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Aus: Ausgabe vom 23.02.2021, Seite 6 / Ausland
Krieg in Libyen

Verbindung nach Washington

Weitere Details zu Söldnermission in Libyen aufgedeckt. »Blackwater«-Chef und Trump-Vertrauter leugnet Beteiligung
Von Tim Solcher
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Luftkissenfahrzeug des US-Militärs westlich von Tripolis (7.4.2019)

Rund neun Monate nachdem Ermittler der Vereinten Nationen (UN) erstmals eine Geheimoperation westlicher Söldner im Libyen-Krieg aufdeckten, kommen weitere Details über Ausmaß und Hintermänner der sogenannten Operation Opus ans Licht. Diese zeigen, wie private Einsatzkräfte 2019 Waffen und weitere militärische Ausrüstung nach Libyen schmuggelten, um dort den abtrünnigen General Khalifa Haftar bei der Eroberung der Hauptstadt Tripolis zu unterstützen. Die Untersuchungen stützen sich auf Flugprotokolle, Finanzunterlagen sowie Zeugenberichte. Schlüsseldokument ist der Situationsbericht eines mutmaßlich Beteiligten, der die Vorgänge der Operation minutiös nachzeichnet und der Washington Post vorliegt.

Demnach seien im Juni 2019 mindestens zwanzig Männer privater Sicherheitsunternehmen aus Südafrika, Großbritannien, Australien, Malta, Frankreich und den USA in Bengasi, der Operationszentrale Haftars, gelandet. Im Gepäck: Waffen, Nachtsichtbrillen, aufblasbare Schnellboote, Kampfdrohnen sowie eine mobile Kommandozentrale. Das Unternehmen sei aber bereits im Vorfeld an der missglückten Beschaffung von drei Kampfhubschraubern des Typs »­AH-1F Cobra«, hergestellt in den USA, gescheitert. Die sollten von »Team Opus« in der jordanischen Hauptstadt Amman erworben werden. In letzter Minute hätten sich die dortigen Behörden dem Deal verweigert, offenbar aus Angst, wegen fehlender offizieller Freigabe durch Washington gegen US-Vorschriften zu verstoßen. Zwar hätten die »Opus«-Mitglieder darauf beharrt, die Rückendeckung der US-Regierung und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) zu haben, dafür seien aber trotz einer »Flut von Anrufen« nach Washington keine Belege gefunden worden. Aus Angst vor der Reaktion Haftars hätten die Söldner daraufhin Libyen überstürzt verlassen.

Haftar galt damals als der eigentliche »starke Mann Libyens« und wurde von zahlreichen Staatschefs hofiert. Den UN-Ermittlern zufolge soll er im April 2019 den Deal mit einer Gruppe privater Sicherheitsunternehmen eingefädelt haben. Die wichtigsten Unterstützer seien die in Dubai ansässigen Firmen »Opus Capital Assets« und »Lancaster 6« gewesen. Letztere wird vom ehemaligen australischen Luftwaffenpiloten Christiaan Durrant geführt. Der Australier hat die Vorwürfe nach Informationen der Washington Post gegenüber den UN-Ermittlern zurückgewiesen und behauptet, lediglich am Aufbau eines »Logistikzentrums« zur Sicherung der Ölinfrastruktur in Libyen beteiligt gewesen zu sein. Durrant ist allerdings eng mit dem US-Amerikaner Erik Prince verbunden, der den UN-Berichten zufolge die Hauptperson hinter der »Operation Opus« ist.

Prince ist Gründer der unter anderem für Kriegsverbrechen im Irak verantwortlichen privaten Sicherheitsfirma »Blackwater« und gilt als enger Vertrauter von Expräsident Donald Trump. Er soll den Untersuchungen zufolge am 14. Mai 2019 in Kairo Kontakt zu General Haftar aufgenommen und ihm das Söldnerprogramm vorgestellt haben. Darauf deute nicht zuletzt die Überführung von drei seiner Flugzeuge nach Libyen zum Zeitpunkt der »Operation« hin. Gegenüber der New York Times (Sonntagausgabe) bestritt Prince in einem Telefonat nicht nur jegliche Beteiligung an »Opus«, sondern auch seinen Einfluss auf Trump. Fakt ist: Am Tag nach dem Treffen zwischen Prince und Haftar äußerte der US-Präsident in einem Telefongespräch mit dem libyschen General seine Anerkennung ob dessen »bedeutender Rolle bei der Bekämpfung des Terrorismus und der Sicherung der Ölressourcen Libyens«, wie die Zeitung berichtet. Vier Tage später erteilte Trump der Offensive Haftars auf die von der UNO anerkannte »Einheitsregierung« in Tripolis seinen Segen – was einmal mehr einer radikalen Kehrtwende in der US-Außenpolitik entsprach.

Ob die Enthüllungen unmittelbare Auswirkungen auf den derzeitigen Friedensprozess in Libyen haben, ist zweifelhaft. Schließlich hat sich bei den Verhandlungen herauskristallisiert, dass Haftar nach wie vor ein wichtiger Akteur im fragilen innerlibyschen Kräfteverhältnis ist, der (vorerst) gebraucht wird. Und auch die Verbindung der Geheimmission nach Washington kann ganz praktisch durch das westliche Narrativ relativiert werden, wonach die vier Jahre unter Trump lediglich ein Alptraum waren, aus dem man nun erwacht ist.

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Debatte

  • Beitrag von Franz P. aus W. (23. Februar 2021 um 06:34 Uhr)
    Danke für den Beitrag.

    Besonders interessant ist das datierte Foto: US-Militär westlich von Tripolis.

    Das wäre ja in der von der Türkei de facto kontrollierten Zone, die damals im heftigen Abwehrkampf gegen Haftar (unterstützt von Frankreich, Russland u. a.) verwickelt war.

    Was tut das Amphibienfahrzeug dort? Wer ist die Quelle des interessanten Fotos?

    Danke im Voraus für eine Antwort von Kundigen.

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