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Failed Clubs

Von Marek Lantz
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»Der alte HSV ist zurück«: Torhüter Sven Ulreich nach der Niederlage gegen Schlusslicht Würzburg

Der Titel der Autobiographie des Anarchisten Franz Jung, »Der Weg nach unten«, beschreibt auch passend die sportliche Entwicklung des FC Schalke 04 in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Einen Schritt weiter ist der einstige Nobelklub Hamburger SV, der sich inzwischen in der Zweitklassigkeit stabilisiert hat. Die 2:3-Pleite am Sonntag beim eigentlich kaum konkurrenzfähigen Schlusslicht Würzburger Kickers kommentierte der Kicker treffend mit dem Satz: »Der alte HSV ist zurück.«

Es geht noch schlimmer, wie die Beispiele 1. FC Kaiserslautern, TSV 1860 München oder KFC Uerdingen zeigen. Hier ging irgendwann komplett der Eindruck verloren, es mit noch halbwegs seriös geführten Vereinen zu tun zu haben. Analog zum Begriff vom »Failed State« glichen sie »Failed Clubs«. Aktuell kickt das Trio geschlossen in der Drittklassigkeit, auch wenn man beim in Insolvenz befindlichen KFC derzeit bangt, ob es überhaupt weitergeht. Zumindest die Partien am Montag abend in Wiesbaden und am kommenden Wochenende gegen den MSV Duisburg seien gesichert, ließ Insolvenzverwalter Claus-Peter Kruth am Sonnabend verlauten. »Spätestens Mitte der Woche benötigen wir aber Planungssicherheit«, schickte er an die Adresse des neuen KFC-Investors »Noah Company« hinterher, der zwar jüngst die Anteile von Michail Ponomarew übernommen hat, von dem man in Krefeld aber bislang wenig gehört, geschweige denn einen seiner Vertreter gar gesehen hat.

Eine Episode als »Failed Club« hat auch Dynamo Dresden hinter sich. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre entglitten unter dem Präsidenten Rolf-Jürgen Otto die Dinge derart, dass man sich als wohl renommiertester Verein aus der geschluckten DDR eine dauerhafte Existenz in der Bundesliga abschminken musste. Mittlerweile hat man sich zwischen Zweit- und Drittklassigkeit eingependelt. Mit dem 2:0-Sieg am Sonnabend beim FSV Zwickau hat Dynamo nun die Drittligaspitze verteidigt und kann weiter vom direkten Wiederaufstieg träumen. Mit dem FC Ingolstadt (mühsamer 1:0-Sieger gegen den FCK) und Hansa Rostock (ebenso 1:0 gegen Waldhof Mannheim) wirken im Gegensatz zum Rest der Liga auch die beiden unmittelbaren Dynamo-Verfolger stabil, so dass sich das Trio der potentiellen Aufsteiger bereits abzeichnet.

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