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Wie gegen Klitschko

Von Marek Lantz
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Schockmoment: Joshua Zirkzee (l., rotes Trikot) trifft Marco Hiller (r. hinten, grünes Trikot)

Das wohl berühmteste Foul der Bundesligageschichte jährt sich in diesem Sommer zum 40. Mal. Im August 1981 schlitzte der Bremer Verteidiger Norbert Siegmann dem damals bei Arminia Bielefeld spielenden Ewald Lienen mit dem Stollen nahezu den kompletten Oberschenkel auf. Die Bilder des entsetzt auf dem Rasen herumhüpfenden Lienen hatten Splatterqualität.

An diesem Sonnabend konnten sie einem wieder in den Sinn kommen, denn auch beim Münchner Drittligaderby zwischen dem TSV 1860 und der zweiten Mannschaft des FC Bayern floss reichlich Blut. »Er sieht aus, als ob er gegen Klitschko gekämpft hätte«, schilderte Löwen-Sportchef Günther Gorenzel nach dem Abpfiff seinen Eindruck von TSV-Keeper Marco Hiller. Dem hatte nach gut 20 Minuten der von Profitrainer Hans-Dieter Flick ins Reserveteam degradierte Nachwuchsangreifer Joshua Zirkzee mit offener Sohle ins Gesicht getreten. »Plötzlich war es warm. Das Blut ist an mir runtergelaufen«, so Hiller später. Zirkzee, um den sich zuletzt der 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt bemühten, sah folgerichtig die rote Karte und dürfte nun eine längere Sperre erhalten, die seine Wechselabsichten torpedieren könnte. Hiller konnte hingegen zur Überraschung aller weiterspielen, wurde in der Halbzeit genäht und hielt beim 2:0-Sieg der weiterhin drittplazierten Löwen die kompletten 90 Minuten durch.

Erst am Montag abend und damit nach Redaktionsschluss war mit Türkgücü München der dritte Ligavertreter aus der bayrischen Landeshauptstadt im Einsatz. Doch auch der Aufsteiger sorgte am Wochenende für Schlagzeilen: Präsident und Mäzen Hasan Kivran, dessen finanzielle Zuwendungen erst den Durchmarsch von der Landesliga bis in die Drittklassigkeit ermöglicht hatten und der kurz vor Weihnachten aus heiterem Himmel seinen sofortigen Rückzug wegen ökonomischer Schwierigkeiten angekündigt hatte, ruderte nun wieder zurück: »Die Vereinsführung, die große Unterstützung der Fans sowie infra­strukturelle Fortschritte haben mich meine Entscheidung noch einmal überdenken lassen«, wurde Kivran am Sonntag in einer Türkgücü-Pressemitteilung zitiert. Das taktische Manöver, bei dem zwischenzeitlich das Aus für den Verein drohte, ist eine Lektion in perfidem Raubtierkapitalismus. Denn angesichts noch vor Wochenfrist von Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny angedrohter betriebsbedingter Kündigungen lösten gleich mehrere Spieler aus dem übergroßen Türkgücü-Kader ihre gut dotierten Verträge beim Klub auf, nicht aber die beiden bundesligaerfahrenen Topstars Petar Sliskovic und Sercan Sararer. Ein paar bloße Kostenfaktoren sind Türkgücu und Kivran also schon einmal los.

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