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Aus: Ausgabe vom 14.12.2020, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Korruption

Millionenschwere Abbitte

McKinsey zahlt Beratergebühren für Großaufträge in Südafrika zurück
Von Christian Selz, Kapstadt
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McKinsey-Chef Kevin Sneader ließ Geld erst »freiwillig« zurückzahlen, als dem Unternehmen Betrug nachgewiesen wurde

Die Erinnerung an Moral und Rechtschaffenheit scheint bei McKinsey scheibchenweise zu kommen, wenn man den Verlautbarungen des globalen Beraterkonzerns Glauben schenkt. Etwa 650 Millionen Rand (35 Millionen Euro), so kündigte das US-Unternehmen am Mittwoch an, wolle es an die beiden südafrikanischen Staatskonzerne Transnet und SAA zurückzahlen. Bekommen hatte McKinsey das Geld durch Aufträge während der Amtszeit von Expräsident Jacob Zuma, dessen »Freunde« (O-Ton Zuma) kräftig mitverdienten. Als Schuldeingeständnis will die Beratungsfirma ihre jetzige Rückzahlungsbereitschaft allerdings keinesfalls verstanden wissen, vielmehr solle das Geld der begleitenden Pressemitteilung zufolge »im Einklang mit unserem Entschluss, zu tun, was richtig ist«, retour fließen.

2017 hatte McKinsey bereits einmal erklärt, eine Milliarde Rand (damals etwa 63 Millionen Euro) an den südafrikanischen Strommonopolisten Eskom zurückzuzahlen. Im darauffolgenden Jahr hatte McKinsey-Chef Kevin Sneader sich dann »persönlich und im Namen von McKinsey & Company für die Tatsache« entschuldigt, »dass wir irgend etwas mit irgendwelchen Dingen rund um die Unterwanderung des Staats zu tun hatten«. Sneaders »Very sorry«-Erklärung hatte jedoch zunächst keine finanziellen Konsequenzen, auch wenn das südafrikanische Recherchenetzwerk Amabhungane ebenfalls noch in 2018 offenlegte, dass bei den Beraterverträgen mit Transnet und SAA wesentliche Teile der Auftragssumme über Briefkastenfirmen an die mit dem damaligen Staatschef Zuma eng verbundene Unternehmerfamilie Gupta geflossen waren. Die Bereitschaft zur – laut McKinsey »freiwilligen« – Rückzahlung des Geldes entstand erst, als eine Untersuchungskommission des südafrikanischen Staats dem Konzern entsprechende Beweise vorlegte.

Am Freitag sagten dann schließlich auch drei hochrangige McKinsey-Manager per Videokonferenz vor dieser Kommission aus, beharrten allerdings darauf, von den mutmaßlichen Korruptionszahlungen der südafrikanischen Partnerfirma seinerzeit nichts gewusst zu haben. Auf die Frage des Beweisführers der Kommission, warum ein im September 2016 geschlossener Vertrag auf den Januar desselben Jahres zurückdatiert wurde, erklärte der zuständige McKinsey-Manager lediglich, dass die Verhandlungen seinerzeit langwierig gewesen wären und Leistungen bereits vor Ausfertigung des schriftlichen Auftrags erfüllt worden seien. In seiner Pressemitteilung wies McKinsey zudem darauf hin, dass gegen keine aktuellen Mitarbeiter des Konzerns Korruptionsvorwürfe erhoben würden.

»Zu tun, was richtig ist«, bedeutet für den Beraterkonzern offensichtlich eine zweigleisige Strategie aus Abstreiten und Zurückzahlen, um aus der Schusslinie zu kommen. Dahinter stehen Geschäftsinteressen, denn seit Bekanntwerden der Vorwürfe hat McKinsey in Südafrika wichtige Großkunden verloren. Die Abbitte könnte allerdings noch teurer werden als »freiwillig« geplant. Am Freitag jedenfalls verkündete der staatliche Logistikkonzern Transnet, dass allein er 1,2 Milliarden Rand (65 Millionen Euro) von McKinsey zurückfordert. Der an die hochverschuldete staatliche Fluggesellschaft SAA zurückzuzahlende Betrag ist in der Summe noch nicht enthalten.

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