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Aus: Ausgabe vom 01.03.2021, Seite 15 / Politisches Buch
Debatte über Coronakrise

Ausnahmezustand und Pandemie

Diskussionsband mit Beiträgen über die »Welt nach Corona«
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Kein Durchkommen: Ein deutscher Polizist stoppt ein Auto an der deutsch-tschechischen Grenze bei Zinnwald (14.2.2021)

Pünktlich zum Beginn des zweiten Jahres der Coronapandemie ist im Berliner Verlag Bertz und Fischer ein umfänglicher Sammelband erschienen, in dem sich zahlreiche Autorinnen und Autoren mit den sozialen, wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Folgen der durch das Virus ausgelösten Krise befassen. Das von Dieter Bertz herausgegebene Buch versteht sich als »pluralistischer, vielstimmiger Diskussionsband« und ist in vier thematische Blöcke gegliedert.

Unter der Überschrift »Ausnahmezustand und Gesundheitsnotstand« versuchen sich mehrere Beiträge an einem theoretischen Zugriff auf die durch die Krankheit ausgelöste gesellschaftliche Krise bzw. das staatliche Handeln. Johannes Hauer schreibt über die »Konjunktur militärischer Rhetorik«. Rolf Gössner fasst Thesen zum »Corona-Ausnahmezustand« zusammen und betont dabei, dass die »einschneidenden, unser aller Leben stark durchdringenden Maßnahmen unstreitig auf Basis einer ungesicherten wissenschaftlichen Datenlage und widersprüchlicher Begründungen verhängt worden sind«. Skepsis und kritisches Hinterfragen »vermeintlicher Gewissheiten und autoritärer Verordnungen« seien »dringend geboten«. Lia Becker und Alex Demirovic schreiben über »Deutschland zwischen Lockdown und Exit« und haben unter anderem beobachtet, dass das »staatliche Erziehungsziel« sich von »Selbstoptimierung, Employability, Wettbewerbsfähigkeit und Konsumismus« hin zu Selbstdisziplin und freiwilligem Verzicht verlagert hat.

Im zweiten Block (»Corona-Kapitalismus und Sozialepidemiologie«) schreiben unter anderem Sabine Nuss über die »Verwundbarkeit der Eigentumslosen«, Theodor Schaarschmidt über Pandemiebekämpfung als »gigantisches Mitmachprojekt« (»Das pandemische Wir-Gefühl und seine Nebenwirkungen«) und Georg Seeßlen über Liebe und Begehren in Zeiten der Pandemie. Ingar Solty und Velten Schäfer fragen sich, »wie Verschwörungstheorien funktionieren«.

Der Block »Globale Seuche und globale Krise« versammelt eine Reihe von informativen Überblicken über den Umgang mit der Pandemie in ausgewählten Ländern, bevor die Autoren des abschließenden vierten Teils (»Neue Normalität und Post-Corona«) Entwicklungslinien der »postpandemischen Zukunft« skizzieren. (jW)

Dieter F. Bertz (Hg.): Die Welt nach Corona. Von den Risiken des Kapitalismus, den Nebenwirkungen des Ausnahmezustands und der kommenden Gesellschaft. Bertz und Fischer, Berlin 2021, 732 Seiten, 24 Euro

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