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Aus: Ausgabe vom 21.12.2020, Seite 16 / Sport
Langlauf

Die Sache mit der Hygiene

Beim Langlaufweltcup in Dresden ließen sich die Besten nicht blicken
Von Gabriel Kuhn
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Leider ohne Läufer aus Schweden, Finnland und Norwegen: Viertelfinale der Herren

Die Idee, Weltcuplanglaufrennen mit Hilfe herangekarrten Schnees in Großstädten durchzuführen, ist 20 Jahre alt. Damals lief die Weltelite erstmals in der Stockholmer Altstadt rund um das königliche Schloss. Weil Werbepartner hochtrabende Namen lieben, wurde das Spektakel »Royal Palace Sprint« genannt.

2002 zog Düsseldorf nach: Langlaufweltcup entlang der Rheinuferpromenade. Wenn Biathlon auf Schalke geht, warum nicht das? 2018 dann Premiere in Dresden: Dort folgt der »City-Sprint« dem Elbufer. Auch in Dresden standen am 19. und 20. Dezember wieder Weltcupwettbewerbe im Einzel- und Teamsprint auf dem Programm. Nur von der Weltelite war diesmal wenig zu sehen. Wie das?

Anfang Dezember ging alles sehr schnell: Nachdem am 30. November die norwegischen Topläufer Johannes Høsflot Klæbo und Emil Iversen bekanntgaben, die Dezemberrennen im Weltcup auszulassen, zog am folgenden Tag das gesamte norwegische Team nach. Am Tag darauf verkündeten dann auch die Skiverbände Schwedens und Finnlands, keine Athleten für diese Rennen zu nominieren. Damit stand der Weltcup plötzlich ohne jene Länder da, die bei der Nordischen Ski-WM 2019 zwölf von zwölf Goldmedaillen holten.

Die Norweger gingen noch einen Schritt weiter. Auch bei der Tour de Ski Anfang Januar, dem prestigereichsten Weltcupevent, würde kein norwegischer Athlet am Start sein. Aus Schweden und Finnland kam Mitte Dezember Entwarnung: Man würde Athleten zur Tour de Ski schicken – vorausgesetzt, das Hygienekonzept der FIS stimme!

Das ist ein heikler Punkt. Das Hygienekonzept ist nämlich der Grund für das gegenwärtige Schlamassel. Als Ende November alle Langlaufnationen zum Weltcupauftakt im finnischen Ruka zusammenkamen, sei die Umsetzung des Hygienekonzepts »von Zufall geprägt« gewesen, meinte der norwegische Cheftrainer Espen Bjervig. Auch für Maarit Valtonen, Chefmedizinerin des Finnischen Olympischen Komitees, hatte die »Blase« nicht funktioniert: »Wir mussten feststellen, dass sich die Vorsichtsmaßnahmen von Person zu Person sehr unterschieden«, erklärte sie in einer Pressemitteilung.

Die skandinavischen Betreuer betonen die Risiken für Ausdauersportler. »Das Werkzeug unserer Athleten sind die Lungen, und wir wissen immer noch nicht, was die Langzeitfolgen von Covid-19 sind«, stellte Bjervig nach den Wettbewerben in Ruka fest. Der schwedische Teamarzt Per Andersson schlug in die gleiche Kerbe: »Ich kenne Leistungssportler, die an Covid-19 erkrankten und seit einem halben Jahr nicht trainieren können.« Das Saisonziel, so die Betreuer, sei die Nordische Ski-WM, die vom 23. Februar bis zum 7. März in Oberstdorf stattfindet. Diesem Ziel müsse alles untergeordnet werden.

Die Entscheidungen der skandinavischen Verbände brachten andere Langlaufnationen in die Bredouille. Den Regeln des Internationalen Skiverbandes FIS zufolge können Weltcupwettbewerbe abgesagt werden, sobald nicht mindestens sieben der zehn Topnationen teilnehmen. Nach den Absagen des skandinavischen Trios hätte damit eine weitere genügt, um die Wettbewerbe in Dresden ernsthaft in Gefahr zu bringen. Dies führte bei der FIS, die mit den Einnahmen aus den Fernsehrechten plant, zu großer Unruhe. Der Chef der FIS-Marketingabteilung Jürg Capol zeigte sich in einer Videostellungnahme merklich angefressen. »Seltsam« seien die Entscheidungen der Skandinavier, zumal sie Ende Oktober dem Hygienekonzept der FIS noch zugestimmt hätten.

Ganz konsequent wirken die Entscheidungen tatsächlich nicht. Zwar sind Verweise auf den Biathlonweltcup, wo skandinavische Athleten an den Start gehen, verfehlt. Die Internationale Biathlonunion ist von der FIS unabhängig und hat ihr eigenes Hygienekonzept. Warum jedoch die Nordischen Kombinierer an den Start gehen dürfen, bleibt unklar. Auch wer zunächst von der Schanze springt, braucht beim Langlauf seine Lungen.

Einer, der anscheinend immer schon wusste, dass das Hygienekonzept der FIS nicht aufgehen wird, ist Peter Schlickenrieder, der Bundestrainer der deutschen Langläufer. Das zumindest behauptete er gegenüber der dpa nach den Entscheidungen der skandinavischen Verbände. Allerdings, so der Bayer, sei es ihm »wurscht«, wer bei Weltcuprennen an den Start ginge und wer nicht.

Für die deutschen Athleten in Dresden machte es keinen großen Unterschied. Spitzenplätze sprangen trotz der Abwesenheit der skandinavischen Spitzenläufer nicht heraus. Im Herrensprint belegte der Routinier Sebastian Eisenlauer vom SC Sonthofen Rang 29. Als Erster ging der Sprintweltmeister von 2017, der Italiener Federico Pellegrino, durchs Ziel. Bei den Damen wurde die 23jährige Coletta Rydzek vom SC Oberstdorf Zehnte. Die Gunst der Stunde nutzte die Schweizerin Nadine Fähndrich, die ihren ersten Weltcupsieg feierte. Im Teamwettbewerb erreichte das Duo Thomas Bing und Sebastian Eisenlauer bei den Herren den siebten Platz. Laura Gimmler und Sofie Krehl belegten bei den Damen Rang sieben.

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