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Aus: Ausgabe vom 03.03.2021, Seite 5 / Inland
Folgen der Pandemie

Noch ungleicher durch Corona

Studie warnt vor wachsenden Gehaltsunterschieden zwischen Geschlechtern
Von Ralf Wurzbacher
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Kinderbetreuung in Coronazeiten war bisher mehrheitlich Frauensache

Die Pandemie könnte die Einkommensunterschiede zwischen Frau und Mann wieder größer werden lassen und erreichte Fortschritte in puncto Geschlechtergerechtigkeit zunichte machen. So lautet ein Ergebnis der am Montag vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung vorgelegten Studie »Stand der Gleichstellung. Ein Jahr mit Corona«. Allerdings bringt die Krise nicht nur Verliererinnen hervor, wie die Autorinnen Yvonne Lott und Aline Zucco aufzeigen. So seien im Zuge des ersten und zweiten Lockdowns überdurchschnittlich viele Männer entweder erwerbslos geworden oder zur Kurzarbeit genötigt gewesen. Wegen der damit verbundenen Einbußen habe sich der Gehaltsabstand gegenüber Frauen zumindest vorläufig verringert.

Dieser ohnehin nur scheinbare »Erfolg« wird von anderen »möglicherweise dauerhaften Verschlechterungen der Arbeitszeitsituation von erwerbstätigen Frauen« flankiert, heißt es im Report. Das betrifft insbesondere den Aufwand zur Betreuung von Kindern infolge der weitgehenden Schul- und Kitaschließungen. Nach der Erhebung reduzierten Mütter im ersten Shutdown ihre Arbeitszeit häufiger und in größerem Umfang als Väter, nämlich im Verhältnis 24 Prozent zu 16 Prozent. Zwar sank im November 2020 der jeweilige Anteil, lag mit fast zehn Prozent bei den Frauen aber weiterhin deutlich über dem Niveau bei den Männern (5,8 Prozent). Vor Ausbruch der Pandemie arbeiteten männliche im Schnitt zehn Stunden mehr als weibliche Erwerbstätige, im Frühjahr 2020 wuchs die Differenz auf zwölf Stunden, im Spätherbst lag sie noch bei elf Stunden.

Die Entwicklung führt nicht nur zu kurzfristigen Verdienstausfällen, die Forscherinnen fürchten, dass die Schere auch auf lange Sicht geöffnet bleibt. Denn anders als bei Kurzarbeit, wo der Wechsel zurück zur vorherigen Arbeitszeit durch Beteiligung und unter Aufsicht der Bundesagentur für Arbeit (BA) faktisch »automatisch« geschehe, sei der Einfluss der »Arbeitgeber« nach familienbedingten Reduzierungen größer. »Im schlimmsten Fall könnte sich ›ungewünschte Teilzeit‹ verstetigen«, heißt es in einer WSI-Mitteilung. Außerdem signalisierten kürzere Erwerbsarbeitszeiten aus familiären Gründen aus Sicht der Unternehmer »oftmals ein geringeres Arbeitsengagement, was negative Folgen für den weiteren beruflichen Werdegang wie geringere Löhne, weniger Weiterbildungschancen und Aufstiegsmöglichkeiten haben kann«, konstatieren Lott und Zucco.

»In der Gesamtschau« spreche vieles dafür, dass sich die bereits vor der Krise existierenden Strukturen verfestigten und »damit auch langfristig zu einer wachsenden Ungleichheit zwischen den Geschlechtern führen könnten, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird«, gab WSI-Drektorin Bettina Kohlrausch zu bedenken. So sehen die Forscherinnen auch Anzeichen dafür, dass sich die Beschäftigungsentwicklung bei den Frauen im zweiten Lockdown »relativ stärker« verschlechtert habe. Außerdem wirkten sich Kurzarbeit und Erwerbslosigkeit bei weiblichen Beschäftigten »häufig negativer« aus, wofür es zwei Gründe gebe: Erstens hänge Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld vom Nettoeinkommen ab, das jedoch bei vielen verheirateten Frauen wegen der in der Regel hohen Steuerabzüge im Rahmen des Ehegattensplitting niedriger ausfalle. Zweitens erhielten »Arbeitnehmerinnen« seltener eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes über das gesetzliche Niveau hinaus, weil sie seltener in tarifgebundenen Betrieben tätig seien.

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