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Aus: Ausgabe vom 23.01.2021, Seite 2 / Ausland
Pandemiebekämpfung

Kuba lässt impfen

100 Millionen Dosen des Vakzins »Soberana 02« soll 2021 produziert werden
Von Volker Hermsdorf
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Eine Technikerin am Donnerstag in der Verpackungsanlage des Finlay-Vaccine-Institute in Havanna

Kubanische Wissenschaftler sind zuversichtlich, dass die Inselrepublik trotz der verschärften US-Blockade weltweit als eines der ersten Länder noch in diesem Jahr seine gesamte Bevölkerung gegen das neue Coronavirus impfen kann. Wie die kubanische Tageszeitung Granma am Freitag meldete, bestätigte der Leiter der staatlichen Unternehmensgruppe Bio Cuba Farma, Eduardo Martínez Díaz, dass die Produktionskapazitäten angepasst würden, um in den kommenden Wochen in einer Erprobungsphase mit der Impfung von zunächst 150.000 Personen zu beginnen. Dies »ist ein Teil des Weges zur Massenimpfung«, erklärte Martínez Díaz.

Am Mittwoch hatte Vicente Vérez, der Direktor des Finlay-Instituts, das zur Zeit vier Vakzine entwickelt, angekündigt, dass Kuba in diesem Jahr 100 Millionen Dosen des Impfstoffs »Soberana 02« gegen Covid-19 produzieren will, »um den eigenen Bedarf und den anderer Länder« zu decken. Zu den vier kubanischen Impfstoffprojekten gehören die injizierbaren Antigene »Soberana 01«, »Soberana 02« und »Abdala« sowie das immunisierende Nasenspray »Mambisa«.

Der in der Erprobung am weitesten fortgeschrittene Kandidat »Soberana 02« ist das erste in Lateinamerika entwickelte Vakzin, das kurz vor der Verabreichung steht. »Wir schaffen dafür zusätzliche Kapazitäten, weil wir eine große Nachfrage nach dem Impfstoff haben«, sagte Vérez. »Wir sind kein multinationales Unternehmen, bei dem die finanzielle Rendite als Motiv im Vordergrund steht«, fügte er hinzu. »Wir arbeiten anders. Unsere Motivation und unser Auftrag bestehen in erster Linie darin, die Gesundheit der Menschen zu schützen. Die Rendite ist eine Folge, wird aber nie die Priorität sein.« Er hoffe, dass nach dem nationalen Start in der ersten Jahreshälfte, auch für Touristen Impfungen angeboten werden können, sagte der Mediziner.

Mit 19.530 bestätigten Infektionen und 184 Todesfällen (Stand Mittwoch) ist Kuba bei einer Einwohnerzahl von 11,3 Millionen im Vergleich zu anderen Ländern bisher relativ glimpflich durch die Pandemie gekommen. Nachdem das Land die Situation über Monate unter Kontrolle gehabt hatte, ist es allerdings seit der Öffnung der Flughäfen Mitte November zu einer erneuten Häufung von Fällen gekommen.

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