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Aus: Ausgabe vom 01.03.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Bedrohliche Spiele

Zu jW vom 19.2.: »Kopfschmerzen wegen ›Sputnik V‹«

Als Russland im August 2020 die Nachricht verkündete, dass es den ersten Impfstoff gegen Covid-19 (…) entwickelt habe, reagierte der Westen mit Distanz und Misstrauen, (…) nach der Devise: »Es kann nicht sein, was nicht sein darf.« Nach Beginn seines Impfprogramms im September wurde im November gemeldet, der Impfstoff sei mit einer Effizienz von circa 92 Prozent und einer Schutzwirkung von zwei Jahren sicher. Außerdem hat Russland verkündet, dass dieser Impfstoff für alle Länder der Welt zu einem günstigen Preis (knapp unter zehn US-Dollar pro Spritze) zugänglich sei. Darüber hinaus könne jedes Land auch die Lizenz des Impfstoffs erwerben und ihn selbst produzieren, was noch preisgünstiger wäre. Die EU und andere westliche Länder blieben nach wie vor skeptisch gegenüber diesem Angebot, das inzwischen viele Leben hätte retten können. Sie warteten lieber auf einen westlichen Impfstoff, weil die westliche Dominanz in der Wissenschaft nicht in Frage gestellt werden darf. Dabei hätten die Entscheidungsträger im Westen wissen können, dass Russland eine alte Tradition in der Impfstoffentwicklung hat. Schon Katharina die Große profitierte von einem »Impfprogramm« gegen die Pocken. Schließlich kamen kurz vor Weihnachten 2020 die westlichen Vakzine auf den Markt, mit übereilten und unter Druck erlangten Notzulassungen. Die Skepsis der Bevölkerung hinsichtlich der Sicherheit dieser Impfstoffe ist nachvollziehbar: Zum Teil verdanken sie sich einer neuen Nanotechnologie (…). »Sputnik V« wurde dagegen auf erprobte Weise entwickelt, vor dem Hintergrund einer 40jährigen Erfahrung in Russland mit anderen Impfstoffen wie gegen Ebola und MERS etc. Inzwischen praktizieren über 20 Länder der Welt die Anwendung von »Sputnik V«, ohne schwere Nebenwirkungen. Die bekannte medizinische Zeitschrift Lancet bestätigt die russischen Angaben über den Impfstoff. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen blockiert nach wie vor mit unsachlichen Anmerkungen und Forderungen die von Russland beantragte Zulassung dieses Impfstoffes. Der Umgang mit dem Impfstoff ist verantwortungslos und dilettantisch. Die geopolitischen Spiele der deutschen Politik, nun bei der Coronaimpfung, bedrohen unser Leben. Das Vertrauen in die Politik ist endgültig dahin.

Olivera Götz, per E-Mail

Zuviel Lob

Zu jW vom 25.2.: »Schlüsselfrage Gewerkschaften«

Der Autor hat den scheidenden Vorsitzenden der Partei Die Linke mit viel Lob gewürdigt. Schade, dass er nicht auf das eingeht, was Bernd Riexinger selbst als besonders gelungen in seiner Amtszeit herausstellt: das Konzept der »verbindenden Klassenpolitik«. Da ich zunehmend eine »ausgrenzende Klassengesellschaft« erlebe, wäre ich dem Autor der sich Marx und anderen verpflichtet fühlenden jW über eine gewisse Nachhilfe zum Verständnis einer »verbindenden Klassenpolitik« dankbar. (…)

Dr. Marianne Linke, per E-Mail

Gefährliche Ignoranz

Zu jW vom 23.2.: »Die Fehler der anderen«

Ich frage mich, wie oft und wie lange ich noch darauf aufmerksam machen muss, dass das Neonaziproblem in Berlin-Neukölln nicht erst seit den Morden und den Brandanschlägen dort besteht. Ich selbst war mehrfach Zielscheibe der Neonazis in Rudow, auch Adressatin diverser Morddrohungen bereits weit früher, wofür sich offenbar niemand interessiert. Ich denke mal, wenn man gründliche Aufklärung haben möchte, müssen all die vorausgegangenen Naziaktivitäten, die in den 90er Jahren zunahmen, bis in die 80er zurückverfolgt werden (…). Lange interessierte sich niemand für die Propagandaaktivitäten und ständigen Bedrohungen, auch nicht die Polizei! Überall stieß ich auf »taube« Ohren und musste mir immer wieder zynische Bemerkungen von Polizisten anhören oder Angriffe von ordnungsliebenden Bürgern abwehren. Offensichtlich ist, da auf all diese Nazidrohungen und Provokationen hin weder seitens der »Zivilgesellschaft« (besonders damals) noch der Polizeibehörden Maßnahmen ergriffen wurden, vielmehr einzelne Polizisten sich auch noch derart ignorant zeigten, war es für die Neonazis eine willkommene Aufforderung, sich zu verstärken. Bekanntlich folgt meist der Drohung die Ausführung der Taten! Letzte Woche im und vor dem Rathaus Neukölln das Gedenken an Hanau. Vor anderthalb Jahren entdeckte und übersprayte ich einen riesigen Schriftzug »K… vergasen« sowie vier circa 50 Zentimeter große Hakenkreuze im nur etwa 40 Meter entfernten Parkhaus. Und ich erlebe es immer wieder, dass man »abwinkt« und kein weiteres Interesse daran zeigt, wenn ich derartige Dinge anspreche. (…)

Irmela Mensah-Schramm, per E-Mail

Verlorener Krieg

Zu jW vom 18.2.: »Militäraufblähung«

Wen Gott bestrafen will, den lässt er in Afghanistan einmarschieren, sagt eine asiatische Weisheit. Die westliche Militärmacht um die USA ist nicht die erste, die diese Strafe erfuhr, wenn denn Gott seine Hand dabei im Spiele hatte. (…) Wenn es heute darum geht, aus dem Afghanistan-Dilemma (…) herauszukommen, muss erlaubt sein, an die Vorgeschichte zu erinnern. Die Sowjetunion wurde seinerzeit von der damaligen afghanischen Regierung mehrfach ersucht, militärisch zu helfen. Sie lief in die Falle. Wer aber hat die USA und westliche Mächte um militärische Hilfe gebeten? Wessen Wille war und ist es, die Besatzung im Lande zu haben, und wie lange noch? Bis die Taliban besiegt sind? Von vornherein war klar: Sie sind nicht zu besiegen. Es wurde nur erreicht, sie zu einer Terrormacht zu machen. Gegen die Russen waren die Mudschaheddin einst willkommene Kämpfer, wenn man sich noch daran erinnert. Was wurde in dem Lande nach 20 Jahren erreicht außer Zerstörung und Tod? Etwas anderes als Abzug wird kaum bleiben – oder Krieg ohne Ende. (…) Wie Joseph Biden sich auch immer entscheidet, Afghanistan ist verloren. (…)

Roland Winkler, Aue (Onlinekommentar)

Was wurde in Afghanistan nach 20 Jahren erreicht außer Zerstörung und Tod? Etwas anderes als Abzug wird kaum bleiben – oder Krieg ohne Ende.

Wer fürchtet sich eigentlich vor wem?

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