Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Gegründet 1947 Freitag, 22. Januar 2021, Nr. 18
Die junge Welt wird von 2464 GenossInnen herausgegeben
Die junge Welt drei Wochen gratis testen Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Die junge Welt drei Wochen gratis testen
Aus: Ausgabe vom 05.12.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto Leserbriefe.png

Wie Fische im Wasser

Zu jW vom 3.12.: »Braune Waffentester«

Man muss dabei immer bedenken: Die Leute wurden ja nicht erst gestern eingestellt – ähnlich wie bei den aufgeflogenen Faschisten im Polizeidienst. Diese Leute gab und gibt es im Militär, samt zivilem Anhang, und in den Sicherheitskräften schon seit jeher. Und sie scheinen sich darin wie Fische im Wasser zu bewegen. Es kann ja wohl niemand ernsthaft behaupten, dass ein Polizist, der zu Hause im Keller einen Raum voller Nazidevotionalien samt Hitler-Porträts hat (wie es bei einem Polizisten aus Hessen der Fall war), jahrelang im Polizeidienst nicht auch mal im beruflichen Umfeld Äußerungen tätigt, die auf seine Gesinnung schließen lassen. Wahrscheinlicher ist es da, dass sich kaum ein Kollege an so was störte. Und von selbigem muss man in diesem Fall ausgehen. Man darf bezweifeln, dass gründlich dagegen vorgegangen wird, ist der MAD doch selbst Teil des Problems, auch wenn jetzt, durch den öffentlichen Druck, mal ein paar Finger mehr gerührt und ein paar ihrer »Kameraden« öffentlichkeitswirksam geopfert werden.

Ralf Schuster, Onlinekommentar

Bachs Größe verpflichtet

Zu jW vom 30.11.: »›Ich kann’s, also hört zu!‹«

Die vorbildliche Pflege von Chormusik und Bachs Œuvre in der DDR, als sich in der Ära der Brüder Mauersberger der Weltrang von Kreuzchor und Thomanern konsolidierte, trägt immer noch reiche Früchte. In dieser Kontinuität steht Hans-Christoph Rademann, der sich ebenfalls Bachs Größe verpflichtet fühlt (…). An seinen zahlreichen Wirkungsstätten, nicht nur in Stuttgart und Berlin, leistet er mit heiligem Ernst vielgerühmte Beiträge für die Sakralmusik. Auch in seiner aktuellen Einspielung der »Johannespassion« bewahrt er, wie Stefan Siegert in seiner Rezension anmerkt, in seinem spirituellen Zugang zu Bach virtuos und einfühlsam die Balance zwischen vergeistigter Ausdeutung und zu Herzen gehender Ausführung von Bachs Ausdruckswillen, der sich somit zur zeitlos-allgemeingültigen Kunst verwirklicht. (…) Delectare et prodesse (»nützen und erfreuen«, jW) – dieses künstlerische Ideal und das hohe Niveau, das Siegert zu Recht den Bach-Interpretationen von Kantor Rademann zubilligt, gilt regelmäßig auch für die mannigfaltigen Konzertkritiken und musikwissenschaftlichen Beiträge in der jW! Weiter so!

Thomas Molzahn, Köln

Mit dem Lineal gezogene Uferlinien

Zu jW vom 2.12.: »Wo er sich wohlfühlt«

Ganz so einfach ist es nicht, dass die Natur noch dort intakt sei, wo sich der Fischotter nach Meinung der Deutschen Wildtierstiftung wohlfühlen soll. (…) Dass nicht nur die Lebensräume des Fischotters gefährdet sind, steht außer Frage (…). Sein Bestand hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sukzessiv erholt, vor allem im Osten Deutschlands, und das allein ist erfreulich. Die wahrscheinlich größeren Vorkommen im Osten haben vielleicht damit zu tun, dass Ufer und flussbegleitende Strukturen nicht flächendeckend der Landnutzung geopfert wurden, aber das ist eine Vermutung. Die Meliorationsbetriebe in der DDR waren keine Wohltätigkeitsvereine zum Schutz der Natur, sondern hatten den Auftrag, landwirtschaftliche Flächen und Grenzertragsböden so herzurichten, dass primär der industriemäßigen Pflanzenproduktion möglichst wenige Hindernisse im Weg standen.

Biber und Fischotter (…) hatten sich (…) in nahezu allen geeigneten Fließgewässern und Seen ausgebreitet. (…) Beide Arten wurden aufgrund der unerbittlichen Jagd über Jahrhunderte fast ausgerottet. Der Biber wegen des Pelzes und seiner Bautätigkeit, die der Auffassung preußischer Gewässerunterhaltung meist diametral entgegenstand, der Wassermarder als Konkurrent um Nutzfische (…). Fast zu spät wurden beide Arten geschützt. Dem Biber wurde in der DDR mit aufwendiger wissenschaftlicher Begleitung und Ausweisung von Schutzgebieten (…) geholfen. Seit Ende des 20./Beginn des 21. Jahrhunderts sind vom Biber alle geeigneten Lebensräume – ausgehend vom Rückzugsraum an mittlerer Elbe, Saale und Havel – wieder besetzt, und inzwischen nehmen Konflikte wegen der Landnutzung (Landwirtschaft, Infrastruktur) zu. Im Gegensatz zum Fischotter hat den Biber die Verschmutzung der Oberflächengewässer im Industriedreieck Halle–Bitterfeld–Wolfen eher weniger belastet: Als strikter Vegetarier brauchte er keine Fische und lebte vom Pflanzenwuchs. Der Fischotter benötigte Jahrzehnte, um sich von der Zehntung seines Bestandes durch Jagd und Abwassereinleitung (…) zu erholen. (…). Irreparabel jedoch sind die Veränderungen in den Flussauen, entlang der Gewässerufer und im Fluss selbst geblieben. Die Sedimente sind mit Phenol belastet, wie mit dem Lineal gezogene Uferlinien säumen baumlos die degradierten Gewässer. Einer dringenden Verbesserung (…) steht gegenwärtig der Nutzungsdruck der angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen im Wege (…). Von einer intakten Natur sollte besser schweigen, wer von der vormals und gegenwärtig stattfindenden Umweltzerstörung nicht reden will. Ob sich der Fischotter in dieser devastierten und strukturarmen Landschaft mit Fluss wohlfühlt, kann uns vielleicht Dr. Doolittle mitteilen (…). Vielleicht sagt uns der Wassermarder etwas ganz anderes.

Michael Unruh, Großosida

Solidarische Vernunft

Zu jW vom 26.11.: »Beratungen über Coronaregeln«

Verbot oder Empfehlung – darauf kommt es schließlich nicht an: Je zurückhaltender wir Weihnachten und Silvester verbringen, desto eher und länger können wir alle miteinander im neuen Jahr die »Sau rauslassen«, gesichertere und längerfristige Perspektiven entwickeln. Solidarische Vernunft muss das ausschlaggebende Impfmittel der Stunde sein. Und selbstverständlich war, ist und bleibt das Recht auf eine dem Menschen größtmögliche Freiheit, welches wir derzeit gefährdet sehen, immer an die gemeinsame Einsicht einer demokratischen Gesellschaft in das Notwendige gebunden (ganz gleich, ob diese grundsätzliche Erkenntnisformel der aufgeklärten Weitsicht nun von Hegel, Engels oder Meier-Müller-Schulze stammt).

Matthias Bartsch, Lichtenau

Solidarische Vernunft muss das ausschlaggebende Impfmittel der Stunde sein.

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung.

Kann ja jeder behaupten, der oder die Beste zu sein! Deshalb wollen wir Sie einladen zu testen, wie gut wir sind: Drei Wochen lang (im europ. Ausland zwei Wochen) liefern wir Ihnen die Tageszeitung junge Welt montags bis samstags in Ihren Briefkasten – gratis und völlig unverbindlich! Sie müssen das Probeabo nicht abbestellen, denn es endet nach dieser Zeit automatisch.