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Aus: Ausgabe vom 13.01.2021, Seite 16 / Sport
American Football

Tod durch tausend Papierschnitte

Quarterback Drew Brees will mit den New Orleans Saints noch ein letztes Mal in den Superbowl einziehen
Von Rouven Ahl
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Intelligent, zumindest was das Spiel betrifft: New-Orleans-Saints-Quarterback Drew Brees

Am vergangenen Wochenende startete die National Football League (NFL) in die entscheidende Phase der Saison. Die New Orleans Saints wurden dabei ihrem Favoritenstatus gerecht und schlugen in der ersten Runde der Playoffs die Chicago Bears mit 21:9. Nun treffen die Saints auf die Tampa Bay Buccaneers.

Hier werden auch zwei der besten Quarterbacks ihrer Generation aufeinandertreffen: Tom Brady (Buccaneers) und Drew Brees (Saints), beide mittlerweile in ihren 40ern. Brees hat wie kein zweiter in den letzten 15 Jahren das Franchise aus dem Bundesstaat Louisiana geprägt. Für ihn ist es wohl die letzte Chance, noch einmal in den Superbowl einzuziehen, den er 2010 mit den Saints gewann – für ihn und das Franchise bis dato das einzige Mal.

Brees wird aller Voraussicht nach seine Karriere nach dieser Saison beenden, davon gehen die meisten Experten aus. Der 41jährige hat bereits einen Vertrag als Kommentator beim Fernsehsender NBC unterschrieben.

Seitdem der gebürtige Texaner 2001 in die NFL kam, hat er mehrere Rekorde aufgestellt. So kann sich Brees die meisten geworfenen Yards, die meisten erfolgreichen Pässe sowie die meisten Touchdown-Pässe ans Revers heften. Allesamt Königsdisziplinen für einen Quarterback.

Als Brees 2018 den Passrekord für die meisten Yards aufstellte, gab es viele Glückwünsche von den Kollegen. Einer kam dabei via Twitter von Russell Wilson, Quarterback der Seattle Seahawks. »Danke für das, was du für uns ›kleine Kerle‹ getan hast«, hieß es in dem Post.

Wilson spielte darauf an, dass weder er noch Brees (1,83 Meter) das Gardemaß für einen Quarterback haben. Am Beginn seiner Karriere wollten viele renommierte Colleges Brees daher nicht verpflichten.

Er schaffte es trotzdem in die NFL. Nach einer schweren Schulterverletzung ließ ihn sein damaliges Team, die San Diego Chargers, 2006 zu den Saints ziehen. Keine besonders gute Entscheidung. Gemeinsam mit Trainer Sean Payton verwandelte Brees das Franchise anschließend in eine der erfolgreichsten der jüngeren Vergangenheit.

Was Brees dabei bis heute auszeichnet, ist seine Spielintelligenz. Abseits des Platzes hat ihm letztes Jahr aber der Durchblick gefehlt. »Ich werde niemals jemandem zustimmen, der die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika missachtet«, sagte Brees im Juni angesprochen auf mögliche Proteste von NFL-Spielern im Zuge der »Black Lives Matter«-Bewegung.

Nachdem ihm viele seiner afroamerikanischen Kollegen auch öffentlich deutlich gemacht hatten, was für einen Schmarrn er da von sich gibt, entschuldigte sich Brees schriftlich und per Videobotschaft. »Ich möchte, dass ihr in meinen Augen seht, wie leid mir das tut«, sagte er. »Ich werde es besser machen. Ich bin Teil der Lösung, und ich bin euer Verbündeter«, fügte Brees hinzu.

Sportlich nagt der Zahn der Zeit mittlerweile an ihm. Aufgrund der nachlassenden Armstärke, ist das System der Saints vor allem auf kurzen Pässen aufgebaut. Sam Monson lobte zuletzt im Podcast von Pro Football Focus daher auch Brees’ Geduld, das Verteilen von vermeintlich einfachen Pässen so konsequent durchzuziehen.

Das Prinzip der eher kurzen Würfe wird im selben Podcast als »Tod durch tausend Papierschnitte« bezeichnet. Falls Brees noch einmal in den Superbowl einziehen sollte, wird ihm das »wie« aber wohl herzlich egal sein.

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