Gegründet 1947 Montag, 8. März 2021, Nr. 56
Die junge Welt wird von 2466 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 18.02.2021, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Totalversagen

Zu jW vom 11.2.: »Erste Lockerungen wohl im März«

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) behauptete anfangs (…), dass SARS-2 nicht gefährlicher sei als ein Influenzavirus. Als offensichtlich wurde, dass diese Behauptung falsch ist, beruhigte er uns mit den Worten: »Wir sind gut vorbereitet.« Auch das war eine Lüge. Selbst für medizinisches Personal gab es kaum Schutzmaterialien, geschweige denn für die Bevölkerung. Die Gesundheitsämter waren weder personell noch materiell ausreichend vorbereitet. Da zum Beispiel versäumt worden war, für die Bevölkerung rechtzeitig Atemschutzmasken zu beschaffen, wurde behauptet, diese seien ungeeignet, da sie eine trügerische Sicherheit vermittelten. Aus dem gleichen Grunde wurden später ungeeignete Stofflagen als ausreichend bezeichnet. Heute wird für fehlenden Mund-Nasen-Schutz in zugelassener Qualität teilweise Strafe angedroht. An die Erfahrungen und offensichtlich effektiveren Methoden anderer Länder in der Pandemiebekämpfung wurde nicht angeknüpft. Angeblich deshalb, weil Methoden einer Diktatur wie in China sich für unsere »Demokratie« nicht eigneten. Aber auch diese Aussage soll nur vom eigenen Versagen ablenken. Es gibt neben China eine Reihe weiterer Länder, deren Anzahl an Coronatoten pro 100.000 Einwohner durch Deutschland um teilweise mehr als das Fünfzigfache übertroffen wird. Warum sich die Regierung ausschließlich auf die Entwicklung von Impfstoffen konzentriert und die (…) Entwicklung wirksamer Medikamente gegen Covid-19 vernachlässigt, erschließt sich ebenfalls nicht. (…) Das gegenwärtige Impfchaos, in dem einer die Schuld auf den anderen schiebt, überrascht da schon fast nicht mehr. Insgesamt hat die deutsche Bevölkerung diese fehlerhafte Politik mit viel Leid, Zehntausenden Toten und einem noch gar nicht absehbaren wirtschaftlichen Schaden zu bezahlen. (…)

Frieder Beinrucker, Königs Wusterhausen

Gegen Instrumentalisierung

Zu jW vom 13./14.2.: »Nazigegner mobilisieren nach Dresden«

Nachdem ich als 15jährige die Zerstörung meiner geliebten Heimatstadt Dresden durch die britisch-US-amerikanischen Luftangriffe knapp überlebt hatte, fiel es mir zunächst keineswegs leicht, die historische Wahrheit anzuerkennen. Doch die lautet zweifelsfrei, dass Nazideutschland bereits seit dem Jahr 1940 zahlreiche britische Städte bombardiert hatte, was viele tausend Tote (allein in London circa 40.000) forderte und wodurch überall kulturelle Zentren in Schutt und Asche gelegt wurden. »Bomben auf Engelland« hieß ein Lied, das auch in Dresden gesungen wurde. Deshalb lehne ich die Instrumentalisierung des Gedenkens an den 12./14. Februar 1945 entschieden ab.

Ursula Münch, Onlinekommentar

Mörderpose

Zu jW vom 12.2.: »Tiefland und andere ­Abgründe«

Den Artikel »Tiefland und andere Abgründe« habe ich mit großem Interesse gelesen und möchte (…) dazu ergänzend folgendes mitteilen: Als langjähriger Mitarbeiter und letzter Leiter der in der DDR für die Aufklärung von Nazi- und Kriegsverbrechen zuständigen Fachabteilung kann ich mich noch gut daran erinnern, dass wir in der Hauptabteilung IX/11 des Ministeriums für Staatssicherheit auch zur faschistischen Vergangenheit der Leni Riefenstahl recherchiert haben. Unter den in unserem Archivbestand vorhandenen Archivalien aus der Zeit vor 1945 befand sich auch ein Fotoalbum, das offensichtlich im Zusammenhang mit dem Film »Tiefland« entstanden war. Darin gab es eine Vielzahl von Aufnahmen mit Personen, die als »Zigeuner« benannt waren, und ebenso Bilder der Riefenstahl. Auf einem der Fotos war die Riefenstahl in einer Pose abgelichtet, wie wir sie aus Dokumenten über von den Nazis durchgeführte Exekutionen mittels Genickschuss kannten. Hinter zwei mit gesenktem Kopf knienden, als »Zigeuner« benannten männlichen Personen stehend, zielt die Riefenstahl mit einer Pistole in der Hand auf deren Genick. Ob diese beiden Männer tatsächlich erschossen wurden oder später anderweitig zu Tode gebracht worden sind, war durch unsere Recherchen bis zur »Abwicklung« der HA IX/11 im Jahre 1990 nicht zu ermitteln. Es ist mir leider auch nicht bekannt, wo das besagte Fotoalbum abgeblieben ist. Möglicherweise ist es zusammen mit anderen Archivalien nach 1990 von der BStU (»Gauck-Behörde«) vereinnahmt worden oder (…) in den Besitz des Bundesarchivs gelangt.

Dieter Skiba, per E-Mail

Keine Spaltung

Zu jW vom 6./7.2.: »Kuba-Krise bei Linkspartei und ND«

Bei aller Sympathie frage ich mich, was junge Welt eigentlich mit dem permanenten Linke-Bashing erreichen will. (…) Es ist doch nicht entscheidend, wer die reine Lehre am höchsten hält. Wenn wir die menschliche Gesellschaft vor dem Atomtod und dem Klimakollaps retten wollen, müssen wir Veränderungen erreichen. Dazu werden Kompromisse (ja, vielleicht auch Regierungsbeteiligungen) notwendig sein. Ob die genau das Ergebnis zeitigen, das wir erhofft haben, lässt sich vorher nie mit Sicherheit sagen. Trotzdem muss man es versuchen. Bei der reinen Lehre landet man wie die DKP um die 0,3 Prozent und bleibt macht- und einflusslos – was ich sehr bedauere. Gerade habe ich es an einen Freund geschrieben: Ich kann mich nicht erinnern, dass Die Linke gegen die DKP oder andere zu Felde gezogen wäre. Gegen Die Linke wird dagegen (…) eben auch von Ihrer und meiner jungen Welt geschossen, was das Magazin hergibt. Nicht etwa kritisch kameradschaftlich, sondern oft feindlich diffamierend. (…) Es kommt nicht darauf an, recht zu haben, sondern die Massen zu erreichen, damit die Idee zur materiellen Gewalt wird. Die Spaltung der antiimperialistischen Kräfte und Parteien gehört dagegen zu den schlechtesten Erfahrungen, welche die Linke weltweit gemacht hat. Das kann doch nicht das Ziel der jW sein, obwohl ich manchmal den Eindruck habe.

Rainer Böhme, Stadtrat Die Linke, Sebnitz

Warum sich die Regierung nur auf die Entwicklung von Impfstoffen konzentriert, erschließt sich nicht. Das Impfchaos, in dem einer die Schuld auf den anderen schiebt, überrascht da fast nicht mehr.

Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (18. Februar 2021 um 07:27 Uhr)
    Frieder Beinrucker bringt es auf den Punkt. »Warum sich die Regierung ausschließlich auf die Entwicklung von Impfstoffen konzentriert und die (…) Entwicklung wirksamer Medikamente gegen Covid-19 vernachlässigt, erschließt sich ebenfalls nicht.«

    Bereits vor einem Jahr wurden in Island 40 Mutationen des Virus festgestellt. Heute wird von 12.000 Varianten ausgegangen. Bisher erfahren wir von drei Mutationen, die bedrohlich sind. Durch Schnelltests sind sie meist nicht nachweisbar.

    Wie sinnvoll ist es, die Entwicklung der bisherigen Impfstoffe zu finanzieren, wenn die Viren der Pandemie mutieren? Welche dieser Schutzimpfungen schützen auch in einem Monat noch? Vor allem: vor welchen neuen Varianten, die bisher nicht einmal nachgewiesen werden können?

    Aber diese Frage ist nicht entscheidend, sondern DAS MEDIKAMENT muss her! Sinnvoll ist eine Zusammenfassung der Forschenden, die sich ab sofort ausschließlich mit dieser Lösung beschäftigen. Weil der Gedanke zum Beispiel in der EU-Kommission noch ohne Bedeutung ist, kann die WHO übernehmen, schlage ich vor.

    Wichtig: Welche vierte oder fünfte Welle steht uns bevor? Wenn inzwischen auch Meeresbewohner infiziert sind, ist es angesagt, dass dann auch weitere Wellen der Pandemie im Blick gehalten werden.
  • Beitrag von Stephan L. aus I. (18. Februar 2021 um 12:18 Uhr)
    Zitat des Tages:

    »Es kommt nicht darauf an, recht zu haben, sondern die Massen zu erreichen.«

    Rainer Böhme, Stadtrat Die Linke, Sebnitz

    Das Schlimmste, was man manchen Politikern antun kann: sie zu zitieren.

Leserbriefe zu diesem Artikel:

Wir brauchen Dich, Genossin, Genosse! Werde Mitglied in unserer Genossenschaft: www.jungewelt.de/genossenschaft