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Aus: Ausgabe vom 27.01.2021, Seite 7 / Ausland
Zweiter Parteitag

Aus FARC wurde Comunes

Kolumbien: Partei der früheren Guerilla sucht Distanz zu Vergangenheit
Von Julieta Daza, Caracas
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Ihr Protest gegen Gewalt und Verfolgung wird von der Regierung nicht gehört: Ehemalige FARC-Guerilleros in Bogotá (1.11.2020)

Seit Sonntag ist es offiziell: Die kolumbianische Partei FARC heißt nun »Comunes«. In der nach dem zweitägigen landesweiten Parteitag in Medellín veröffentlichten Abschlusserklärung heißt es, die Änderung des Namens sei wichtig, da der Name FARC in einigen Kreisen auf Ablehnung stoße. Zuvor hatte bereits am Freitag Sandra Ramírez, Senatsabgeordnete der Partei, in einem Interview mit dem Radiosender La FM erklärt, man wolle Verwechslungen mit Dissidentengruppen vermeiden, die aktuell unter dem Namen »FARC« agierten.

Die Partei war im August 2017 in der Hauptstadt Bogotá als Folge eines Friedensabkommens zwischen der damaligen Regierung unter Präsident Juan Manuel Santos und der linken Guerillagruppe FARC-EP gegründet worden. Damals hatte die Organisation auf ihrem Gründungskongress entschieden, das Kürzel »FARC« als Parteinamen beizubehalten. Während »FARC« bei der Guerillaorganisation jedoch »Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia«, also »Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens« bedeutete, sollte die Abkürzung bei der legalen politischen Partei fortan für »Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común«, etwa »Alternative Revolutionäre Kraft der Gemeinschaftlichkeit«, stehen.

Der Begriff »Comunes« hat im Spanischen mehrere Bedeutungen. Einerseits bezeichnet er ähnlich wie das englische »Commons« das Gemeinschaftliche. Andererseits ist »Comunes« auch ein Ausdruck für »einfaches Volk«. Am Montag erklärte die Partei über Twitter, sie hätten den Namen »Comunes« auch angenommen, weil die aus armen Bauern gebildeten kommunistischen Widerstandsgruppen, die sich etwa um 1950 in Kolumbien organisiert hatten, um gegen die von der konservativen und der liberalen Partei vertretene Oligarchie zu kämpfen, so genannt wurden.

Um den Parteitag hatte es zuvor auch scharfe Auseinandersetzungen gegeben: Einige Tage vor der Versammlung, am 18. Januar, veröffentlichten drei Mitglieder der Parteiführung eine Stellungnahme, in der sie kritisierten, dass die Parteiversammlung weder im Sinne des Friedensvertrages oder der in der kolumbianischen Gesetzgebung niedergelegten einfachsten demokratischen Prinzipien noch in der revolutionären Tradition der Organisation stehe. In einem Kommuniqué des zur Parteiführung gehörenden Milton Toncel (Kampfname Joaquín Gómez) und der beiden Parteimitglieder und Senatoren Victoria Sandino (Judith Simanca Herrera) und Israel Zúñiga (Benkos Biohó) ist zu lesen, dass die Vorbereitung der Zusammenkunft »autoritär« gewesen sei.

In der Folge habe es keine Möglichkeit gegeben, über die großen Probleme des Landes und der Bevölkerung und nicht zuletzt die äußerst schwierige Lage der früheren FARC-Kämpfer zu diskutieren: »Politische Debatte braucht Garantien und Demokratie. Deshalb werden wir an dieser antidemokratischen Versammlung nicht teilnehmen, bei der Mitglieder und Parteibegründer, die sich für das Friedensabkommen einsetzen, einfach ausgeschlossen werden.« Während sich 2017 auf dem Gründungskongress 1.200 Delegierte in Vertretung von etwa 12.000 Parteiangehörigen beteiligt hatten, hätten die Organisatoren den aktuellen Parteitag mit nur 230 Delegierten, die weniger als 6.000 Mitglieder vertreten, vorbereitet.

Am Beginn des Schreibens erinnerten die Parteimitglieder daran, dass seit Abschluss des Friedensabkommens bereits über 250 ehemalige FARC-Guerilleros ermordet wurden. Zudem befänden sich vier Jahre nach Unterzeichnung des Friedensvertrages noch mehr als 300 im Gefängnis. Noch während der Parteiversammlung in Antioquia wurde am Sonnabend im selben Bundesstaat der ehemalige FARC-Kämpfer Juan Carlos Correa von mehreren bewaffneten Männern entführt, wie am Montag mitgeteilt wurde. Seitdem wird er vermisst. Correa ist somit laut dem Institut für Entwicklung und Frieden (Indepaz) der sechste frühere FARC-Guerillero, der allein in diesem Jahr der Gewalt und Repression gegen Linke in Kolumbien zum Opfer gefallen ist.

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