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Aus: Ausgabe vom 26.02.2021, Seite 8 / Ansichten

Im Namen des Herrn

Von Daniel Behruzi
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Herrschaftliches Ambiente bei der Caritas in Ückendorf. Für Beschäftigte hat der Katholische Wohlfahrtsverband jedoch wenig übrig

Bei den Lobbyisten der privaten Pflegekonzerne knallten am Donnerstag die Champagnerkorken. Angestoßen haben die Profiteure der Kommerzialisierung im Gesundheitswesen vermutlich auf die Caritas. Deren Arbeitsrechtliche Kommission hat der flächendeckenden Erstreckung des von Verdi ausgehandelten Tarifvertrags für die Altenpflege nach dem Arbeitnehmerentsendegesetz die Zustimmung verweigert. So verhindert der katholische Wohlfahrtsverband, dass Mindestbedingungen in der Branche geschaffen werden, an die sich alle Träger zu halten hätten. Das Lohndumping kann also weitergehen, ­Applaus war gestern – dank Caritas.

Dabei hatten Verdi und die Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) zuvor alles getan, um Caritas und Diakonie in das Tarifprojekt einzubinden. Es hat nichts genutzt. Am Ende siegte die Ideologie des kirchlichen Sonderwegs. Die Caritas-Oberen halten Tarifverträge offenbar grundsätzlich für Teufelszeug. Sie legen die Löhne und Arbeitsbedingungen ihrer rund 650.000 Beschäftigten ohne Tarifverhandlungen in sogenannten Arbeitsrechtlichen Kommissionen fest. In diesen dürfen zwar ein paar Beschäftigtenvertreter mitreden, sie haben aber letztlich nichts zu sagen und können auch keinen Druck machen, zum Beispiel durch Streiks.

Die Verteidigung dieses Sonderwegs geht nun auf Kosten aller rund 1,2 Millionen Beschäftigten in der Altenpflege, aber auch der pflegebedürftigen Menschen und der Gesellschaft als Ganzes. Denn schon jetzt fehlt es allerorts an Personal. Wenn sich an der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen nichts ändert, werden immer weniger Menschen in der Altenpflege arbeiten wollen. Dabei werden angesichts der demographischen Entwicklung immer mehr gebraucht.

Die Caritas führt damit die Sonntagsreden der Kirchenfunktionäre ad absurdum. Von der Kanzel predigen sie gerne die Aufwertung der Pflegeberufe. Doch mit ihrem Wohlfahrtsverband verhindern sie bei der Bezahlung sogar eine untere Haltelinie. Das sollte auch dem Letzten klarmachen, dass das Sonderrecht, das die Kirchen selbst im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch für sich reklamieren, endlich abgeschafft gehört.

Die Caritas hat sich zum Komplizen all derjenigen gemacht, die mit Niedriglöhnen in der Pflege Profite generieren. Das schadet auch ihr selbst, denn die tariflosen kommerziellen Betreiber setzen die Wohlfahrtsverbände unter Wettbewerbsdruck. Den Caritas-Funktionären ist das offenbar egal. Das soziale Gerede können sie sich in Zukunft sparen.

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Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Wieland K. (26. Februar 2021 um 14:53 Uhr)
    Und der Klerus, und der Klerus, der hat immer Recht …

    Na endlich hat man doch richtig erkannt, welche Maßnahmen unbedingt primär einzuleiten und umzusetzen sind, um die realen Gefahren der Coronapandemie in den Griff zu bekommen. Man hat blitzartig nach einem Jahr festgestellt, dass die Schwerpunktgruppe für lebensgefährliche Krankheitsverläufe und Todesfälle die Senioren und die älteren Herrschaften mit Vorerkrankungen sind, quasi die Herrschaften, die die beiden deutschen Staaten aus den Trümmerwüsten des Zweiten Weltkrieges wieder aufbauten.

    Die CHRISTLICH-demokratische und auch die CHRISTLICH-soziale Union haben die richtigen Maßnahmen, christlich und humanitär, getroffen, und ihre engsten Verbündeten bei Caritas haben es pfeilschnell umgesetzt.

    Nicht etwa mehr Pflegepersonal, mehr Küchen- und Reinigungskräfte, bessere Ausstattungen und infektionsverhindernde Maßnahmen in Alten- und Pflegeeinrichtungen. Gott bewahre. Ausstieg aus Tarifen, Bettellöhne für die Beschäftigten und Personalmangel in Perfektion, das ist der richtige Weg. Das höchste der Gefühle sind frenetische Beifallsstürme im Bundestag.

    Kirchenprofit forever. Und die christlich verbrämten Parteien hangeln sich von Lockdown zu Lockdown, opfern den kleinen Mittelstand, Kultur, Sport, Bildung, Einzelhandel. Man hat Aktionismus gezeigt und mit erigiertem Finger auf alle die, die sich im Sommer mit Fleiß, Initiative und Geld um Hygienekonzepte bemüht haben und auch zu vielen Einschränkungen selbstverständlich bereit waren.

    Aber Dirigismus und diktatorisches Gehabe ist allemal besser, als vielleicht im eigenen Dunstkreis aufzuräumen. Martin Luther bezeichnete so was in seinem direkt-derben Duktus als »Mit eines fremden Mannes Arsch ist gut durch Feuer fahren«.

    Wieland König, Neustadt in Holstein

Leserbriefe zu diesem Artikel:

  • Reinhard Hopp: Staatliche Komplizenschaft Das asoziale, heuchlerische und gierige Verhalten der Caritas und anderer dieser mit unser aller Steuergeldern höchstsubventionierten kriminellen Unternehmen ist die eine Seite der skandalösen Medaill...

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