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Aus: Ausgabe vom 08.12.2020, Seite 16 / Sport
Fußball

Aufstieg der Stahlstädter

»Was wir an dem Verein haben«: Der linke Fußballklub Degerfors IF kehrt in die erste schwedische Liga zurück
Von Gabriel Kuhn, Stockholm
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Szenenbild eines Aufsteigers: Degerfors IF ist erstklassig (Gothenburg, 5.12.20)

Während sich die meisten Fußballprofiligen Europas erst der Halbzeit nähern, stand in den schwedischen am vergangenen Wochenende der Saisonabschluss auf dem Programm. Hier folgt man dem Kalenderjahr. In der ersten Liga, der »Allsvenskan«, stand Malmö FF schon seit Wochen als Meister fest. Das Interesse konzentrierte sich auf den Aufstiegskampf in der zweiten Liga, der »Superettan«. Dort sorgte Degerfors IF für Drama.

Degerfors ist eine 7.000 Einwohner zählende Stahlstadt. Sie liegt im Värmland, einer der strukturschwächsten Regionen des Landes. Der 1907 gegründete Fußballverein, zweimal schwedischer Vizemeister und einmal Pokalsieger, ist der Stolz der Gemeinde, die als »röteste« Schwedens gilt. Die aus der ehemaligen Kommunistischen Partei hervorgegangene Linkspartei hat seit Jahrzehnten die Mehrheit. Zum Fußballverein pflegt sie enge Beziehungen.

Vor 23 Jahren stieg Degerfors IF aus der Allsvenskan ab. Viele meinten in den Jahren danach, das Ende des Vereins sei nahe. Tradition alleine reiche nicht, um im modernen Fußballgeschäft bestehen zu können. Das museumstaugliche Stadion, die familiäre Vereinsstruktur, die Spieler aus dem eigenen Nachwuchs – all das schien sympathisch, aber hoffnungslos veraltet.

Doch in Degerfors ließ man sich nicht beirren. Im Jahr 2019 spülte ein neuer TV-Vertrag viel Geld in die Kassen der schwedischen Profiklubs. Während dieses vielerorts in die »Professionalisierung« der Infrastruktur gesteckt wurde, investierte man in Degerfors ausschließlich ins Sportliche.

Am siebten Spieltag der Saison 2020 übernahm man die Tabellenführung. Vier Runden vor Schluss fehlten zwei Minuten zum sicheren Aufstieg. Jönköpings Södra, als Tabellendritter auf dem Relegationsplatz, hielt sich nur durch einen in der 88. Minute verwandelten Elfmeter im Rennen. Degerfors’ Vorsprung betrug nun acht Punkte. Dann verlor man erstmals in der Saison zwei Spiele hintereinander. Halmstads BK zog vorbei und Jönköpings Södra kam bis auf zwei Punkte heran.

Am letzten Spieltag lief Degerfors beim abgeschlagenen Schlusslicht Ljungskile SK auf. Ljungskile hatte am Wochenende zuvor gezeigt, dass man trotz des sicheren Abstiegs keine Spiele herschenkte. Durch einen 1:0-Sieg bei Östers IF hatten sie deren letzte Chance auf die Relegation zunichte gemacht. Die Ausgangslage für Degerfors: Ein Unentschieden würde reichen, solange Jönköpings Södra bei Akropolis IF nicht mit 14 Toren Unterschied gewinnt.

Jönköping ging nach sechs Minuten in Führung. Für Degerfors verhinderte der Pfosten einen frühen Rückstand. Kurz vor der Pause wühlte sich Torjäger Johan Bertilsson in Ljungskiles Strafraum durch und erzielte das befreiende 1:0. Unmittelbar nach der Pause traf Mittelfeldmotor Sebastian Ohlsson per Weitschuss zum 2:0. In der 85. Minute machte der wieselflinke Victor Edvardsen den Sack zu, als er einen Konter zum 3:0 abschloss. Jönköping kam bei Akropolis nur zu einem 1:1. Degerfors’ Rückkehr in die Allsvenskan stand fest.

Massenaufläufe verbieten sich in Coronazeiten, doch in Degerfors war Feiern angesagt. Die Stadt lebt mit ihrem Verein. In der Allsvenskan erwartet man bei Heimspielen die Hälfte der Einwohner im Stadion. Vom modernen Fußball vereinnahmen lassen werde man sich nicht, meint Klubchefin Suzanne Hällström, eine der wenigen Frauen in leitenden Positionen schwedischer Profiklubs. Joakim Karlsson, Mitgründer der nach den Vereinsfarben benannten Ultras Rossobianco bläst ins gleiche Horn: »Alle hier wissen, was wir an dem Verein haben. Die Leute kommen nicht ins Stadion, um einen ehemaligen Starspieler zu sehen, sondern den Sohn der Nachbarin.«

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