Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Gegründet 1947 Montag, 25. Januar 2021, Nr. 20
Die junge Welt wird von 2464 GenossInnen herausgegeben
Die junge Welt drei Wochen gratis testen Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Aus: Ausgabe vom 07.01.2021, Seite 8 / Abgeschrieben

Gedenken an Oury Jalloh

imago0101422640h.jpg
Protestaktion in München (Juni 2020)

Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke, erklärte am Mittwoch anlässlich des Gedenkens an Oury Jalloh:

Am 7. Januar jährt sich der grausame Tod von Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle zum 16. Mal. Von Aktivistinnen und Aktivisten in Auftrag gegebene unabhängige Gutachten legen nahe, dass Dessauer Polizisten den Geflüchteten aus Sierra Leone zu Tode prügelten und dann seine Leiche verbrannten, um den Mord zu vertuschen. Doch von offizieller Seite wird nach wie vor behauptet, Oury Jalloh habe sich selbst angezündet. Der mangelnde Wille der Behörden zu Aufklärung und Verantwortungsübernahme ist ein fortgesetzter Skandal.

Der Tod von Oury Jalloh ist leider kein Einzelfall. Am selben Tag starb Laye-Alama Condé an den Folgen von Brechmittelfolter durch die Polizei in Bremen. Am 23. Juli 2020 starb Ferhat Mayouf in der JVA Moabit durch einen Zellenbrand, ebenso wie Amed Ahmad am 17. September 2018 in der JVA Kleve. Die Kampagne »Death in Custody« hat für den Zeitraum 1990 bis 2020 insgesamt 180 Todesfälle von Schwarzen Menschen und People of Color in Gewahrsam und durch Polizeigewalt recherchiert. Mit wenigen Ausnahmen haben diese Todesfälle keinerlei Konsequenzen für die Verantwortlichen. Dass der Name Oury Jalloh und die Zweifel an der Suizidthese einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sind, ist allein der unermüdlichen Arbeit der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh zu verdanken. Die Aktivist*innen rufen für den 7. Januar 2021 zu einer Gedenkkundgebung und Demonstration in Dessau auf. Ich rufe alle dazu auf, sich an den Aktionen zu beteiligen!

Verdi Berlin-Brandenburg machte am Mittwoch auf die derzeitige Situation in Kindertagesstätten aufmerksam:

Verdi befürchtet nach den Coronaentscheidungen (vom Dienstag, jW) volle Kitas mit hohem Gesundheitsrisiko für das betreuende Personal. Dabei haben Erzieher_innen nach einer neuen AOK-Studie das höchste Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Daher müssen die Landesregierungen in Berlin und Brandenburg festlegen, welche Berufsgruppen ihre Kinder in die Einrichtungen bringen dürfen – und welche nicht.

Verdi Berlin-Brandenburg fordert die Landesregierungen Berlin und Brandenburg auf, endlich Verantwortung für die Kindertageseinrichtungen und die Kindertagespflege zu übernehmen und konkrete Kitaregelungen zu erlassen. »Nach dem Treffen von Bund und Ländern wird es Erzieher_innen, Kitaleitungen und Eltern überlassen, zu entscheiden, wer die Kita besuchen darf und wer nicht. Die Politik taucht ab. Das geht so nicht«, sagt Andrea Kühnemann, stellvertretende Landesbezirksleiterin von Verdi Berlin-Brandenburg. »Denn es verursacht große Konflikte zwischen den Eltern und dem pädagogischen Personal und birgt ein hohes Gesundheitsrisiko für das Personal in den Einrichtungen. Die Politik muss wie im ersten Lockdown festlegen, welche Berufsgruppen systemrelevant sind und welche nicht. (…)« Bislang gibt es in Berlin und Brandenburg wie in den meisten anderen Bundesländern lediglich den Appell an die Eltern, ihre Kinder nicht in die Kitas zu schicken und zu Hause zu betreuen. Den Eltern steht dadurch aber keine Lohnersatzleistung nach dem Infektionsschutzgesetz zu. Die vereinbarten zusätzlichen zehn Tage Kinderkrankengeld reichen aber nicht aus, damit die Eltern ihre Kinder zu Hause betreuen können.

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung.

Kann ja jeder behaupten, der oder die Beste zu sein! Deshalb wollen wir Sie einladen zu testen, wie gut wir sind: Drei Wochen lang (im europ. Ausland zwei Wochen) liefern wir Ihnen die Tageszeitung junge Welt montags bis samstags in Ihren Briefkasten – gratis und völlig unverbindlich! Sie müssen das Probeabo nicht abbestellen, denn es endet nach dieser Zeit automatisch.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • 650 Menschen erinnerten vor einem Jahr in Dessau an den Tod von ...
    06.01.2021

    Ungesühnte Verbrechen

    Oury Jalloh: Initiative ruft zum Gedenken an ihn und weitere Opfer auf
  • Demo am 7. Januar in Dessau zum 13. Todestag von Oury Jalloh: Ei...
    30.01.2018

    Wider den Korpsgeist

    Feuertod von Oury Jalloh im Polizeirevier Dessau: Initiative ruft internationale Untersuchungskommission ins Leben
  • Das Logo der Volkssolidarität
    23.08.2016

    »Die Volkssolidarität schindet Zeit«

    Um Willkür bei den Entgelten zu beenden, pochen die Beschäftigten in der Uckermark auf einen Tarifvertrag. Gespräch mit Janine Balder