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Aus: Ausgabe vom 14.01.2021, Seite 8 / Ansichten

Haarspalter des Tages: Friseurhandwerk

Von Ralf Wurzbacher
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Alles schick obenrum – Gladbacher Kicker mit toller Optik

Eigentlich verhieß Corona ein Fest für Fußballnostalgiker. Ein paar Wochen infektionsschutzerzwungenes Barbierverbot – und die Wolle der Bundesligaspieler wuchert wie Anno dazumal bei Günter Netzer, Paul Breitner und Carlos Valderrama. Nix da: Auch nach einem Monat harten Shutdowns wirken Haupthaar und Bärte beim Gros der kickenden Zunft so gebändigt wie eh und je. »Einrasierte Scheitel, auf wenige Millimeter getrimmtes Nacken- und Schläfenhaar, saubere Konturen«, für die Kenner vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks (ZV) kann dies nur das Werk »professioneller Friseurinnen und Friseure mit Profiequipment« sein. Der schlimme Vorwurf der Funktionäre: Während auf der Kopfhaut der Normalsterblichen Wildwuchs und in der Kasse von 80.000 Salons Ebbe herrscht, ließen sich die Jungmillionäre ihre Tolle unter der Hand und ohne den obligatorischen Abstand begradigen.

Seine Klagen hat die Berufsorganisation mit einem offenen Brief an den Chef des Deutschen Fußballbunds (DFB), Fritz Keller, adressiert. »Frischfrisierte Fußballstars setzen eine gesamte Branche unter Druck«, heißt es darin. Viele Betriebe stünden am Rande des Ruins und würden vermehrt von Kunden bedrängt, die sie »zu Schwarzarbeit und Regelverstößen wie Hausbesuchen überreden wollen«. Hier ließe der Sport Solidarität vermissen und seine Vorbildfunktion schleifen, mahnt die Innung. Und was ist mit der Politik? Anfang Januar wurde Kanzlerinnensprecher Steffen Seibert in der Bundespressekonferenz gefragt, warum Regierungsmitglieder trotz Pandemie stets top gestylt auftreten würden. Antwort: »Ich kenne keine Sonderregeln, und es gibt natürlich auch keine.« Wer das dem schönen Steffen nicht abnehmen mag, wende sich an glaubwürdigere Quellen. Den Grünen Anton Hofreiter zum Beispiel. Dessen Schick kann der längste Shutdown nichts anhaben.

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