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Aus: Ausgabe vom 22.01.2021, Seite 3 / Schwerpunkt
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»Drohnensupermacht« Türkei

Eigenentwicklung unbemannter Flugobjekte und Einsatz in diversen Kriegen
Von Jörg Kronauer
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Aus Boykott entstanden: Türkische Kampfdrohne

Am Anfang stand ein informeller Boykott. Die Türkei, daran erinnerte sich Ismail Demir – ein Spitzenfunktionär der türkischen Rüstungsindustrie – auf einer Veranstaltung des Atlantic Council im Jahr 2016, wollte für ihre Streitkräfte Kampfdrohnen erwerben. Doch sie bekam sie nicht: Die USA und Israel, die die avanciertesten UAV (Unmanned Aerial Vehicles) produzierten, waren nicht bereit, Ankara damit zu beliefern. Daraufhin machten sich türkische Unternehmen an die Arbeit.

Die Ergebnisse, insbesondere die TAI-Anka- und die Bayraktar-Drohnen, zählen heute zu den hochentwickelten Produkten der internationalen Branche. Er sei den Vereinigten Staaten für den damaligen De-facto-Boykott inzwischen wirklich dankbar, stellte Demir beim Atlantic Council sarkastisch fest. Und tatsächlich: Manche Experten stufen die Türkei heute als »Drohnensupermacht« ein.

Dabei bezieht sich das Urteil nicht nur auf die Produktion. Die Türkei setzt Drohnen seit Jahren in ihren diversen Kriegen ein. Ein Paradebeispiel ist Libyen, wo Ankara die »Einheitsregierung« in Tripolis unterstützt – nicht zuletzt mit UAV und Technologie zur begleitenden elektronischen Kriegführung. Der damalige UN-Sondergesandte für Libyen, Ghassan Salamé, stufte den Krieg in dem nordafrikanischen Land im Oktober 2019 als »größten Drohnenkrieg der Welt« ein. Aufsehen erregte sodann die »Operation Spring Shield« Ende Februar bis Anfang März 2020, als die türkischen Streitkräfte den von Russland unterstützten syrischen Truppen in und bei Idlib schwerste Schäden zufügten – vorwiegend mit Drohnen. Es handelte sich um die erste große Drohnenoffensive gegen reguläre Streitkräfte überhaupt. Nächster Schritt war im Herbst 2020 der Krieg um Berg-Karabach. Erneut nahmen – neben israelischen– türkische Drohnen eine zentrale Rolle ein, auf seiten der aserbaidschanischen Streitkräfte. Der Waffengang wird oft der erste voll ausgewachsene Krieg genannt, in dem der Einsatz von Drohnen eine dominierende, entscheidende Bedeutung besaß. Die Fähigkeit, das Gerät für einen solchen Krieg nicht nur produzieren und liefern, sondern auch auf militärisch erfolgversprechende Weise einsetzen zu können, hat Ankara in seinem regionalen Umfeld einen echten Machtzuwachs verschafft.

Zweierlei bliebe hinzuzufügen. Die Türkei setzt Drohnen nicht nur für Kriegsoperationen, sondern auch für gezielte Morde an zivilen Gegnern ein. Bevorzugtes Ziel sind, wie kann es auch anders sein, kurdische Aktivistinnen und Aktivisten. Und: Es spricht viel dafür, dass die türkischen Rüstungsunternehmen wichtige Fähigkeiten für den Bau ihrer Waffen ausgerechnet Deutschland verdanken. Im August 2020 berichtete das ARD-Magazin »Monitor«, wie die türkische Waffenschmiede Roketsan mutmaßlich an Kenntnisse über den Bau von Drohnensprengköpfen kam: Sie erhielt Sprengköpfe, natürlich mit offizieller Exportgenehmigung der Bundesregierung, aus dem idyllischen Städtchen Schrobenhausen zwischen Augsburg und Ingolstadt, wo außer dem Europäischen Spargelmuseum der Gefechtskopfhersteller TDW seinen Sitz hat. Der lieferte Gefechtsköpfe an die Türkei – und »Monitor« ließ sich von Experten bestätigen, dass Roketsan sich davon vermutlich das nötige Know-how für die Eigenproduktion abgeschaut hat.

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