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Aus: Ausgabe vom 25.02.2021, Seite 10 / Feuilleton
Corona

High Noon in Beijing

Christian Y. Schmidts Corona-Updates
Von Marc Püschel
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Zurück aus China: Christian Y. Schmidt gedenkt in Prenzlauer Berg der Coronatoten in Deutschland (11.1.2021)

»Im Moment ist hier soviel los wie in Bielefeld an einem Sonntag nachmittag.« Diese Meldung gäbe schon in einer durchschnittlichen Stadt Anlass zur Sorge, im Falle der chinesischen Hauptstadt weiß man: Hier läuft etwas schief. Die beunruhigende Atmosphäre eines fast menschenleeren Beijings hat Christian Y. Schmidt zu Beginn der Pandemie in seinen »Coronavirus Updates« eindrücklich festgehalten – auf Facebook veröffentlichte Statusberichte ab dem 26. Januar 2020, die nun der Berliner Kleinverlag Hybriden in einer geringen Auflage auch in gedruckter Form herausgegeben hat.

Nach über einem Jahr leben mit Corona wirkt das, was in den jeweils mit »Snake Y. Plissken« gezeichneten Beiträge (Fans von John-Carpenter-Filmen werden schmunzeln) geschildert wird, vertraut und doch fremd. Schon bei dreistelligen Infektionszahlen begibt sich Beijing in den Lockdown. Maskentragen und permanentes Desinfizieren werden sofort zur Normalität, die staatlichen Maßnahmen klaglos akzeptiert. Schon am 30. Januar beginnt das Fiebermessen im öffentlichen Raum. Die erste Konfrontation mit den Laserthermometern ergibt bei Schmidt »angeblich unterperformende 33,3 Grad«. Nicht alles kann auf Anhieb funktionieren.

Der Alltag ist eintönig: aufstehen, Coronastatistik gucken, spazierengehen, einkaufen, abends Filme (bevorzugt Katastrophenfilme). Schmidts typisch humoristischer Ton klingt manchmal an, wird aber von der allzuernsten Situation durchbrochen. Doch dafür fängt er in der ungewöhnlich leeren Stadt so manche hübsche Szene ein.

Am 13. Februar nimmt Schmidt den letzten möglichen Flieger nach Berlin. Bei der Ankunft: kein Fiebermessen, keine extra Kontrollen, keine Masken, keine Desinfektion. Den »Rücksturz zur Erde« kommentiert der Autor besorgt: »Das ist alles nicht gut und macht nicht gerade gute Laune (…). Ein wirklich seltsames Gefühl leichter Unsicherheit.« Noch im März behaupten Experten in Deutschland, man brauche keine Masken – einzelne Warnrufe wie von Schmidt verhallen in den sozialen Medien. Das Bändchen führt einem den ganzen Irrsinn der zögerlichen und ignoranten Politik im Westen im Kontrast zu den schnellen Reaktionen in Asien vor Augen.

Den Berichten ist ein ausführlicher Epilog beigestellt, in dem Schmidt seine Updates nachträglich einordnet, die deutsche Politik rekapituliert und die antichinesische Propaganda kommentiert. Das Ganze macht rund 70 Seiten und noch einmal so viele mit dem Text auf Englisch. Ein bemerkenswertes Zeitdokument.

Christian Y. Schmidt: Coronavirus Updates Beijing. Deutsch/englisch. Hybriden-Verlag, Berlin 2021, 140 Seiten, inkl. Originalzeichnung von Hartmut Andryczuk, 100 Exemplare, handsigniert, 100 Euro

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages verlosen wir ein Exemplar unter den Lesern, die am 25.2.2021 eine E-Mail schreiben an: pm@jungewelt.de, Stichwort »Coronavirus Updates Beijing«

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