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Aus: Ausgabe vom 04.03.2021, Seite 15 / Medien
Facebook News

Im Schlepptau von Facebook

US-Monopolist startet Zusammenarbeit mit Medien aus Deutschland
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Der Plattformkonzern kooperiert auch mit Medienunternehmen aus Deutschland. Nicht alle Großen machen mit

Facebook wird in Deutschland Nachrichtenplattform – und das Gefolge steht Schlange. Ab Mai will der US-Monopolist auf seinem »sozialen« Netzwerk Nachrichteninhalte von zahlreichen Verlagen und Medienmarken aus der Bundesrepublik präsentieren. Das kündigte der Konzern am Montag bei einer Onlinepressekonferenz in Hamburg an. »Wir werden die kommenden drei Jahre weltweit rund eine Milliarde Dollar in Facebook News investieren«, zitierte die Nachrichternagentur dpa am Montag Jesper Doub, »Director für News Partnerships« in Europa. Wie die Bezahlung für die beteiligten Verlage genau ausfällt, verriet Facebook nicht.

Das Modell: Die (nicht selten durch die Printkrise angeschlagenen) Medienhäuser werden dafür bezahlt, dass sie auf Facebook News Inhalte verlinken, die bislang nicht auf der Plattform zu sehen waren. Die Nachrichten würden nicht exklusiv für die Plattform produziert. »Wichtig dabei ist, dass Inhalte selbst nicht auf Facebook landen, sondern wir setzen Links zu den Angeboten der Verlage«, betonte Doub. Klingt nach einer zusätzlichen Vermarktungsgelegenheit für die Medienhäuser. Aber zu welchem Nutzen für den Plattformkonzern? Daten, noch mehr Daten von »Usern«?

Facebook gibt sich generös, tut so, als sei das eine zwar nicht wichtige, aber von einem Teil der Nutzer gern gesehene Zusatzdienstleistung: Nachrichten seien laut Doub in der Regel nicht das, was die Leute auf Facebook treibt. »Aber es gibt einen Teil der User, die das gerne sehen wollen, und für die versuchen wir, diese Oberfläche einzubringen.«

Facebook News war vor einem Jahr in den USA gestartet. Wie dreist der Konzern inzwischen mit Staaten umgeht, bewies er Anfang des Jahres in Australien. Dort setzte der Multi auf eine harte Gangart bei der Auseinandersetzung mit der Regierung um ein Leistungsschutzrecht. Um Druck zu machen, hatte Facebook dort abrupt journalistische Inhalte von seiner Plattform verbannt – was weltweit nicht als Sympathiewerbung ankam.

Auch der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) scheint von der Selbstherrlichkeit des Internetriesen nicht begeistert zu sein. Der Lobbyverband begrüßte laut dpa-Meldung vom Montag »ganz grundsätzlich« die Tatsache, dass Facebook offensichtlich erkannt habe, dass Reichweitenzuwächse keine angemessene Währung für die Verwendung von Inhalten Dritter seien. »Zur Refinanzierung muss auch Geld fließen.« Dies dürfe dann »allerdings keine einsame und jederzeit rückholbare Entscheidung nach Gutsherrenart sein, sondern muss auf wirksamen und effektiv durchsetzbaren Rechten beruhen«.

Als Facebook-News-Passagiere in Deutschland mit an Bord sind laut Konzern beispielsweise Marktgrößen wie Funke, etablierter Mainstream wie Spiegel, FAZ, Zeit, Handelsblatt oder der kriselnde Verlag Gruner und Jahr (Bertelsmann). Auch Regionalverlage und auf Sport und Technik spezialisierte Medienhäuser wollen die Gelegenheit nutzen. Aber nicht alle Mainstreamanbieter machen mit.

So erklärte der Axel-Springer-Verlag auf dpa-Anfrage, er werde in Deutschland zum Start von Facebook News nicht mit journalistischen Inhalten seiner Marken vertreten sein. »Wir halten die Versuche einiger Plattformen für problematisch, einerseits selbst zu Nachrichtenmedien zu werden und andererseits einige zuliefernde Verlage mit unangemessen niedrigen Vergütungen abzuspeisen. Wir setzen auf ein europäisches Copyright, das transparent alle Verlage an einer angemessenen Vergütung teilhaben lässt.« (dpa/jW)

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