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Aus: Ausgabe vom 22.02.2021, Seite 16 / Sport
Ski alpin

Von Glückspilzen und Pechvögeln

Alpine Ski-WM in Cortina d’Ampezzo: Vier Medaillen für den Deutschen Skiverband
Von Gabriel Kuhn
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Schwer ausgerutscht: Romed Baumann rauscht bei Abfahrt unter Zielbande durch und verletzt sich (14.2.2021)

Am Sonntag ging in Cortina d’Ampezzo die 46. Alpine Skiweltmeisterschaft zu Ende. In den 49 Weltcuprennen, die in dieser Saison vor der WM stattfanden, gab es für den Deutschen Skiverband genau drei Podestplätze. Linus Straßer (TSV 1860 München) holte im Slalom einen Sieg und einen zweiten Platz. Alexander Schmid (SC Fischen) wurde im Parallelwettbewerb von Lech/Zürs Dritter.

Angesichts dieser eher schwachen Bilanz übertrafen die vier Medaillen für den DSV bei der WM alle Erwartungen. Den Anfang machte Romed Baumann (WSV Kiefersfelden) im Super-G der Herren. Vom österreichischen Favoriten Vincent Kriechmayr nur um sieben Hundertstelsekunden geschlagen, holte der 35jährige am ersten Wettkampftag der WM die Silbermedaille. Für den gebürtigen Tiroler war es eine persönliche Genugtuung. Baumann fuhr bis vor zwei Jahren für den Österreichischen Skiverband, für den er in der Alpinen Kombination und im Teamwettbewerb auch schon WM-Medaillen gewonnen hatte. Nach einem Formtief wurde er im Jahr 2019 jedoch ausgemustert. Baumann, der mit der ehemaligen deutschen Skirennläuferin Veronika Eller verheiratet ist, nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an und wechselte zum DSV.

Drei Tage nach seinem Husarenritt im Super-G wurde Baumann in der Abfahrt 14. Bei einem Sturz im Zielbereich zog er sich eine Gehirnerschütterung zu. Ohne Medaille blieb der DSV trotzdem nicht. Der 31jährige Andreas Sander (SG Ennepetal), der im Weltcup noch nie auf dem Podest gelandet war, holte Silber, bloß eine Hundertstelsekunde langsamer als der vor ihm gestartete Vincent Kriechmayr.

Auch in der Abfahrt der Damen gab es für den DSV Silber. Kira Weidle (SC Starnberg), die im Weltcup immerhin schon zweimal Dritte war, lag zwei Zehntelsekunden hinter der Siegerin Corinne Suter aus der Schweiz.

Der vierte Streich gelang dem DSV im als Parallelrennen ausgetragenen Teamwettbewerb. Dank starker Leistungen von Andrea Filser (SV Wildsteig) und Stefan Luitz (SC Bolsterlang) landete Deutschland auf Rang drei. Komplettiert wurde das Team von Alexander Schmid, Emma Aicher (SC Mahlstetten) und den als Ersatz nominierten Lena Dürr (SV Germering) und Linus Straßer.

In den Einzelrennen wurde Alexander Schmid zum Pechvogel. Im Parallelwettbewerb reichte es nur zum undankbaren vierten Platz. Im Riesenslalom lag Schmid nach dem ersten Lauf sensationell auf Rang drei. Im zweiten Lauf befand er sich mit guter Zwischenzeit auf Medaillenkurs, rutschte an einer der Schlüsselstellen des Kurses jedoch weg und schied aus. Linus Straßer vergab seine Medaillenchancen im Slalom mit einem schwachen ersten Lauf.

Nach zahlreichen wetterbedingten Verschiebungen zu Beginn konnte das WM-Programm in der zweiten Woche komplett abgewickelt werden. Als Farce entpuppten sich einmal mehr die Parallelwettbewerbe, die einer Glückslotterie gleichen. Der Druck auf den Internationalen Skiverband FIS, das sportlich wertlose, aber gewinnbringende Schauspiel aus dem Programm zu streichen, wächst. Auch viele Rennläufer zeigen sich unzufrieden. Ob die FIS ihnen Gehör schenken wird, ist eine andere Frage. Die wirtschaftlichen Interessen wiegen am schwersten.

In der Nationenwertung dominierten die Großmächte des Alpinen Skisports. Die meisten Goldmedaillen gingen mit fünf nach Österreich, die meisten Medaillen insgesamt mit neun in die Schweiz. Am kommenden Wochenende wird die Alpinsaison mit den nächsten Weltcuprennen fortgesetzt. Die Damen bleiben in Italien und fahren in Val di Fassa Abfahrt und Super-G, die Herren ziehen für zwei Riesenslaloms weiter nach Bansko in Bulgarien.

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