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Aus: Ausgabe vom 02.03.2021, Seite 5 / Inland
Pandemie trifft Beschäftigte

Geringer steigende Tarifverdienste

Maßnahmen zur Krisenbewältigung treffen Einkommen, Beiträge und Steuern
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Beschäftigte haben nur etwas mehr Geld im Portemonnaie

Die Coronakrise hat den Anstieg der Tarifverdienste in Deutschland 2020 gebremst. Einschließlich Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld lagen die Entgelte der tarifvertraglich Beschäftigten zwar um 2,1 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Dies stellt nach Berechnungen des Wiesbadener Statistischen Bundesamtes aber den geringsten Zuwachs seit dem Jahr 2016 mit damals ebenfalls 2,1 Prozent dar. Die Behörde bestätigte am Montag ihre vorläufigen Angaben vom Dezember. 2019 waren die Tarifverdienste noch um durchschnittlich 3,2 Prozent gestiegen.

Positiv aus Sicht der abhängig Beschäftigten: Die Tarifverdienste legten im vergangenen Jahr trotz der »Lohnzurückhaltung« vieler Unternehmen wegen der Maßnahmen und Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie deutlich stärker zu als die Verbraucherpreise mit 0,5 Prozent. Letztere sind allerdings mit Beginn dieses Jahres kräftig gestiegen, und Experten erwarten, dass sie bis zu drei Prozent klettern könnten. Unter dem Strich ist für viele abhängig Beschäftigte dennoch 2020 rechnerisch etwas mehr Geld auf das Konto geflossen.

Überdurchschnittlich stiegen die Tarifverdienste im Jahr 2020 vor allem im öffentlichen Dienst, wo sich neben regulären Erhöhungen auch sogenannte Coronaprämien – also Bonuszahlungen – positiv auswirkten. Steigerungen gab es nach Angaben des Bundesamtes etwa im Bereich Erziehung und Unterricht (plus drei Prozent) und in der öffentlichen Verwaltung (plus 2,9 Prozent). Im Gesundheits- und Sozialwesen erhielten die Tarifbeschäftigten im Vergleich zum Vorjahr 2,5 Prozent mehr.

Deutlich unterdurchschnittlich erhöhten sich die Tarifverdienste dagegen dort, wo der materielle Reichtum entsteht – wie beispielsweise im verarbeitenden Gewerbe (plus 0,7 Prozent). Dies sei vorrangig darauf zurückzuführen, dass für die Metall- und Elektroindustrie für das Jahr 2020 wegen der Coronakrise keine prozentuale Tariferhöhung vereinbart worden war, erklärten die Statistiker. Im Baugewerbe, das als eine der wenigen Branchen relativ gut durch die wirtschaftlichen Turbulenzen während der Krise gekommen ist, gab es mit einem Prozent dennoch ebenfalls eine Lohnsteigerung unter dem Durchschnitt. In der Branche war in der Tarifrunde 2020 vereinbart worden, dass die Erhöhungen erst 2021 in Kraft treten sollen.

Das schwache Wachstum der Tarifentgelte hat neben den Effekten auf die Geldbörsen der Beschäftigten weitere Konsequenzen. Nahezu stagnierende Lohn- und Gehaltszahlen bewirken auch, dass die abzuführenden Beiträge für die gesetzlich vorgeschriebene Sozialversicherung niedriger ausfallen, als das mit der bisherigen Dynamik zu erwarten war. Das wirkt sich auf Rentenzahlungen ebenso aus wie auf die Einnahmen der Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Arbeitslosenversicherung. Auch das Aufkommen der Lohn- bzw. Einkommenssteuer dürfte sich nicht zur Freude des Fiskus entwickeln. (dpa/jW)

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