Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Gegründet 1947 Dienstag, 26. Januar 2021, Nr. 21
Die junge Welt wird von 2464 GenossInnen herausgegeben
Die junge Welt drei Wochen gratis testen Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Aus: Ausgabe vom 08.01.2021, Seite 7 / Ausland
Gefängnissystem in den USA

Streik in Alabamas Knästen

Unmenschliche Haftbedingungen, kein Schutz vor Covid-19: US-Gefangene treten in Ausstand
Von Jürgen Heiser
Alabama_Prisons_67643130.jpg
»Psychologische Kriegführung gegen alle Eingesperrten«: US-Gefängnis in Atmore, Alabama (22.10.2019)

Im US-Bundesstaat Alabama sind seit dem 1. Januar landesweit Gefangene in einen befristeten Streik getreten. Wie das International Action Center in New York City meldete, haben »die inhaftierten Arbeiter in Alabamas abscheulichem Gefängnissystem ihre Werkzeuge und Arbeitsgeräte niedergelegt« und weigerten sich, ihrer Arbeit in den Fabriken und Versorgungseinrichtungen der Strafanstalten nachzugehen.

Als Grund gaben die Streikenden »unmenschliche Haftbedingungen« an, die das Alabama Department of Corrections (ADOC), die staatliche Gefängnisbehörde, zu verantworten habe. Zu den Arbeitsniederlegungen sei es auch wegen der »Nachlässigkeit des ADOC bei den Maßnahmen gegen die Covid-19-Infektionen« sowie »der Ausnutzung« der Coronapandemie, »persönliche Kontakte zu Angehörigen künftig generell nur noch als sogenannte Videobesuche« über Monitore stattfinden zu lassen, gekommen. Gerade »diese psychologische Kriegführung gegen alle Eingesperrten« habe »diesen Streik angeheizt«, so das Free Alabama Movement (FAM).

Die Aktionsgruppe FAM vereinigt als »Bewegung gegen Masseninhaftierung und Gefängnissklaverei« in ihren Reihen Gefangene und deren Solidaritätsbewegung außerhalb der Mauern. Bereits in den Jahren 2016 und 2018 organisierte FAM wirkungsvolle Gefängnisstreiks gegen unbezahlte Zwangsarbeit und zur Verbesserung der allgemeinen Lage der Inhaftierten (jW berichtete).

Der aktuelle Streik breitet sich unter dem Slogan »30 Tage ökonomischer Blackout« in den Strafanstalten aus. Der inhaftierte FAM-Aktivist Swift Justice erklärte gegenüber dem US-Magazin Truthout, er hoffe, dass der Ausstand in Alabama »Aktionen auf nationaler Ebene auslösen« werde. Angesichts der Pandemie gehe es darum, die Zahl der Gefangenen zu reduzieren und die desolaten Haftbedingungen zu verbessern. »Niemand wird kommen und uns retten«, sagte Justice. »Also müssen wir uns selbst kümmern, denn wenn wir es nicht tun, wird es niemand sonst tun.« Unterdessen schlossen sich elf Häftlinge, die sich im Staatsgefängnis Kilby in Montgomery County in Einzelhaft befinden, »auf die einzige Art und Weise, die uns möglich ist«, an und traten in einen Hungerstreik.

Am Mittwoch wiederholte das FAM in einer Pressemitteilung die Vorwürfe aus seinem früheren Aufruf gegen die Gefängniszwangsarbeit, die »eine neue Form der Sklaverei« darstelle. Ein Vollzeitbeschäftigter verdiene im Knast durchschnittlich 40 US-Dollar im Monat. Das Geld fließe jedoch sofort wieder in die Kommissionsläden der Strafanstalten mit ihren übersteigerten Preisen. Eine Schachtel Zigaretten, die draußen für rund fünf US-Dollar zu kaufen sei, koste hinter Gittern elf. FAM ruft deshalb auch zu einem Boykott der Knastläden auf, »die von der Ausbeutung der Gefangenen und ihrer Familien profitieren, was nur durch ihre Monopolverträge mit den Behörden« ermöglicht werde.

Laut FAM befinden sich ADOC und das Gefängnissystem »inmitten einer ausgewachsenen humanitären Krise«. Die Staatsführung tue nicht genug, »um das Leben der Inhaftierten zu erhalten und zu schützen«. Mit Stand 18. Dezember habe es unter ihnen fast 1.800 Coronainfektionen und 50 Todesfälle gegeben. Aufgrund der niedrigen Testraten sei indes von hohen Dunkelziffern auszugehen. Die offiziellen Statistiken wiesen inzwischen mehr als 250.000 mit dem Virus infizierte gefangene Männer und Frauen in den USA aus. Für FAM ist der Streik deshalb »der Startschuss für den Widerstand gegen das gesamte verfallende neoliberale, kapitalistisch-imperialistische System in den USA«. Staatliche Stellungnahmen zum Streik liegen aus Alabama derzeit noch nicht vor.

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung.

Kann ja jeder behaupten, der oder die Beste zu sein! Deshalb wollen wir Sie einladen zu testen, wie gut wir sind: Drei Wochen lang (im europ. Ausland zwei Wochen) liefern wir Ihnen die Tageszeitung junge Welt montags bis samstags in Ihren Briefkasten – gratis und völlig unverbindlich! Sie müssen das Probeabo nicht abbestellen, denn es endet nach dieser Zeit automatisch.

Ähnliche:

Regio: