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Aus: Ausgabe vom 05.01.2021, Seite 10 / Feuilleton
Rock

Eine erstaunliche Band

Zwischen den Tönen: Das neue Album von King Gizzard & The Lizard Wizard
Von Rouven Ahl
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Klingt wie nichts, was du schon gehört hast: King Gizzard & The Lizard Wizard

Um jemand anderem den Stil einer Band zu erläutern, bleibt meist keine andere Möglichkeit, als gewisse Kategorisierungen heranzuziehen. »Schubladendenken« wird das oft abwertend genannt. Beliebt ist auch der Vergleich (»klingt wie«) mit anderen Bands.

Es gibt allerdings Gruppen, bei denen Versuche der Kategorisierung grandios fehlschlagen, weil sie partout in keine Schublade passen wollen. Klingt wie nichts, was du schon gehört hast – diese Art der Beschreibung des mehr oder weniger Nichtbeschreibbaren passt ziemlich gut zu King Gizzard & The Lizard Wizard. Die Musik der Australier hört sich in etwa so an, wie der Name es vermuten lässt: schräg, abgedreht.

»K. G.«, was, richtig geraten, für King Gizzard steht, ist das mittlerweile 16. Studioalbum in der zehnjährigen Bandgeschichte. Allein 2017 hat die Gruppe um Mastermind Stu Mackenzie fünf Alben veröffentlicht. Ein schwaches Album haben sie überhaupt noch nie rausgebracht. Sogar als King Gizzard 2019 die gewohnten Pfade verließen, um mit »Infest the Rats’ Nest« eine Platte voller astreiner Trash-Metal-Songs rauszubringen, klangen sie, als hätten sie nie was anderes gemacht. Erstaunlich.

»K. G.« nun ist ein Mix aus Psychedelic Rock, Prog und Folk, sozusagen die Quintessenz ihres Sounds. Außerdem experimentieren sie mit mikrotonaler Musik. »Die Tonsprünge westlicher Instrumente sind starr, in anderen Kulturen sind sie häufig flexibel. Es geht um die Töne, die zwischen den ›regulären‹ Tönen existieren. Um mikrotonale Effekte zu erreichen, haben wir unsere Gitarren umgebaut und am Griffbrett neue Bünde eingezogen«, so Mackenzie in einem Podcast des österreichischen Radiosenders FM 4.

Auf Textebene gibt es Überschneidungen zum Vorgänger, denn bereits auf »Infest the Rats’ Nest« wurde der Raubbau an der Erde kritisiert. Auch auf »K. G.« herrscht eine gewisse Endzeitstimmung. »Straws in the wind / Is it all ending? / Like a blunder brewing full to the brim / I can see the Beelzebub Cheshire grin«, heißt es in »Straws in the wind«, einem der besten Songs des Albums.

Obwohl King Gizzard echte Tonspurenweltmeister sind – es ist schier unglaublich, was es in den Songs an Kleinigkeiten zu entdecken gibt –, schaffen sie es dennoch, ihre Musik nicht komplett ausufern zu lassen, alles bleibt nachvollziehbar. Wie gesagt, eine erstaunliche Band.

King Gizzard & The Lizard Wizard: »K. G.« (Flightless)

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