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Aus: Ausgabe vom 03.02.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Kahlschlag

Eiskalt kalkuliert

Siemens Energy steigert Gewinn und will 7.800 Stellen streichen. IG Metall erwartet Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen
Von Steffen Stierle
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Abspalten und entlassen: Siemens-Energy-Chef Christian Bruch setzt auf die Kräfte des Marktes

Trotz guter Quartalszahlen will das Management der im vergangenen Jahr vom Mutterkonzern abgespaltenen Siemens Energy AG weltweit 7.800 Stellen streichen. Das geht aus den am Dienstag in der Münchener Unternehmenszentrale veröffentlichten »Details zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit« hervor.

Dabei ist sich der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Christian Bruch, bewusst, dass die Pläne »Teilen der Belegschaft viel abverlangen«. Die bevorstehende Umstrukturierung sei ein »schmerzvoller und schwieriger Prozess«. Laut der Mitteilung zielt das Kahlschlagprogramm auf »optimierte Prozesse«, »schlankere Strukturen« und den »Abbau von Überkapazitäten und Portfoliomaßnahmen« ab. Wird es wie angekündigt umgesetzt, würde bis 2025 jeder neunte Arbeitsplatz in der Sparte »Gas und Power« wegfallen. So will man die Kosten pro Jahr um »mindestens 300 Millionen Euro« senken. Die meisten der betroffenen Stellen sollen bereits bis 2023 gestrichen werden. 3.000 Jobs würden in Deutschland vernichtet werden, 1.700 in den USA und 3.100 an den »sonstigen Standorten«.

Und das, obwohl Siemens Energy bislang gut durch die Krise kommt. Wie ebenfalls am Dienstag verlautbart wurde, konnten die Umsatzerlöse im ersten Quartal des laufenden Jahres um 2,6 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro erhöht werden. Der Gewinn nach Steuern wurde mit 99 Millionen Euro »sehr stark« verbessert. Laut Bruch bestätigen die Quartalszahlen, dass »wir uns auf dem richtigen Weg befinden, unsere Geschäftsjahresziele zu erreichen«. Dieser Weg soll nun offenbar auf Kosten der Belegschaften weiter beschritten werden, um die Profitquote in den kommenden Jahren noch weiter nach oben schrauben zu können.

Aus der Siemens AG rausgelöst wurde der Energiekonzern im vergangenen Sommer auf Betreiben des scheidenden Gesamtkonzernchefs, Josef Käser (»Joe Kaeser«). Seit September werden die Wertpapiere der neuen Aktiengesellschaft an der Börse gehandelt. Der Preis ist seither um rund ein Drittel auf zuletzt rund 31 Euro pro Wertpapier gestiegen. Käser selbst war in die Kritik geraten, weil er ohne die gern gesehene zweijährige Karenzzeit den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Energy AG übernommen hatte. Am 10. Februar muss er sich erstmals auf einer Hauptversammlung dem Votum der Investoren stellen. Diese dürften durch die Neuigkeiten vom Dienstag besänftigt worden sein.

Standortschließungen will man im Zuge der Umstrukturierung laut Bruch vermeiden. Welche Produktionsstätten durch den Kahlschlag in welchem Umfang verkleinert werden sollen, war am Dienstag nicht zu erfahren. Aus Unternehmenskreisen war laut dpa jedoch zu hören, dass angesichts des Produktportfolios insbesondere Mühlheim, Berlin und Duisburg stark betroffen sein könnten.

Überraschend kommt die Ankündigung für die Beschäftigten auch, weil das Siemens-Energy-Management erst Ende Januar mit dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall eine »Zukunftsvereinbarung« abgeschlossen hatte. Vereinbart wurde demnach, im Rahmen der Umstrukturierung nicht nur auf Standortschließungen, sondern auch auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Es sei das gemeinsame Ziel, »notwendige Personalanpassungen« über sogenannte freiwillige Maßnahmen zu ermöglichen, hieß es vergangene Woche.

IG-Metall-Sekretär Hagen Reimer bezeichnete die aktuellen Pläne am Dienstag als die erste Bewährungsprobe für die Zukunftsvereinbarung. Man werde sich jede einzelne Stelle, die abgebaut werden soll, genau ansehen. Der Hauptkassierer der Gewerkschaft, Jürgen Kerner, erwartet laut dpa, dass die Restrukturierung ohne Kündigungen gestaltet werde. Die Vereinbarung vom Januar sei »eine solide Grundlage für die Transformation von Siemens Energy in Deutschland«.

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