Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Gegründet 1947 Mittwoch, 20. Januar 2021, Nr. 16
Die junge Welt wird von 2464 GenossInnen herausgegeben
Die junge Welt drei Wochen gratis testen Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Aus: Ausgabe vom 14.01.2021, Seite 6 / Ausland
Gekaufte Politik

Parteispendenkönig tot

Multimilliardär Adelson verstorben. Unsummen für US-Republikaner und Israels Premier
Von Knut Mellenthin
Obit_Sheldon_Adelson_67979452.jpg
Sheldon Adelson und US-Präsident Trump beim proisraelischen Lobbyverband »Israeli-American Council« in Hollywood/Florida (7.12.2019)

Vermutlich hat keine einzelne Person auf der Welt mehr Geld ausgegeben, um Wahlen und Parteien zu beeinflussen, als der US-amerikanische Multimilliardär Sheldon Adelson. Am Dienstag teilte seine Frau Miriam mit, dass der 87jährige am Abend zuvor »nach Komplikationen in Zusammenhang mit einer langwierigen Krankheit« gestorben sei. Laut Forbes sei der Verstorbene Eigentümer eines Nettovermögens von 35 Milliarden US-Dollar gewesen.

Adelson soll 2017 irgendwo gesagt haben: »I’m a one-issue person. That issue is Israel.« (Ich bin eine Person, die nur ein Thema hat. Dieses Thema ist Israel) – eine genaue Quelle lässt sich dafür nicht finden. Aber sollte es nicht wahr sein, ist das Zitat gut erfunden. Seine politischen Ansichten dahingehend, was nützlich für Israel sei, waren äußerst einseitig. Adelson war ein absoluter Gegner der Option eines palästinensischen Staates. Er unterstützte deshalb die israelische Rechte, hauptsächlich die Likud-Partei, und sein Wohlwollen konzentrierte sich fast ausschließlich auf deren Vorsitzenden Benjamin Netanjahu, der seit 2009 ununterbrochen Premierminister ist. Mit der US-amerikanischen Pro-Israel-Lobby AIPAC, die er zeitweise großzügig unterstützt hatte, brach der Multimilliardär 2007, weil sie sich für die Forderung von mehr als 130 Kongressabgeordneten ausgesprochen hatte, die Finanz- und Wirtschaftshilfe für die Palästinenser zu erhöhen. Seit mindestens 2013 förderte Adelson den »Israeli-American Council« als eine Art Konkurrenz zum AIPAC.

Die US-amerikanische Wochenzeitung Newsweek berichtete nach Adel­sons Tod, dass die gemeinsam mit seiner Frau betriebene Familienstiftung seit 2010 ungefähr 524 Millionen US-Dollar zur Unterstützung von Kandidaten der Republikanischen Partei ausgegeben habe, davon 424 Millionen seit 2016. Dabei ging es nahezu ausschließlich um die Durchsetzung einer »pro­israelischen« Politik im Sinne Adelsons.

Man muss dennoch die verbreitete Vorstellung relativieren, der Milliardär habe beim Wahlsieg von Donald Trump im November 2016 eine Schlüsselrolle gespielt. Adelson hatte zunächst zwei Konkurrenten von Trump im Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur finanziell gefördert. Erst nachdem sich die letzten Mitbewerber am 3. Mai 2016 zurückgezogen hatten, sprach er sich am 13. Mai in der Washington Post für Trump aus. Im wesentlichen begründete er das mit der von ihm gesehenen Notwendigkeit, einen Wahlsieg von Hillary Clinton unbedingt zu verhindern.

Obwohl Adelson angeblich in Aussicht gestellt hatte, Trump mit mehr als 100 Millionen US-Dollar zu unterstützen, wie die Times of Israel am 14. Juni 2016 unter Berufung auf zwei anonyme Republikaner meldete, war nach Darstellung der NBC News vom 22. August 2016 bis dahin noch kein Geld geflossen. Erst in der letzten Woche vor der Wahl stellte Adelson schließlich 25 Millionen Dollar zur Verfügung. Die Beziehung zwischen beiden Milliardären blieb von gegenseitigem Misstrauen bestimmt.

Auch das freundschaftliche Verhältnis zu Netanjahu, den Adelson schon aus den 1980er Jahren kannte, als dieser Botschafter in den USA war, hatte sich seit einiger Zeit abgekühlt. Direkte Ursache war ausgerechnet die auflagenstärkste Tageszeitung des Landes, Israel Hajom, die Adelson im Sommer 2007 hauptsächlich zu dem Zweck gegründet hatte, Netanjahu zu unterstützen. Das Blatt wird in einer Riesenauflage kostenlos verteilt und schadet damit der meistverkauften israelischen Tageszeitung Jediot Acharonot. Mit deren Eigentümer, Arnon Mozes, traf sich Netanjahu 2014 mehrmals, um über einen Deal zu sprechen: Im Tausch gegen eine freundlichere Berichterstattung über seine Regierungstätigkeit wollte sich der Premier dafür einsetzen, den freien Vertrieb von Israel Hajom einzuschränken. Der Vorgang, der letztlich zu keinen praktischen Ergebnissen führte, ist Teil der Anklage im laufenden Korruptionsprozess gegen den Regierungschef. Als Adelson davon erfuhr, erklärte er, Netanjahu nie wieder treffen zu wollen. Er hatte das Blatt mit schätzungsweise 50 Millionen US-Dollar im Jahr subventioniert.

Teste die Beste linke, überregionale Tageszeitung.

Kann ja jeder behaupten, der oder die Beste zu sein! Deshalb wollen wir sie einladen zu testen, wie gut wir sind: Drei Wochen lang (im europ. Ausland zwei Wochen) liefern wir Ihnen die Tageszeitung junge Welt montags bis samstags in Ihren Briefkasten – gratis und völlig unverbindlich! Sie müssen das Probeabo nicht abbestellen, denn es endet nach dieser Zeit automatisch.

Regio:

Mehr aus: Ausland