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Aus: Ausgabe vom 22.01.2021, Seite 16 / Sport
American Football

Alles aus eigener Kraft

Selbstorganisiert und immer beliebter: American Football erobert den chinesischen Amateursport
Von Marvin Matthäus
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Auch die Kleinsten tun es: Immer mehr Chinesen spielen American Football

»Down, set, hut!« schallt es durch das Stadion. Allerdings nicht – wie bei den typischen American-Football-Kommandos zu erwarten wäre – in einer der ultramodernen US-Unterhaltungsarenen, sondern über einen überschaubaren Sportplatz, auf dem nicht einmal gekreidete Begrenzungslinien existieren, in der für chinesische Verhältnisse mittelgroßen Stadt Hangzhou. In einem spannenden Match setzen sich am 9. Januar die Hangzhou Smilodons mit 33 zu 22 gegen die Chengdu Pandamen im Finale der Chinese Football League (CNFL) durch und sichern sich so die chinesische Meisterschaft. Der Meister der Saison 2019, die Wuhan ­Berserkers, hatten keine Chance, ihren Titel zu verteidigen. Obwohl es in China erst seit einem Jahrzehnt regelmäßig Spiele gibt, hat der American Football rasanten Zulauf und ist mittlerweile eine feste Größe im Amateursport der Volksrepublik.

Die Anfänge der Sportart in China sind bis heute nicht ganz geklärt: »Es ist schwierig, einen genauen Startpunkt für China festzulegen. Es gibt Aufzeichnungen darüber, dass bereits im frühen 20. Jahrhundert Footballspiele in China stattgefunden haben, aber die aktuellen Entwicklungen lassen sich eindeutig auf das Jahr 2011 zurückführen«, erläutert Wang Datong, Vorsitzender der CNFL, auf jW-Anfrage. In jenem Jahr wurde ein sogenanntes Exhibition Game in Beijing ausgetragen, in welchem Teams aus Shanghai und der Hauptstadt aufeinandertrafen. Nur zwei Jahre später konnte die American Football League of China (AFCL) gegründet werden, die noch im selben Jahr mit Teams aus Beijing, Shanghai, Tianjin, Chengdu, Chongqing, Guangzhou und Hongkong ihren Spielbetrieb aufnahm. Seither kommen jedes Jahr neue Mannschaften hinzu, ihre Anzahl wuchs bis 2019 auf 22, sie kommen aus allen Teilen Chinas. Ein Team aus Taiwan soll ebenfalls am Spielbetrieb teilnehmen. 2019 ist auch die neue und heute wichtigste Football-Liga der Volksrepublik CNFL aus der AFCL hervorgegangen, letztere ist seitdem Geschichte. Aufgrund der hohen Zahl an Ausländern in Shanghai gehören die Teams aus der Stadt immer zu den besten und erfolgreichsten.

Die Coronapandemie hat den Zulauf zum Football gebremst, aber nicht aufgehalten. Die Teams konnten freiwillig entscheiden, ob sie am Spielbetrieb teilnehmen, der weiterhin geregelt stattfinden konnte. Nur zehn Teams entschieden sich dafür, doch »insgesamt konnten wir einen Spielbetrieb auf die Beine stellen, welcher vier reguläre Saisonspiele und sechs Play-off Spiele garantiert«, wie Hu Fei, Social-Media-Manager der CNFL, gegenüber jW erläutert. Während in Deutschland nicht gespielt werden konnte – bzw. nur im Profibereich profitrelevanter Sportarten – gewährleistete die Coronapolitik Chinas mit hinreichend vielen Tests, dass der Amateur- und Hobbysport nicht zum Erliegen kam. Dass der eiförmige Ball tatsächlich geworfen werden kann, ist nur durch ehrenamtliches Engagement möglich. Auch die CNFL selbst wird von den Mitgliedern der Vereine getragen, die zudem für die Reisekosten zu den Spielen und ihre Footballausrüstung zum Großteil selbst aufkommen müssen. Vom chinesischen Staat gibt es keine Förderung für eine Sportart, solange sie nicht olympisch ist.

Auch vom Ausland ist kein Geld zu erwarten. Kooperationen mit anderen internationalen Ligen, insbesondere den College Teams der USA und der US-Profiliga NFL (National Football League), gibt es nicht. Die NFL hat zwar erkannt, dass es sich bei China um einen attraktiven Absatzmarkt handelt, ist aber an einer Förderung des Sports in der Volksrepublik, anders als in der Vergangenheit in Europa, nicht interessiert. »Wir sind im wesentlichen eine Graswurzelliga, die sich selbst organisiert. Nahezu alle Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Funktionäre stammen aus China. Wir sind natürlich an einer Kooperation mit anderen Footballigen interessiert, allerdings haben uns in der Vergangenheit die Ressourcen dazu gefehlt. Insbesondere die NFL ist nur daran interessiert, dass ihre Spiele in China geschaut werden, und nicht daran, den Sport in China zu fördern«, kritisiert Wang gegenüber jW. Darüber hinaus haben in China arbeitende US-Amerikaner versucht, vor Ort eine »Arena Football League« zu etablieren, welche allerdings seit ihrer Gründung im Jahr 2012 nahezu keinen Spielbetrieb durchführen konnte. Das letzte Mal fanden 2016 Begegnungen statt, ein Neustart ist nicht abzusehen. Selbstredend war auch hier das vorrangige Ziel, Geld zu verdienen, und nicht den Sport als solchen in China zu fördern. Demgegenüber will die CNFL weiterhin aus eigener Kraft wachsen, Football im Land bekannter machen und ein attraktives Freizeitangebot auf die Beine stellen. Im März versammeln sich die Verantwortlichen, um die nächste Saison zu besprechen. Eins ist allerdings jetzt schon klar: Die Zukunft des American Football in China verheißt nur Gutes.

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