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Aus: Ausgabe vom 02.03.2021, Seite 10 / Feuilleton
Pop

Klingt wie ewige Jugend

Breitere Einflüsse: Das neue Ding der Londoner Band Django Django
Von René Hamann
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Das Ding ist, die Musik war schon damals retro. Also die Musik, auf die sich vier Jungs aus London, die sich um 2010 herum zu Django Django formierten, bezogen: psychedelische Popmusik, gut tanzbar, sehr englisch. Das nannte man um 1990 herum noch »Indie Dance« oder, vorwiegend in Deutschland, »­Rave«, mal mit, mal ohne vorangestelltes Manchester. Denn daher kamen die meisten Bands, die diese Mischung aus wimpiger Gitarrenmusik mit Groove und Sixties-Psychedelik spielten: The Charlatans, Happy Mondays, Stone Roses.

Aus London gab es darauf relativ spät eine Antwort, sie kam von Blur, die aber nach ihrem Debüt »Leisure« (1991) eine andere Richtung einschlagen sollten. Django Django wiederum, die dem Namen nach auch in Richtung Django Reinhardt grüßen, dieser Vorkriegsgitarrenjazzgröße, knüpften gut 20 Jahre später von London via Edinburgh genau da noch einmal an: Grooves, Disko, Harmoniegesang, wimpiger Stil. Vielleicht etwas mehr Disko und etwas mehr Groove. »Default« und »Hail Bop« von 2012 oder »First Light« von 2015 waren leichtfüßige Tanzhits, die gern auch im Radio liefen.

Moment, was ist ein »wimpiger Stil«? Ein Wimp ist ein Schwächling, ein Hemd, ein schwachbrüstiger junger Mann kurz nach der Pubertät. Irgendwann erfuhr das Schimpfwort eine Transformation, wurde zu etwas Positivem. Wimps waren danach (auch) Pre-Lads: junge, heranreifende Männer, die keine Probleme mit Gefühlen haben, auf Rausch und Verschwendung setzen, zu ihrer melancholischen Ader stehen. Wimps tanzen und verlieren sich im Sound, und natürlich kann ein Wimp auch ein Mädchen sein und ein Mädchen ein Wimp. Rave galt schon damals ein bisschen als Mädchenmusik, zu Unrecht, sofern man diese blöden Geschlechterklischees überhaupt bemühen möchte. Auch Django Django sorgen auf ihren gut besuchten Konzerten – sie füllen Hallen, Mate, sie füllen Stadien, jedenfalls taten sie das vor Corona – für die genau richtige musikalische Mischung, für ein Love-in unter Diskokugel und Stroboskop.

Die neuen Einflüsse sind interessant bis lustig geraten. Charlotte Gainsbourg nichtsingt als Gast in »Waking Up«, und zwar so, wie sie es immer macht, und es ist trotzdem ein sehr guter Song. In »Night of the Buffalo« verbreiten Geigen arabische Stimmung, die Single – wie immer ein Hit – namens »Spirals« hat einen hübschen Wave-Bass. »Glowing in the Dark«, auch dieses Stück wurde mit einem Video versehen, glüht im Dunkeln, soviel Acid House hat es sich auf die Zunge gelegt. Es geht höher und höher – in Spiralen.

Wie zeitgemäß kann Musik eigentlich sein, wenn sie von 2021, 2012 oder 1991 sein könnte? Völlig schnuppe, was Django Django anbelangt. Das Ding ist nämlich, ihr Zeug kommt sanft, wirkt aber saugut. Alles andere ist egal.

Django Django: »Glowing in the Dark« (Because Music/Caroline ­International/Universal)

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