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Aus: Ausgabe vom 18.12.2020, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Eine Märchenstunde

Von René Lau
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Es brennt: Weihnachtliche Stimmung im Erfurter Fanblock (14.12.2015)

Bekanntlich führt die Polizei über Fußballfans nicht nur eine überregionale Datei, die sich irreführend »Datei Gewalttäter Sport« nennt, sondern auch lokale Dateien. Dies sind die sogenannten SKB-Dateien, wobei SKB für szenekundige Beamte steht. In Berlin wurde der Name der Datei mehrfach geändert, aktuell heißt sie »Szenekunde Sport« und wird vom Fachbereich des LKA 645 geführt. Auch diese Datei wurde jahrelang verheimlicht und kam, wie in vielen anderen Bundesländern, nur über Anfragen von Abgeordneten im Landesparlament ans Licht. Hier in der Hauptstadt ist es üblich, dass im Abgeordnetenhaus regelmäßig Anfragen an den Innensenator zum Stand der eingestellten Daten gestellt werden. So auch vor einigen Tagen wieder.

Der gemeine Fan weiß, dass die dort veröffentlichten Daten keine Transparenz besitzen, weil niemand seitens der Polizei je erklärt hat, wie die Zahlen zustande kommen, so dass das Ganze von vielen als Märchenstunde bezeichnet wird.

Nun haben zwar in der Weihnachtszeit Märchen Hochkonjunktur, aber auf die neueste Auskunft hätte jeder Fan gerne verzichtet. Man fragt sich, ob man sich vor Lachen auf die Schenkel klopfen oder doch lieber ungläubig den Kopf schütteln soll. Denn diesmal hat die Berliner Polizei nicht nur wie immer völlig intransparente Zahlen von angeblichen Gewalttätern mitgeteilt, sondern sogar noch die einzelnen Rabauken jeweiligen Fangruppen zahlenmäßig zugeordnet. Stets behaupten die Berliner Zivilbeamten auch bei Gerichtsterminen, sie wüssten nicht, wer Mitglied einer Gruppe sei, da ihnen ja keine Mitgliederlisten bekannt seien. Jetzt aber wissen sie auf einmal ganz genau, nicht nur wer Mitglied welcher Gruppe, sondern außerdem noch, ob und wie gewalttätig derjenige sein soll. Dazu kommt die grandiose Erkenntnis, dass in Zeiten von Geisterspielen ohne Fans die Gesamtzahl brandschatzender Fans gestiegen sein soll. »Ja, is klar«, mag man denken.

Vielleicht wäre es mal ein guter Schritt, wenn die Polizei transparent erklären würde, woher sie solche Erkenntnisse hat, sie sich außerdem an gesetzliche Löschfristen halten und Betroffene mit einem Bescheid über die Eintragung informieren würde. Rechtsstaat nennt man so was.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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