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Aus: Ausgabe vom 03.12.2020, Seite 15 / Medien
»Sparen« ohne Sinn

Funke verrechnet sich in Erfurt

Beschäftigte wollen Schließung des dortigen Druckzentrums nicht hinnehmen
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Taugt nicht mehr, meint die Funke-Gruppe: Verlagsdruckerei in Erfurt-Bindersleben

Die Funke-Druckerei in Erfurt soll Ende 2021 schließen. Das hatte die westdeutsche Mediengruppe (u. a. WAZ, NRZ) bereits im September lapidar angekündigt. 270 Beschäftigte sollen ihren Arbeitsplatz verlieren. Doch inzwischen wächst offenbar der Widerstand. Das berichtete neben anderen vergangene Woche der Mitteldeutsche Rundfunk auf mdr.de. Belegschaft und Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) forderten deshalb Gespräche mit der Verlagsspitze aus Essen. in dem Beitrag wurde Verdi-Funktionäre Jan Schulze-Husmann zitiert: Es reiche nicht, dass die Geschäftsführung von Funke-Medien Thüringen auf »strategische Entscheidungen« der Verlagsgesellschafter verweise. »Sie sollen nach Erfurt kommen und den Mitarbeitern, die ihre Jobs verlieren, ins Gesicht schauen und das begründen.«

Auch der Betriebsrat will das Vorgehen der Funke-Gruppenchefs nicht einfach hinnehmen, zumal es sich um eine Standortverlagerung von Ost nach West handelt. Es sei enttäuschend, dass der Verlag bislang keine konkrete Strategie für Thüringen vorgelegt habe, monierte mdr.de zufolge Betriebsrat Dustin Hertel. Auf einer Mitarbeiterversammlung hätten die Kollegen erbost und mit Unverständnis reagiert. Die Mitarbeiter des Druckzentrums in Erfurt-Bindersleben fühlten sich abgehängt, weil Funke statt in ihren Standort in die ebenfalls verlagseigene Druckerei in Braunschweig investieren wolle. Das sei nicht zu verstehen, vor allem, weil es sich nicht mal wirtschaftlich rechne.

Laut Verdi wird dieser Vorwurf durch ein Gutachten auf Basis von Verlagszahlen untermauert, das die geplante Schließung in Erfurt einer Verkleinerung und Modernisierung des Standortes gegenüberstellt. In beiden Fällen stünden demnach Investitionen und einmalige Kosten von mehr als 18 Millionen Euro an. Die Druckerei in Braunschweig müsste für die Thüringer Zeitungsausgaben aufgerüstet werden. Wenn ausschließlich außerhalb Thüringens gedruckt wird, steigen den Berechnungen zufolge zudem die Vertriebskosten jährlich um schätzungsweise mehr als vier Millionen Euro.

Außerdem würden höhere Auflageneinbußen bei Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung aufgrund sinkender Aktualität erwartet. Dies wird damit begründet, dass der Redaktionsschluss vorverlegt werden müsste, wenn außerhalb Thüringens gedruckt wird. Eine Funke-Unternehmenssprecherin hatte das Vorgehen damit gerechtfertigt, dass eine Erneuerung der 30 Jahre alten Druckmaschinen aufgrund der sinkenden Druckauflagen nicht zu rechtfertigen sei. (jW)

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