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Aus: Ausgabe vom 05.01.2021, Seite 12 / Thema
Rechtsphilosophie

Mit List und Geduld

Er hatte in der DDR nicht immer einen leichten Stand, beharrte aber auf seinem Standpunkt. Dem Rechtsphilosophen Hermann Klenner zum 95. Geburtstag
Von Alfred J. Noll
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Das Recht sei nicht nur ein Mittel der Macht, sondern ebenso immer auch Maß der Machtausübung, mahnte Hermann Klenner (Hilde Benjamin, Vizepräsidentin des Obersten Gerichts der DDR, im Juli 1952 bei der Vernehmung eines wegen Werkspionage Angeklagten)

Ehren-, Lob- und Anerkennungsepisteln für die Arbeit von Hermann Klenner gibt es sonder Zahl.¹ Aus seiner eigenen Feder wissen wir, wie ihm mitgespielt wurde², und wir wissen auch um die Zustände in der DDR in einer Zeit, »da man mehr List und Zeit aufbringen musste, um seine kleinen Wahrheiten auch gedruckt zu sehen, als sie zu entdecken«.³ Kleinere und größere Geister haben dessen ungeachtet an Klenner ihr Mütchen zu kühlen versucht⁴, weltweite Anerkennung und fachlichen Respekt für den Rechtsphilosophen haben sie damit freilich nicht abzuhalten vermocht.

Ein Produktivkraftwerk

Ja, auch Hermann Klenner hat vor 1945 »Deutschland, Deutschland über alles, / Über alles in der Welt« geschrien und ist als 18jähriger »für Führer, Volk und Vaterland« in den Krieg gezogen. Als er nach dem Ende des Verbrecherregimes zu begreifen begann, wozu er als Gefreiter einer Granatwerferkompanie und als zum »Führergeburtstag« rekrutiertes NSDAP-Mitglied beigetragen hatte, da zog er eine radikale Konsequenz: Anfang 1946 trat er der SPD bei, »wissend und wollend, dass bald deren Vereinigung mit der KPD erfolgen wird«; und er hat es deshalb über Jahrzehnte hinweg höchstpersönlich »als kleinen Wiedergutmachungsbeitrag«⁵ gesehen, auch und besonders über Denker jüdischer Herkunft zu publizieren (über Eduard Gans, Heinrich Heine, Ferdinand Lasalle, Karl Marx, Moses Mendelssohn, Heinrich Bernhard Oppenheim).

Hier ist nicht der Ort, um Klenners imposante Editionsarbeit klassischer Texte zu behandeln oder gar zu bewerten. Lässt man aber Revue passieren, was Klenner zwischen den 1970er und den 2000er Jahren auf diesem Gebiet geleistet hat, dann müssten verschiedene Institute unserer Universitäten ernsthaft überlegen, ob sie nicht infolge geringer Produktivität sich »abwickeln« lassen sollten. In chronologischer Reihenfolge sei auf die von Klenner herausgegebenen und jeweils mit Anhang versehenen Werke von Hobbes (1978/1996), Locke (1980), Hegel (1981), Humboldt (1985/1994), Win­stanley (1986), Milton (1987), Kant (1988), Spinoza (1988), Burke/Gentz (1991), Harrington (1991), Godwin (2004) und Bacon (2006) immerhin hingewiesen; und auch Klenners Herausgeberschaft, An- und Nachbemerkungen zu Kirchmann (1990), Paschukanis (1991), Jehring (1992), Rotteck/Welcker (1994), Baumgarten (2005) oder Oppenheim (2007) sollten nicht unerwähnt bleiben. Allein diese Werke zu besitzen – und sie natürlich auch nach-denkend zu lesen! – ist verlässliche Gewähr dafür, im Gestrüpp der seit dem 17. Jahrhundert in tausend Richtungen ausgefransten Rechtsphilosophie nicht die Orientierung zu verlieren. Zählt man dann noch Klenners Monographien hinzu, also etwa »Rechtsphilosophie in der Krise« (1976), »Marxismus und Menschenrechte« (1982), »Vom Recht der Natur zur Natur des Rechts« (1984), »Deutsche Rechtsphilosophie im 19. Jahrhundert« (1991), »Recht und Unrecht« (2004) oder jüngst »Kritik am Recht« (2016) und »Recht, Rechtsstaat und Gerechtigkeit« (2016), dann wird – auch wenn wir seine vielen hundert weiteren Aufsätze, Artikel, Glossen und Rezensionen beiseite lassen⁶ – deutlich, dass Hermann Klenner ein rechtswissenschaftliches Produktivkraftwerk sui generis ist.

Gesetzlichkeit

Klenner hat im Philosophiebetrieb der DDR einiges erduldet. Er hat bisweilen Abstriche von dem ihm innewohnenden Sprachwitz gemacht, er hat sich in Inhalt und Form mitunter von den dortigen mediokren Üblichkeiten einfangen lassen – aber in der Sache selbst hat er wenig Konzessionen gemacht. Das wird insbesondere deutlich anhand des Themas »Gesetzlichkeit«, also an einem neu­ralgischen Punkt der marxistischen Diskussion des Zusammenhangs von Recht und Macht: Im Jahr 1953 veröffentlichte der damals 27jährige Klenner ein dünnes Büchlein unter dem Titel »Formen und Bedeutung der Gesetzlichkeit als einer Methode in der Führung des Klassenkampfes«. Liest man heute dieses Papier gewordene Missverhältnis zwischen den bloß 49 Seiten Text und den dafür verausgabten 333 (!) Fußnoten, dann stellt sich ein Gefühl angespannter Ambivalenz ein: Einerseits wird hier völlig konform und lobdienerisch durchgehend Andrej Wyschinski für die beim Autor bewirkte Möglichkeit des Erkenntnisfortschritts gedankt, jenem Mann, der 1935 bis 1939 das Amt des Generalstaatsanwaltes der Sowjetunion innehatte und dessen Gerichtsreden während der Moskauer Schauprozesse in den Jahren 1936 bis 1938 in der jungen DDR als offizielles Schulungsmaterial verwendet wurden; andererseits finden wir hier einschlägig verarbeitet, was von Heine bis Zola, von Kleist bis Brecht, von Montesquieu bis Kant und von Fichte bis Humboldt zu beziehen war. All das führte Klenner vom damals vorgegebenen Ausgangspunkt, wonach »Gesetzlichkeit unmittelbare rechtliche Fixierung gesellschaftlicher Verhältnisse« bedeutet, weil doch die Rechtsnormen nichts anderes seien als »Werkzeug der Politik«⁷, zu der die Sache wiederum problematisierenden Schlussfolgerung: »Die Fragen der Gesetzlichkeit sind das Zentralproblem der Rechtspraxis und Rechtstheorie; da die wichtigsten Willensäußerungen des Staates aber in Gesetzen oder anderen Rechtsformen zum Ausdruck kommen und er selbst Garant der Gesetzlichkeit ist, ist die gesamte Staats- und Rechtswissenschaft von dieser Problematik tief berührt«.⁸ Was aber ist nun die »Gesetzlichkeit«? Ist es nur die Maxime, dass sich die Bürger an die von oben erlassenen Vorschriften zu halten hätten? Oder ist es das Postulat, dass der Staat, wenn er Gehorsam von seinen Bürgern fordere, seinen Willen derart in Gesetzesform zu bringen habe, dass die Bürger auch ihre Rechte gegenüber dem Staat geltend machen könnten?

Wir können diese Jugendschrift Klenners je nach Blickwinkel entweder als devote und absehbar auf Karriere im Wissenschaftsbetrieb angelegte Affirmationsübung lesen⁹, oder als jene vorsichtige Aussaat von Gedankengut, das infolge seiner Wurfbreite daraufhin angelegt war, auch Neues und durchaus anderes denkbar zu machen.

Die besseren Gründe sprechen aus heutiger Sicht dafür, letzteres anzunehmen: Beweis dafür ist ein Aufsatz von Klenner, den dieser im Jahr 1956 unter dem Titel »Gesetzgebung und Gesetzlichkeit« in der DDR-Zeitschrift Staat und Recht einreichte – und dessen Abdruck prompt verweigert wurde.¹⁰ »Ungesetzlich (= ohne Gesetz) verfährt ein Staat, wenn seine Organe sich an das geltende Recht nicht halten, aber auch dann, wenn er wichtige gesellschaftliche Verhältnisse ohne rechtliche Regelung lässt und den an den Verhältnissen Beteiligten den rechtlichen Schutz versagt, obschon die Rechtssicherheit ihn erfordert.«¹¹ Das klingt nun schon ganz anders als noch drei Jahre zuvor, zumal dann im einzelnen verschiedene Normativakte kritisiert werden und die Sache mit der Behauptung endet: »In unseren Reihen hatte sich ein falsches Verhältnis zu der gesetzgeberischen Tätigkeit unserer zentralen Staatsorgane gebildet. Das in der Bereitschaft zur Mithilfe bei der Lösung neuer Aufgaben sich zeigende Bekenntnis zu dem sozialistischen Aufbauwerk wurde durch eine kritiklose, ja pauschale Hinnahme des jeweils Erreichten ersetzt. Das aber heißt Passivität, denn der Verstand darf nicht nur auf dem Alten ruhen, das Neue ist ja sein Ziel. (…) So gesehen sind die Schwächen unserer Praxis zunächst und vor allem auf ein Versagen der marxistischen Staatstheorie zurückzuführen, die bis in die jüngste Vergangenheit Wesentliches ihrer Aufgabenstellung verkannte. (…) Apologie darf nicht als Theorie ausgegeben werden.«¹²

Das war nur als eine Kampfansage zu verstehen – und die Babelsberger Konferenz 1958, die in der Verdammung von Hermann Klenner mündete¹³, traf insofern durchaus »den Richtigen«¹⁴: Von Klenner wurde Gesetzlichkeit nämlich nicht im Sinne eines strikten Vollzugs der Gesetze, die von oben kamen, verstanden, sondern er verstand Gesetzlichkeit im Sinne einer Pflicht der Obrigkeit, ihre Politik in Gesetzesform zu bringen, wenn sie sie durchsetzen will. Klenner ging es um eine Frage der Rechtssicherheit, eine Frage der subjektiven Rechte. Die öffentliche Verdammung Klenners war in der Sache die Leugnung der subjektiven Rechte im öffentlichen Recht durch die DDR-Führung, d. h. die grundsätzliche Leugnung, dass die Bürger der DDR ihre Rechte auch gegen den Staat und seine Organe wahrnehmen dürften. Das durfte nicht sein – und Klenner schrieb dagegen immer wieder an und hat diese Position nie verlassen.

Was Klenner schon Mitte der 1950er Jahre inhaltlich von der Rechtstheorie forderte und dem DDR-Rechtsbetrieb vorwarf, war nichts anderes als das, was er erst gut 25 Jahre später in die folgenden Worte fasste: »Wenn (…) ausgerechnet die grundlegenden Rechtsbeziehungen in der Gesellschaft nicht durch eine wissenschaftliche Gesellschaftsanalyse zu erschließen sein sollen, wird die Rechtstheorie in ihren Grundfesten irrationalisiert, Glauben ersetzt Wissen, Bekenntnis verdrängt Erkenntnis, das manipulierte Gewissen schaltet den Verstand aus.«¹⁵ Klenner hatte gelernt, mit dem »Fuchsschwanz« zu kritisieren, nachdem ihm 1968 sein Vorschlag zu einem »Lehrbuch Rechtstheorie Sozialismus« so wie zehn Jahre zuvor nochmals mit der SED-Führung in Konflikt brachte: Klenners Vorschlag sei nichts anderes als der »Verzicht auf die sozialistische Staatsmacht«, hieß es nun. Klenner begann, um brennende Gegenwartsprobleme der DDR überhaupt diskutieren zu können, diese historisch und als rechtstheoretische Kritik an bürgerlichen Rechtstheorien zu verfremden. Und weil Klenner zufolge das Recht nicht nur ein Mittel der Macht, sondern ebenso immer auch Maß der Machtausübung zu sein habe, ist seine aus all den Konflikten, Streitigkeiten und Auseinandersetzungen gewonnene Grunderkenntnis über Jahrzehnte hinweg inhaltlich gleich geblieben: »Es gibt keine Vergesellschaftung der Produktionsmittel ohne eine Vergesellschaftung des Staates, keine sozialen Menschenrechte ohne politische, keine realen Rechte ohne formale!«¹⁶

Wie ein schriller Aufschrei liest es sich deshalb heute – freilich nur, wenn man zu lesen gewillt und fähig ist –, was Klenner auf dem IV. Philosophiekongress der DDR 1974 ins Auditorium rief: »Ungenügende Anstrengung bei der Aufdeckung und dadurch ermöglichten Ausnutzung objektiver Gesetze lässt sich nicht durch eine voreilige juristische Disziplinierung überbrücken.«¹⁷

Um Begründungen ringen

Von Thomas Hobbes gibt es in dem von Klenner herausgegebenen und mehrfach engagiert kommentierten Jahrtausendwerk, dem verrufenen »Leviathan«, die allenthalben beachtliche Mahnung: »In diesem Leben gibt es keine Handlung, die nicht der Beginn einer so langen Kette von Folgen ist, dass keine menschliche Voraussicht groß genug ist, um einem Menschen den Blick auf den Ausgang zu gewähren. Und in dieser Kette sind sowohl angenehme wie unangenehme Ereignisse auf solche Weise miteinander verbunden, dass jemand, der irgend etwas zu seinem Vergnügen tut, alle damit verbundene Unbill auf sich nehmen muss.«¹⁸ Heißt das umgekehrt auch, dass wer bewusst Unbill auf sich nimmt, mit zukünftigem Vergnügen rechnen darf? Wohl kaum.

Die in der kleinen Sentenz von Hobbes sich verbergende dialektisch-materialistische Einsicht in die Tatsache, dass nämlich oftmals ein »kolossales Missverhältnis besteht zwischen den vorgesteckten Zielen und den erreichten Resultaten, dass die unvorhergesehenen Wirkungen vorherrschen, dass die unkontrollierten Kräfte weit mächtiger sind als die planmäßig in Bewegung gesetzten«¹⁹, diese Einsicht wurde Hermann Klenner nicht in die Wiege gelegt, vielmehr wurde sie ihm fallweise und bis ins Existentielle hinein aufgenötigt. Indes zeigt uns der Nachvollzug seines produktiven Schaffens, vermittels welcher grundlegenden Maxime und dementsprechender intellektuellen Praxis er diese Erfahrung »aufzuheben« imstande war: Klenner machte es sich auf den Gebieten von Rechtsphilosophie und Rechtstheorie zum Leitsatz, »durch lange, oft harte Erfahrung und durch Zusammenstellung und Untersuchung des geschichtlichen Stoffes, uns über die mittelbaren, entfernteren gesellschaftlichen Wirkungen unserer produktiven Tätigkeit Klarheit zu verschaffen«.²⁰

Zu den »harten Erfahrungen« gehörten mitunter die mit jeder politischen und wissenschaftlichen Arbeit verbundenen Irrtümer, die zu machen sich nur scheuen würde, wer der prinzipiell unabschließbaren Wahrheitssuche und dem bestenfalls tentativ vorwärtshinkenden Prozess der Wahrheitsfindung durch Dogmatismus zu entfliehen sucht, weil er den Sinngehalt von Dogmatik nie verstanden hat: Hermann Klenner hingegen scheute sich zeitlebens nie, um den logischen und verifizierbaren Status von theoretisch-weltanschaulichen Begründungen zu ringen – das Risiko des Irrens inbegriffen! Dabei ist gerade Klenner immer bewusst geblieben: »Zur Wahrheit gehört nicht nur das Resultat, sondern auch der Weg«²¹ – und in der deutschsprachigen Rechtsphilosophie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat wohl kein anderer sich derart konsequent dieser Gewissheit verpflichtet wie er: »So wie ein Jurist ein guter Jurist nur dann sein kann, wenn er sein De-lege-lata-Denken einem De-lege-ferenda-Denken, seinen Wirklichkeitssinn mit einem Möglichkeitssinn zu paaren vermag, so gehört seine Kenntnis des Gewordenseins von Recht und Gesetz zu deren Verständnis-, Verwirklichungs- und Entwicklungsbedingungen.«²²

Dieses stete Ringen um weltanschauliche Positionen paart sich in Klenners Arbeiten mit unübertroffener rechtsphilosophischer Breite und Tiefe sowie mit kaum je erreichter stilistischer Brillanz (»Le style c’est l’homme!« sagte Marx). Dazu kommt die notorisch streitlustige und lebenslang geführte Für- und Widerrede betreffs der fast unübersehbar gewordenen verschiedenen religiösen, philosophischen, ideologischen und politisch-kulturellen Anschauungen und Strömungen innerhalb der Rechtswissenschaft; und deshalb hieß es über deren Status in der DDR abschließend, unmissverständlich und kritisch resümierend: »Dass eine marxistische Jurisprudenz jeglichem Provinzialismus abhold zu sein und sich dem auch ihre eigenen Erkenntnisse bereichernden Dialog mit den Anhängern anderer Weltanschauungen und Rechtsordnungen zu stellen hat, ist eine Binsenwahrheit, zumeist jedoch bisher mehr Theorie als Praxis.«²³

Vor allem aber realisierte sich dieses Ringen um die nachvollziehbare Begründung der eigenen Position bei Klenner stets mit einem fast schon an Manie grenzenden Wissensdurst und Lernhunger und einer schier unstillbaren Erfahrungs- und Lektürelust. Als Marxist wusste er jedoch zugleich, dass wenn Wissenschaft nicht zu bloß beschäftigungsreicher, aber dennoch wirkungsarmer Kunst sich zählen will, in Summe »dazu mehr gehört als die bloße Erkenntnis. Dazu gehört eine vollständige Umwälzung unsrer bisherigen Produktionsweise und mit ihr unsrer jetzigen gesamten gesellschaftlichen Ordnung.«²⁴

Nun, die Verhältnisse, sie sind nicht so. Mit einer derartigen »vollständigen Umwälzung« werden wir alsbald nicht rechnen dürfen. Das große Vergnügen wird noch auf sich warten lassen. Hermann Klenner indes würden wir das ihm zu wünschende Vergnügen auch schon im jetzt anbrechenden zwanzigsten Jahrfünft seines Lebens bereiten, wenn wir an dieser Einsicht produktiv festhielten. Ad multos annos!

Anmerkungen

1 Volkmar Schöneburg: Die Natur des Rechts. Hermann Klenner zum 75. Geburtstag. Utopie kreativ, H. 123 (Januar 2001), S. 17–32; Uwe-Jens Heuer: Hermann Klenner – ein moderner Enzyklopädist. Z.  Zeitschrift für Marxistische Erneuerung, Nr. 65, März 2006, S. 158–173; Joachim Hermann: Vorrede zu Ehren von Hermann Klenner. Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät 85 (2006), S. 5–11

2 Vgl. Hermann Klenner: Babelsdorf 1958. Der Staat, Nr. 31 (1992), S. 612–626; ders.: Vorwärts, doch nicht vergessen: Die Babelsberger Konferenz von 1958. Utopie kreativ, H. 174 (April 2005), S. 291–305. – Klenner verbrachte die Jahre 1958 bis 1960 als strafversetzter Bürgermeister in Letschin/Oderbruch, wo er Eindruck machte: »Seine politische, aber mehr noch seine menschliche Kompetenz habe die Dorfbewohner zunächst verblüfft, dann begeistert«, berichtet Heinrich Fink in »Muss Erkenntnisfortschritt erschlichen werden?«. Ossietzky 3/2012, abrufbar unter: www.ossietzky.net/3-2012&textfile=1750

3 Hermann Klenner: Umfrage unter Staats- und Rechtswissenschaftlern. Staat und Recht 1990, S. 9–13, S. 11

4 Wenn etwa Wolfgang Schuller in »Streitbar für die Diktatur«, FAZ vom 2. September 1996, unter Hinweis auf Klenners informelle Mitarbeit beim MfS gegen die unter anderem von Werner Maihofer herausgegebene Festschrift zum 70. Geburtstag Sturm lief, oder wenn Klaus Adomeit in »Rechtsphilosophie, Marxismus und Menschenrechte«, ZdF 5/1998 (S. 100–115), mit reichlich Schaum vor dem Mund Hermann Klenner verdammte, denn es sei der bürgerliche Zustand eben »nicht als Durchgangszustand« aufzufassen, sondern gefälligst als »glücklich erreichter Endzustand, weil wir uns keine andere Staatsordnung vorstellen können und wollen«.

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Hermann Klenner, geboren am 5. Januar 1926 in Erbach, Odenwald

5 Hermann Klenner: Einleitung, in: Gerhard Oberkofler: Arnold Reisberg – Jüdischer Revolutionär aus dem Königreich Galizien. Innsbruck/Wien 2020, S. 7–10, hier S. 7 f.

6 Eine Auswahl dieser Aufsätze liegt in den drei von Hans Heinz Holz initiierten Bänden »Das wohlverstandene Interesse« (1998), »Die Emanzipation des Bürgers« (2002) und »Die Geschichtlichkeit des Rechts« (2003) vor.

7 Hermann Klenner: Formen und Bedeutung der Gesetzlichkeit als einer Methode des Klassenkampfes. VEB Deutscher Zentralverlag, Berlin 1953, S. 51

8 Ebd., S. 54

9 Wofür es in nachfolgenden Jahren durchaus einschlägige Belege gibt; vgl. etwa Hermann Klenner: Gesetzgebung und Demokratie. Marxistische Blätter 2/1974, S. 22–25

10 Der Aufsatz wurde dann (unverändert bis auf einen erklärenden Vorspann) in Staat und Recht, 1990, S. 372–381, erstmals abgedruckt.

11 Ebd, S. 373

12 Ebd., S. 380 f.

13 Vgl. Fußnote 2

14 Klenner charakterisiert seinen Aufsatz »Zur ideologischen Natur des Rechts« (in: Staat und Recht im Lichte des Großen Oktober. Deutscher Zentralverlag, Berlin 1957, S. 82–101) als »Beginn einer Korrekturabweichung, einer Selbstkorrektur, einer Revision seiner eigenen Auffassungen« (so in: Protokoll der 39. Sitzung der Enquetekommission »Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland«, S. 83–87, S. 82 – abrufbar unter: enquete-online.de/recherche/detail/?show=wp12b4_0087).

15 Hermann Klenner: Grundsatzprobleme im Vorfeld einer Rechtsbildungstheorie, in: K. A. Mollnau (Hrsg.): Probleme einer Rechtsbildungstheorie. Akademie-Verlag, Berlin 1982, S. 20–30, S 24. – Das war zwar semantisch als Kritik an bürgerlichen rechtstheoretischen Konzepten formuliert, aber adressiert war es durchaus auch an den eigenen Betrieb!

16 So trefflich Volkmar Schöneburg: Unangepaßt – gestern wie heute. Neues Deutschland vom 5. Januar 1996

17 Hermann Klenner: Juristische Gesetzlichkeit und gesellschaftliche Gesetzlichkeit, in: Objektive Gesetzmäßigkeit und bewußtes Handeln in der sozialistischen Gesellschaft. Materialien des IV. Philosophie-Kongresses der DDR. Berlin, 12. und 13.12.1974. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1975, 238–242, S. 242

18 Thomas Hobbes: Leviathan (1651). Aus dem Englischen übertragen v. J. Schlösser. Mit einer Einführung und hrsg. v. H. Klenner, Hamburg 1996, S. 312. – Zu Recht hat ein distanzierter Beobachter wie Hasso Hofmann in »Zur sozialistischen Rechts- und Staatsphilosophie der DDR«, Rechtsgeschichte 19 (2011), S. 130–141, S. 140 f., diese Edition als »Höhepunkt von Klenners editorischer Tätigkeit« bezeichnet und unter Hinweis auf dessen Einleitung zum Werk gemeint: »Hier ist der von allen dogmatischen Zwängen und Verkrampfungen befreite aufklärerische Geist ganz bei sich.«

19 Friedrich Engels: Dialektik der Natur. MEGA 2 , Bd. I/26, S. 289–553, S. 312

20 Ebd., S. 552

21 Karl Marx: Bemerkungen über die neueste preußische Zensurinstruktion. MEGA 2, I/1, S. 97–118, S. 101

22 Hermann Klenner: Warum ausgerechnet keine Rechtsgeschichte?. Zeitschrift des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte 4 (2004), S. 57–60, S. 58 f.

23 Klenner: Umfrage, a. a. O., S. 12

24 Engels: Dialektik der Natur, a. a. O., S. 552

Alfred J. Noll schrieb an dieser Stelle zuletzt am 15. Mai 2020 über Thomas Hobbes’ Frühschrift »Elements of Law, Nature and Politic«.

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