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Aus: Ausgabe vom 02.03.2021, Seite 4 / Inland
Radioaktiver Abfall

Kein Aufatmen bei Asse II

Spitzengespräch zwischen Betreiber, Ministerien und Lokalpolitik. Bürgerinitiativen empört
Von Andreas Riekeberg
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Ein Arbeiter bohrt ein Loch für eine Sprengladung zur Messung der Bodenstruktur um Asse II (Wittmar, 8.8.2019)

Ein Streitpunkt rund um das Atommüllbergwerk Asse II in der Nähe von Braunschweig ist die dort geplante Konditionierungsanlage für radioaktiven Abfall und ein sich anschließendes Zwischenlager. Beides soll nach dem Willen des Bundes nur ein paar hundert Meter entfernt von der Schachtanlage bei Remlingen entstehen – kaum einen Kilometer von Dörfern entfernt. Ein Spitzengespräch zwischen dem Betreiber, den Umweltministerien in Hannover und Berlin sowie regionalen Abgeordneten hatte erbracht, dass die Standortentscheidung noch einmal überprüft werden sollte.

Die Bürgerinitiativen sind mit dem Ergebnis des Gespräches allerdings überhaupt nicht zufrieden. In einer Mitteilung vom Sonntag betont Manfred Kramer von den Vahlberger Asse-Aktivisten, es bleibe »weit hinter den Forderungen der Samtgemeinderäte Elm-Asse, Sickte und Oderwald sowie dem Stadtrat und dem Kreistag Wolfenbüttel zurück«. In Resolutionen sei unter anderem ein Vergleich von Zwischenlagern auch an Asse-fernen Standorten gefordert worden. Nun aber sollen »nur die bekannten und fehlerhaften Unterlagen nochmals geprüft werden«, kritisierte Kramer.

Am Sonnabend hatte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) die Bürgerinnen und Bürger gebeten, sich zu überlegen, wie ihre Planungen umgesetzt werden könnten. In einer Annonce hieß es, die in der Schachtanlage Asse II lagernden radioaktiven Abfälle »sollen raus«. Im ersten Schritt gehe es um den Bau eines neuen Schachts. »Doch wohin mit den anfallenden Gesteinsmassen, und wie können Schäden an der Natur ausgeglichen werden? Reden Sie mit!«, hieß es weiter. Die Öffentlichkeit wurde jedoch nicht über das Ergebnis des Vergabeverfahrens zur Planung von Konditionierungsanlage und Zwischenlager informiert. Die Bietefrist hatte kurz vor Weihnachten geendet (siehe jW vom 11.12.2020).

Das Vorgehen des Betreibers empört die Bürgerinitiativen. In der Erklärung vom Sonntag heißt es: »Es ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten, dass die BGE die von vielen Seiten geäußerte und gut begründete Kritik ignoriert und die Bevölkerung nun um Vorschläge zur Umsetzung der mangelhaften Planungen bittet.« Die Initiativen fordern, dass die BGE zumindest die von den Wissenschaftlern der Arbeitsgruppe Option Rückholung (AGO) geäußerte Kritik aufnimmt. Die sieht in der Begrenzung des Auswahlverfahrens auf Asse-nahe Standorte mit Verweis auf den Strahlenschutz einen »grundlegenden methodischen Verfahrensmangel«. Heike Wiegel vom Verein »Aufpassen« geht auf einen weiteren, bislang nicht bedachten Aspekt ein. Wenn »ausgerechnet an der Asse« eine Konditionierungsanlage und ein Zwischenlager errichtet werden, verlangsame das die Rückholung des Atommülls »erheblich und unnötig«. Alle radioaktiven Belastungen vor Ort wären zu addieren.

Die BGE stellt in ihrem »Rückholplan« von 2020 fest, dass die Ableitungswerte für radioaktive Stoffe in der »Fortluft« ein »leistungsbegrenzender« Faktor sind. Um schneller den Atommüll zurückholen zu können, sei eine »parallele Durchführung« an vielen Einlagerungskammern anzustreben, anstelle einer schrittweisen Rückholung an je ein oder zwei Kammern. Das bedeute allerdings, dass in kürzerer Zeit »mit der gleichen Menge radioaktiven Abfalls« umzugehen wäre und sich »potentiell höhere« Strahlenbelastungen für Personal und Bevölkerung ergeben.

Die sogenannte Konditionierung und die Zwischenlagerung des Atommülls von der Rückholung räumlich voneinander zu trennen, würde also helfen, das Zurückholen zu beschleunigen. Das würde auch dem gesetzlichen Gebot der unverzüglichen Schließung von Asse II nach der Rückholung entsprechen. Für diese ist laut einer Studie der Ingenieursgruppe GNS/WTI sogar nur ein Transportbereitstellungslager an der Schachtanlage erforderlich – aber weder eine Konditionierungsanlage noch ein Zwischenlager.

Der Autor engagiert sich im Asse-II-Koordinationskreis, einem unabhängigen Gremium zur Organisation von Bürgerinitiativen, anderen Gruppen und Einzelpersonen

asse-watch.de

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