Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Gegründet 1947 Sa. / So., 23. / 24. Januar 2021, Nr. 19
Die junge Welt wird von 2464 GenossInnen herausgegeben
Die junge Welt drei Wochen gratis testen Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Aus: Ausgabe vom 08.01.2021, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Rechtswidrig im Gewahrsam

Von René Lau
imago0016434295h.jpg
Team Blau spielt am liebsten nach eigenen Regeln

Vor einiger Zeit fuhren Fans eines Berliner Vereins zum Auswärtsspiel ins schöne Thüringen. Es gab kleinere Auseinandersetzungen am Gästeeingang mit der Staatsmacht. Warum und wieso, das wusste im Nachhinein so richtig niemand. »Team Blau« nahm das aber noch vor Spielbeginn zum Anlass, mit aller Gewalt in den Block zu stürmen, alle einzukesseln und in Gewahrsam zu nehmen. Ein hinzugerufener Richter konnte auf Nachfrage keinem Fan in der Zelle die Frage beantworten, was ihm konkret vorgeworfen wird, so dass sich auch kein Fan irgendwie äußerte. Alle mussten bis nach Spielende im Thüringer Gewahrsam verbringen und durften dann in die Hauptstadt zurückreisen. Normales Fanerlebnis, passiert halt mal, und es trifft ja meistens auch die Richtigen, könnte Otto Normalverbraucher denken.

Doch einige der Fans wollten sich dieses polizeiliche Verhalten nicht bieten lassen und kamen zu mir, um das Ganze durch Gerichte überprüfen zu lassen. Anträge wurden beim örtlichen Amtsgericht eingereicht und allesamt abgelehnt. Die Justiz hatte aber nicht mit dem langen Atem von Fußballfans und ihres Fananwaltes gerechnet. Wir bemühten mit einem Rechtsmittel das Landgericht, und es kam, wie es kommen musste.

Mit dem neuen Jahr kommen immer mehr Entscheidungen bei mir an, in denen die Rechtswidrigkeit dieser Maßnahmen festgestellt wurde. Nicht für alle Mandanten, aber doch einige. Warum schildere ich das? Weil die gerichtlichen Begründungen schon interessant sind. Wieder einmal schreibt die Judikative der Exekutive ins juristische Stammbuch, dass Rechtsstaat anders funktioniert. Eine Einzelfallprüfung ist notwendig, denn eine präventive Ingewahrsamnahme nach dem Polizeirecht stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte dar.

Und was sagt uns das für die Fanrechte? Jeder Fan sollte immer und überall darüber nachdenken, sich gegen polizeiliche Maßnahmen mit juristischen Mitteln zu wehren und sie von Gerichten überprüfen lassen. Kein Fan muss klein beigeben. Auch wenn die Polizei es nicht wahrhaben will, aber Fanrechte sind Bürgerrechte, und kein Fan gibt seine Grundrechte am Stadiontor ab.

Wir haben den Rechtsstaat auf unserer Seite. Machen wir uns ihn zu eigen.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung.

Kann ja jeder behaupten, der oder die Beste zu sein! Deshalb wollen wir Sie einladen zu testen, wie gut wir sind: Drei Wochen lang (im europ. Ausland zwei Wochen) liefern wir Ihnen die Tageszeitung junge Welt montags bis samstags in Ihren Briefkasten – gratis und völlig unverbindlich! Sie müssen das Probeabo nicht abbestellen, denn es endet nach dieser Zeit automatisch.

In der Serie Beim Fananwalt:

Sind Geisterspiele nicht das allerletzte? Werden Stadionkurven als Experimentierfelder für Polizeimaßnahmen genutzt? Wie ist es um die Rechtsstaatlichkeit von Sportgerichten bestellt? Solche Fragen beantwortet Rechtsanwalt René Lau ab sofort an jedem Freitag auf der Sportseite der Tageszeitung junge Welt.

Mehr aus: Sport