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Aus: Ausgabe vom 16.02.2021, Seite 7 / Ausland
Europas Faschisten in Ungarn

Rührung und Klagen

Ungarn: Faschistisches Vernetzungstreffen »Tag der Ehre« pandemiebedingt ausgefallen
Von Peter Janosfalvi
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Ungarische Faschisten in Budapest anlässlich des »Tags der Ehre« (13.2.2016)

Die Coronapandemie hat Ungarns Neonazis ihre alljährlich stattfindende spezielle Import- und Exportveranstaltung verdorben. Eines der größten Aufmarsch- und Vernetzungstreffen europäischer Faschisten, der sogenannte Tag der Ehre, fiel in Budapest dieses Jahr aus. Regelmäßig teilnehmende ungarische Organisationen, wie beispielsweise die militante »Legio Hungaria«, »Blood and Honour Hungaria« oder »Lelkiismeret ’88« – zu deutsch »Gewissen ’88« – mussten sich in diesem Jahr darauf beschränken, online ein »Gedächtnis-T-Shirt« zu verkaufen. Laut Informationen der offiziellen Seite von »Blood and Honour Hungaria« fand allerdings bereits am 6. Februar ein »Gedächtnisausflug« mit ein paar Dutzend Teilnehmern am Rande Budapests statt. Für den 20. Februar sei etwas ähnliches geplant.

Zwischen dem 11. und 16. Februar 1945 starben in der ungarischen Hauptstadt etwa 20.000 bis 25.000 Wehrmachtsoldaten und Angehörige der Waffen-SS sowie ungarische Kollaborateure und Pfeilkreuzler während des »Ausbruchs aus dem Belagerungsring der Roten Armee«. Mit dem »Ausbruch« hatten sie dabei gegen einen ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers gehandelt.

Seit 1997 feiern Neonazis das Ereignis in Budapest, seit 2012 unter anderem mit einer »Ausbruchswanderung«. Regierungsnahe ungarische Medien berichten gerührt über das »antikommunistische Gedenken«. Auch die zuständigen Beamten sind äußerst kooperativ: Die während der Veranstaltung zur Schau getragenen Hakenkreuze, Pfeilkreuze sowie Uniformen der Wehrmacht, der ungarischen Armee und der Waffen-SS stören sie nicht. Insbesondere im vergangenen Jahr hatte es daran von Antifaschisten erhebliche Kritik gegeben.

Das linksliberale Nachrichtenportal 444.hu erinnerte derweil vergangene Woche daran, dass 2009 vor der Machtübernahme Viktor Orbans sein Fidesz-Parteikollege Robert Repassy »die Nazis von Budapest noch fernhalten wollte«. Mehrere Fidesz-Abgeordnete bezeichneten die Veranstaltung damals als »neonazistisch«, der spätere Leiter der Staatskanzlei im Orban-Kabinett, Janos Lazar, »garantierte, dass es während einer Fidesz-Regierung keine Nazidemos geben wird«.

Die Zeiten ändern sich: In diesem Jahr durfte Zoltan Moys, Schwiegersohn des Fidesz-Abgeordneten und Parlamentsvizepräsidenten Sandor Lezsak und Organisator der »Ausbruchswanderung«, am 11. Februar im Regierungsorgan Magyar Nemzet klagen: »Ehre den Helden! Niemand kann uns vorschreiben, wie wir ein historisches Ereignis bewerten sollen. (…) Es sind zwar schon mehr als drei Jahrzehnte seit der sogenannten Wende vergangen, aber immer noch bestimmen die kommunistischen Statthalter und ihre geistigen Erben, wie wir an die Ereignisse und Kämpfer des Zweiten Weltkriegs erinnern sollen«.

Damit bleibt klar: Wenn es um die »Verteidigung Europas vor den vorrückenden Kommunisten« geht – 1945 wie heute –, wird es im politischen Spektrum rechts neben Fidesz eng.

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