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Aus: Ausgabe vom 27.01.2021, Seite 7 / Ausland
Neue Agrargesetze

Bauern erreichen Hauptstadt

Indien: Zehntausenden gelingt es, ihre Forderungen ins Zentrum Neu-Delhis zu tragen. Polizei reagiert mit Tränengas und Schlagstöcken
Von Silva Lieberherr und Bhakti G., Mumbai
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Symbolischer Ort für die Bauernproteste am Tag der Republik: Das Rote Fort in der Altstadt von Delhi

Am Dienstag, dem Tag der Republik, sind in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi Zehntausende Protestierende auf den Straßen gewesen. Im Rahmen einer großen Traktorensternfahrt gelang es den seit fast zwei Monaten gegen eine neue Agrargesetzgebung streikenden Bauern erstmals, in die Metropole selbst vorzudringen. Zuvor hatten sie am Rande der Hauptstadtregion kampiert und die Aufhebung der Gesetze zur »Liberalisierung« des Marktes von landwirtschaftlichen Produkten gefordert.

An mehreren Orten schafften es die protestierenden Bauern, die Checkpoints an den Außengrenzen Delhis zu durchbrechen. Dabei beschoss die Polizei sie mit Tränengas und setzte Schlagstöcke ein. Ein Protestierender wurde bei Zusammenstößen mit der Polizei getötet. Die Demonstrierenden gelangten schließlich bis zum Roten Fort, einer Festungs- und Palastanlage aus den Zeiten des Mogulreiches, wo sie eine Flagge hissten: am nationalen Feiertag ein symbolträchtiges Ereignis.

Unklar blieb, von wem die Gewalt ausging, wer die Flagge hisste und um was für eine Flagge es sich handelte. Dies unter anderem, weil das Internet in denjenigen Quartieren, in denen die Proteste am stärksten waren, abgeschaltet worden war. Verschiedene Aktivisten, unter anderem vom Komitee, das die Proteste organisierte, haben die Gewalt verurteilt. Immer wieder wird der Verdacht laut, rechte Kräfte hätten die Proteste unterwandert. Viele große Bauernorganisationen riefen ihre Anhänger darum dazu auf, Delhi wieder zu verlassen und an die Außenprotestpunkte zurückzukehren.

Während viel über die ausufernde Gewalt diskutiert wurde, gab es auch Berichte von der Straße, die ganz anders klangen. Saqib Khan ist ein Wissenschafter, der bei den Protesten vor Ort war und eng mit dem All India Kisan Sabha, dem Bauernflügel der Kommunistischen Partei Indiens, verbunden ist. Er erzählte gegenüber junge Welt, neben den Bauern seien besonders viele Studierende wie auch Frauen und Gewerkschaften beim Protest dabeigewesen. »Es ist schön zu sehen, dass so viele Leute heute gekommen sind, um ihre Solidarität mit den Bauern auszudrücken«, sagte er.

Und dies geschieht nicht nur im Unionsterritorium Delhi. Im ganzen Land hat es Bauernproteste gegeben, um die großen Forderungen der Bauern in der Hauptstadt zu unterstützen: Die Regierung muss die Agrargesetze zurückziehen. Während das Kabinett um den hindu-nationalistischen Premier Narendra Modi argumentiert, die »Liberalisierung« der Landwirtschaft sei nötig, sehen die Bauern die neuen Gesetze als ihren sicheren Ruin. Bislang waren die Erzeugnisse in staatlich organisierten Großmärkten zu garantierten Mindestpreisen gehandelt worden, jetzt soll der Markt für Privatfirmen geöffnet werden. Eine Aufschiebung der Gesetzesänderung haben die Bauernvertreter abgelehnt.

Die größte Demonstration außerhalb des Hauptstadtterritoriums gab es in Mumbai. Drei Tage lang waren mehr als tausend Bauern, organisiert durch den All India Kisan Sabha, vom Nordosten des Bundesstaates Maharashtra in die Millionenmetropole marschiert. Die Protestierenden wollten am Tag der Republik den Gouverneur persönlich treffen. Barkya Mangat, eine Aktivistin des marxistischen Bauernflügels, erklärte gegenüber jW jedoch, dies sei nicht möglich gewesen. Man habe ihnen gesagt, dieser weile in den Ferien. Bei der öffentlichen Versammlung trafen die Bauern aber auf politische Anführer, Vertreter von Gewerkschaften und Frauenorganisationen sowie Studierende. Die große Solidarität in den verschiedenen Gebieten Indiens zeigt die Stärke dieses historischen Protestes.

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