag hatte diese Mitteilung der US-Solidaritätskomitees noch nicht vorgelegen.

Der New Yorker Anwalt Boyle und sein Kollege Bret Grote vom »Abolitionist Law Center« in Pittsburgh, Pennsylvania, hatten als Abu-Jamals Haftanwälte im März 2017 nach zähen juristischen Verhandlungen und internationaler Unterstützung die Anordnung eines US-Bundesgerichts durchgesetzt, dass die jahrelang von den Gefängnisbehörden ignorierte Hepatitis-C-Infektion ihres Mandanten endlich angemessen behandelt wird. Seine Leber war jedoch infolge der langen Verzögerung schon dauerhaft geschädigt.

Nach der jüngst eingetroffenen detaillierteren Schilderung der medizinischen Situation Abu-Jamals durch Noelle Hanrahan vom Projekt Prison Radio war er bereits am vergangenen Sonnabend in ein örtliches Krankenhaus eingeliefert worden. Das Personal der Krankenstation des Staatsgefängnisses SCI Mahanoy hatte die Verlegung wegen seiner Brustschmerzen und Kurzatmigkeit veranlasst. Die Klinikärzte diagnostizierten eine »kongestive Herzinsuffizienz«, so Hanrahan, also eine Herzschwächung, die durch eine Virusinfektion hervorgerufen worden sein könnte und dringender Diagnose und Behandlung bedarf.

Nachdem Abu-Jamals Unterstützer die Behörden seit Sonnabend mittels einer Telefonaktion unter Zugzwang gesetzt hatten, waren vom medizinischen Knastpersonal laut Hanrahan »drei negative oder falsch negative Covid 19-Tests und ein negativer Antigentest« erfolgt, die zu den kurzzeitigen Entwarnungen geführt hatten. Erst bei einer »im Krankenhaus durchgeführten serologischen Blutanalyse« sei Abu-Jamal »positiv auf Covid-19 getestet« worden, wie von Anwalt Boyle gemeldet.

Es sei »unklar, wie lange Mumia im Krankenhaus lag, aber am Mittwoch befand er sich in Isolation auf der Krankenstation des Gefängnisses«. Von dort habe er »seine Dankbarkeit für die weltweite Unterstützung und die Aufmerksamkeit für ihn und andere ältere Gefangene, deren Leben im Gefängnis bedroht« sei, übermittelt, so Prison Radio.

»Die Haftbedingungen in den US-Gefängnissen sind unmenschlich, wie bereits der UN-Menschenrechtsrat und die Richterin im Auslieferungsprozess gegen Julian Assange festgestellt« habe, erklärte dazu Zaklin Nastic, die menschenrechtspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag. Der »seit fast 40 Jahren unschuldig inhaftierte Mumia Abu-Jamal« müsse »mit sofortiger Wirkung freigelassen werden«, forderte Nastic in einer Pressemitteilung und prangerte die »Verschleierungsversuche der Gefängnisbehörden« an.

Hanrahan von Prison Radio forderte die Solidaritätsbewegung zum Handeln auf: »Wir, das Volk, müssen unsere Ängste beiseiteschieben. Es ist nicht die Zeit zu zögern, und wir dürfen nicht in Verzweiflung verfallen«. Die angesichts Tausender an Covid-19 Verstorbenen im US-Gefängnissystem lauter werdende Forderung nach Entlassung kranker Gefangener wie Abu-Jamal und aller über 50jährigen sei »kein Traum, sondern eine Notwendigkeit«. Um das Ziel zu erreichen, mobilisiert die Kampagne »Bring Mumia Home« für diesen Sonnabend zu einem »Global Virtual Street Meeting« von 20 bis 22 Uhr hiesiger Zeit. Motto: »Noch nie war die Freiheit so nah.«

kurzelinks.de/mumiastreetmeeting

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

Polizei vor Kiezkneipen- oder Waldschützern, Instagram vor linken Bloggern, Geheimdienste vor Antifaschisten? Oder eher andersherum? Die Tageszeitung junge Welt entlarvt jeden Tag die herrschenden Verhältnisse, benennt Profiteure und Unterlegene, macht Ursachen und Zusammenhänge verständlich.

Unverbindlich und kostenlos lässt sich die junge Welt drei Wochen lang (im europäischen Ausland zwei Wochen) probelesen. Abbestellen nicht nötig, das Probeabo endet automatisch.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • Mumias Bild bei einer der Protestdemonstrationen gegen rassistis...
    11.08.2015

    Mumia zum Schweigen bringen

    USA: Anwälte des politischen Gefangenen klagen vor Bundesgericht auf Behandlung von Abu-Jamals Hepatitis-Erkrankung. Behörden verschleppen notwendige Maßnahmen
  • Heute begeht der politische Gefangene Mumia Abu-Jamal seinen 61....
    24.04.2015

    Geburtstag in Krankenzelle

    Medizinische Hilfe für den schwer erkrankten Mumia Abu-Jamal weiterhin verweigert. Unterstützer fordern sofortige Freilassung

Regio:

Mehr aus: Ausland