Gegründet 1947 Sa. / So., 6. / 7. März 2021, Nr. 55
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Aus: Ausgabe vom 12.01.2021, Seite 1 / Inland
Insolvensverfahren

Adler insolvent

Coronakrise: Umsätze der Textilkette eingebrochen – Verdi gegen »Personalabbau«
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Noch leuchtet die Firmenreklame der Modemarke grell (11.1.2021)

Ein weiteres Krisenopfer: Die Adler Modemärkte AG hat wegen Überschuldung einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Grund dafür sei der Coronashutdown, teilte das Unternehmen am späten Sonntag abend mit. Ziel ist es demzufolge, das Unternehmen über einen Insolvenzplan zu sanieren. Dabei soll der Geschäftsbetrieb in vollem Umfang fortgeführt werden.

Der Antrag sei beim Amtsgericht Aschaffenburg gestellt worden. Auslöser seien die erheblichen Umsatzeinbußen durch die seit Mitte Dezember 2020 andauernden Schließungen fast aller Verkaufsfilialen als Folge des Shutdowns. Es sei nicht möglich gewesen, die entstandene Liquiditätslücke über eine Kapitalzufuhr durch staatliche Unterstützungsfonds zu schließen. Der Vorstand bleibe weiterhin verwaltungs- und verfügungsbefugt, hieß es weiter.

Die Adler Modemärkte AG betreibt nach eigenen Angaben derzeit 171 Märkte, davon 142 in Deutschland, sowie einen Onlineshop. Weitere Märkte gibt es in Österreich, Luxemburg sowie in der Schweiz. Der Fokus lag dabei auf der Altersgruppe ab 55 Jahren. Gegründet wurde das Unternehmen 1948 als Konfektionsbetrieb im sächsischen Annaberg.

In die Schlagzeilen geriet der Bekleidungskonzern 1987 nach mehreren Brandanschlägen auf das Adler-Verwaltungsgebäude in Haibach bei Aschaffenburg sowie einige Filialen. Die Frauenstadtguerillagruppe »Rote Zora« hatte sich zu dieser Anschlagserie bekannt. Hintergrund war ein blutig niedergeschlagener Streik von Näherinnen für bessere Arbeitsbedingungen beim Adler-Tochterunternehmen Flair Fashion in Südkorea.

Im Geschäftsjahr 2019 schienen die Adler-Umsatzzahlen mit 495,4 Millionen Euro noch stabil gewesen zu sein. Das nun beantragte Insolvenzverfahren dürfte Auswirkungen auf die rund 3.350 Beschäftigten haben. Cosimo-Damiano Quinto, Bundesfachgruppensekretär für den Einzelhandel beim Verdi-Bundesvorstand, forderte am Montag gegenüber jW »eine Sanierung des Unternehmens ohne Personalabbau, ohne Filialschließungen und unter Beibehaltung der Haustarifverträge bei Adler«. (dpa/jW)

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