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Aus: Ausgabe vom 02.03.2021, Seite 7 / Ausland
Angriffe auf Syrien

Israels »Schattenkrieg«

Fast wöchentlich israelische Angriffe auf Syrien. Mutmaßliche iranische Stellungen als Vorwand
Von Karin Leukefeld
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Völkerrechtswidrige Angriffe: Durch israelische Raketen zerstörtes Wohnhaus in Hama (22.1.2021)

Am späten Sonntag abend hat Israel erneut die südliche Umgebung von Damaskus bombardiert. Das syrische Militär erklärte, aus den von Israel besetzten syrischen Golanhöhen seien Raketen in Richtung der Hauptstadt abgefeuert worden. Die syrische Luftabwehr habe »die meisten der feindlichen Raketen« zerstört. Die syrische Nachrichtenagentur SANA veröffentlichte Videos, auf denen Leuchtkörper und Explosionen im Nachthimmel über Damaskus zu sehen waren.

Seit Beginn des Jahres 2021 hat Israel mindestens fünfmal nichtprovozierte und damit völkerrechtswidrige Angriffe auf Syrien verübt. Im Januar wurden bei der Bombardierung im syrisch-irakischen Grenzgebiet und in der Provinz Hama mindestens 61 Menschen getötet. Unklar ist, wie viele Menschen bei weiteren Angriffen Israels im Februar in der Provinz Kuneitra und im Umland von Damaskus getötet wurden.

Der jüngste Angriff könnte nach Spekulationen der Times of Israel ein Vergeltungsschlag dafür gewesen sein, dass ein israelisches Frachtschiff im Golf von Oman angeblich auf Wasserminen gefahren und in Brand geraten sei. Während Verteidigungsminister Benjamin Gantz noch am Wochenende erklärt hatte, der Vorfall müsse untersucht werden, erklärte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag, es sei klar, dass Iran für den Angriff auf das Schiff verantwortlich sei.

Im Dezember sagte der Stabschef der Israelischen Streitkräfte, Generalleutnant Aviv Kochavi, im Jahr 2020 habe Israel »mehr als 500 Ziele« angegriffen. »An allen Fronten, auch geheime Missionen, aber wir haben noch einen weiten Weg, bis wir unsere Ziele erreicht haben.« Ansonsten schweigt Israel offiziell, dementiert aber nicht die zahlreichen Artikel in israelischen und internationalen Medien, wonach Israel in Syrien iranische Stellungen angreife, um ein »Eingraben des Iran« in Syrien zu verhindern. Geschwiegen wird offiziell auch beim UN-Sicherheitsrat, bei dem die syrische Regierung nach jedem der Angriffe protestiert, ohne dass Israel verurteilt wird. Auch der Libanon, dessen Luftraum von israelischen Kampfjets völkerrechtswidrig für die Angriffe genutzt wird, protestiert seit Jahren vergeblich bei der UNO.

Ungenannte regionale Geheimdienstquellen gehen nach Angaben von Reuters davon aus, die iranische Kuds-Armee – Kuds ist die arabische Bezeichnung für Jerusalem – sei in Syrien stark vertreten und habe im Süden von Damaskus unterirdische Militärbasen errichtet. Diese Angaben, die möglicherweise vom israelischen Geheimdienst Mossad stammen, dienen als Vorwand für die Angriffe auf Syrien. Westliche Geheimdienste sprechen von einem »Schattenkrieg«, den Israel in der Region gegen den Iran führe. Damit habe Israel den militärischen Einfluss des Iran erheblich untergraben, ohne dass es zu einem Krieg gekommen sei, verweist Reuters auf westliche Geheimdienste.

Israel erhielt zuletzt von der abgewählten Trump-Administration grünes Licht für den »Schattenkrieg«, mit dem es die gesamte Region des Nahen und Mittleren Ostens destabilisiert. Der damalige US-Außenminister Michael Pompeo, ein ehemaliger CIA-Direktor, hatte seinen Sonderbeauftragten für Iran und Venezuela Elliot Abrams kurz vor der Amtsübergabe Ende 2020 nach Israel und in die arabischen Golfstaaten geschickt, um den Kampf gegen den Iran zu koordinieren. Abrams hatte im Auftrag des Weißen Hauses bereits in den 1980er Jahren staatliche bewaffnete Milizen und Todesschwadronen unterstützt, die Massaker in Guatemala, El Salvador und Nicaragua verübten. Wegen seiner Beteiligung am Iran-Contra-Waffengeschäft wurde er 1991 verurteilt. US-Präsident George W. Bush begnadigte Abrams 1992.

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