1000 Abos für die Pressefreiheit!
Gegründet 1947 Mittwoch, 12. Mai 2021, Nr. 109
Die junge Welt wird von 2512 GenossInnen herausgegeben
1000 Abos für die Pressefreiheit! 1000 Abos für die Pressefreiheit!
1000 Abos für die Pressefreiheit!
Aus: Ausgabe vom 25.02.2021, Seite 4 / Inland
Krise in der katholischen Kirche

Einreden auf Woelki

Bischofskonferenz: Frühjahrsvollversammlung im Zeichen des Kölner Missbrauchskomplexes
Von Bernhard Krebs, Köln
Protest_gegen_die_ka_68480657.jpg
Initiativen organisieren anlässlich der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz Protestveranstaltungen in Köln (24.2.2021)

Die Frühjahrsvollversammlung der katholischen Bischofskonferenz steht ganz unter dem Eindruck der Affäre um sexuellen Missbrauch im Erzbistum Köln. Dabei sind die Vorgänge im größten deutschen Bistum gar kein offizieller Tagesordnungspunkt. »Ein Desaster« nannte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, laut AFP die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals durch den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki am Mittwoch im ZDF. In den ARD-»Tagesthemen« am Dienstag abend hatte Bätzing Woelki noch das Vertrauen ausgesprochen. Er glaube, so Bätzing, dass Woelki »aufarbeiten will, dass er Transparenz will, dass er Vertuscher und Vertuschung beim Namen nennt«.

Ein Bündnis von Betroffeneninitiativen will darauf aber nicht mehr vertrauen und forderte am Mittwoch ein Eingreifen des Bundestags. »Die Kirche hat gezeigt, dass sie es allein nicht kann«, sagte der Sprecher des Vereins »Eckiger Tisch«, Matthias Katsch, laut dpa am Mittwoch in der Domstadt. »Deshalb fordern wir: Bundestag, du musst dich einmischen.«

Wegen eines zurückgehaltenen Gutachtens zum Umgang der Bistumsleitung mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs gegen Priester steht der Kölner Kardinal Woelki seit Wochen unter Beschuss – und löste so eine beispiellose Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum aus. Woelki rechtfertigt sein Vorgehen hinsichtlich des selbst in Auftrag gegebenen Gutachtens mit rechtlichen und methodischen Mängeln. Kritiker halten die Gründe jedoch für vorgeschoben und werfen Woelki Vertuschung und Machtmissbrauch vor. Ein zweites, beim Kölner Strafrechtler Björn Gercke in Auftrag gegebenes Gutachten soll am 18. März vorgelegt werden.

Zum Auftakt der dreitägigen Bischofskonferenz, die wegen der Coronapandemie nicht, wie geplant, in Dresden, sondern online stattfindet, wurde einmal mehr der nicht vorhandene Einfluss der deutschen Bischöfe auf ihren Kölner Amtskollegen deutlich. Machtpolitisch spielt in der katholischen Kirche die Musik in Rom. Mehr als auf Woelki einreden können Bätzing und Co. nicht: »Wir haben keine Hoheit, über den Kardinal hinweg oder ohne ihn oder an ihm vorbei in dieser Frage auch nur ein Stück weiterzukommen«, zitierte dpa Bätzing am Dienstag. Man müsse jetzt Geduld haben und die rund drei Wochen bis zur Veröffentlichung des Gercke-Gutachtens warten, so Bätzing weiter.

Für Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), scheint das Ergebnis des Gutachtens im Hinblick auf mögliche Konsequenzen in der Bistumsleitung schon fast unerheblich: »In Köln stellt sich die Frage, ob Rücktritte von Verantwortlichen nicht deshalb nötig sind, weil das Vertrauen bei den eigenen Gläubigen zerstört ist«, sagte er gegenüber dpa. Was er aus Gemeinden und Verbänden aus dem Kölner Bistum zu hören bekomme, zeichne »eine katastrophale Situation. Eine solche Empörung wie dort habe ich persönlich noch niemals erlebt.« Damit spielte Sternberg auf die Austrittswelle von Gläubigen in der Domstadt an. Erst am vergangenen Freitag war der Justizserver des Kölner Amtsgerichts für die Onlinevergabe von Kirchenaustrittsterminen wegen zu hoher Nachfrage in die Knie gegangen (siehe jW vom Montag). Am Mittwoch meldete das nordrhein-westfälische Justizministerium per Kurznachrichtendienst Twitter, dass die »vorübergehende Störung« nun behoben sei.

Beistand bekam Woelki hingegen vom ehemaligen Bundesrichter Thomas Fischer. Der sich selbst als »tief ungläubig« bezeichnende Fischer hält die Vertuschungsvorwürfe gegen Woelki für überzogen. »Viele Leute rechnen ganz allgemein mit der katholischen Kirche ab und suchen dafür Projektionsflächen«, sagte Fischer der dpa.

Eine Überraschung auf dem Frühjahrstreffen, die wegen des Skandals um Woelki nahezu unterging, stellt hingegen die Wahl von Beate Gilles zur Generalsekretärin der Bischofskonferenz dar. Erstmalig bekleidet damit eine Frau diesen Posten.

1000 Abos jetzt

Die Bundesregierung sagt: der Tageszeitung junge Welt sei mit geheimdienstlichen Mitteln der »Nährboden zu entziehen«. Wirtschaftlich und wettbewerbsrechtlich negative Folgen durch die Nennung der Zeitung im Verfassungsschutzbericht seien sogar beabsichtigt.

Unsere Antwort darauf kann nur sein, dass sie mit diesem grundgesetzwidrigen Eingriff in die Presse- und Meinungsfreiheit genau das Gegenteil erreichen! Deshalb fordern wir alle Freunde, Leserinnen und Leser, Unterstützer, Autoren und Genossenschaftsmitglieder auf: Tun wir alles, um den »Nährboden« der jungen Welt zu stärken – jetzt erst recht!

Ähnliche:

  • Für immer weniger Katholiken zuständig: Kardinal Rainer Maria Wo...
    11.02.2021

    Erzbischof schleift Hochburg

    Zurückgehaltenes Missbrauchsgutachten: Kardinal Woelki löst Vertrauenskrise aus. Kölner Amtsgericht prüft Aufstockung der Kirchenaustrittstermine
  • Angeblich 50.000 Arbeitsplätze sollten im neuen Industrie- und H...
    18.09.2017

    Mit Kaiser, Kirche und Kapital

    Vor hundert Jahren wurde Konrad Adenauer, der spätere erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, zum Kölner Oberbürgermeister gewählt

Regio: