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Aus: Ausgabe vom 22.01.2021, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Lobbyist DFL

Von René Lau
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Man weiß, was man aneinander hat: Thomas de Maizière (CDU, l.), DFL-Präsident Reinhard Rauball (M.) und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert beim DFL-Neujahrsempfang in Frankfurt am Main 2016

Wie in den letzten Tagen bekanntwurde, kümmert sich die Deutsche Fußballiga (DFL) nicht nur um ihre Mitglieder der 36 Geisterspielvereine, sondern betreibt auch mit finanziellem Aufwand politische Lobbyarbeit. Obwohl sie sich in ihrer Satzung unter Paragraph 2 als »parteipolitisch neutral« bezeichnet, hat sie finanziell die Parteitage der SPD, der CDU und der Grünen unterstützt. Auch wenn die dabei ausgegebenen Beträge im vierstelligen Bereich liegen und dabei in der Millionenportokasse gar nicht auffallen, erstaunt dies den Fußballfan schon sehr. Denn es geht hier nicht um die Höhe der Beträge, sondern den Fakt an sich.

Auch erstaunt, warum gerade diese drei Parteien unterstützt wurden. Zufälligerweise sind es genau die Parteien, aus deren Mitte die allermeisten Ministerpräsidenten kommen, die in ihrem Herrschaftsbereich die DFL-Mitglieder betreuen. Zwar fehlt die CSU, aber es ist offensichtlich, dass dort gar nicht gebaggert werden muss, da der bayerische Süden ohnehin immer fest an der Seite der DFL steht.

Aber sollte sich eine Organisation wie die DFL, die derart in der breiten Öffentlichkeit tätig ist, nicht mit solcherlei Aktivitäten zurückhalten?

»Eine Institution, die sich in ihrer Satzung politische Neutralität auferlegt hat, widerspricht mit einer Spende entweder ihrer Satzung, oder sie versucht, politisches Wohlwollen zu erkaufen«, sagt ein Vertreter der Linken. Und genau so ist es. Da bekommen die Dankesworte von DFL-Chef Christian Seifert an die politischen Entscheidungsträger in Bund und Land bei Zulassung der Geisterspiele im Mai 2020 eine ganz neue Bedeutung. Ein Fanschelm, wer Böses dabei denkt.

Eins ist aber klar: Dies ist ein weiterer Punkt, der bei der Fanseele nicht gerade dazu beiträgt, Vertrauen in die Arbeit und Worte der DFL zu gewinnen. Schade, dass wir derzeit keine Fans im Stadion haben. Die Transparente in der Fankurve mit entsprechend markigen Worten und Fragen an die DFL hätte ich gerne gelesen. Aber auch das lässt sich nachholen.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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In der Serie Beim Fananwalt:

Sind Geisterspiele nicht das allerletzte? Werden Stadionkurven als Experimentierfelder für Polizeimaßnahmen genutzt? Wie ist es um die Rechtsstaatlichkeit von Sportgerichten bestellt? Solche Fragen beantwortet Rechtsanwalt René Lau ab sofort an jedem Freitag auf der Sportseite der Tageszeitung junge Welt.

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