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Aus: Ausgabe vom 30.11.2020, Seite 10 / Feuilleton
Reden ist Silber

#DiaperDon

Von Gerhard Henschel
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Eingangs eine Quizfrage: Welches Buch hasst Donald Trump am meisten?

Seit ihm das US-amerikanische Großkapital in Gestalt von Stephen A. Schwarzman, CEO der Investmentgesellschaft The Blackstone Group Inc., mitgeteilt hat, dass er zwar noch dummes Zeug tweeten könne, aber den Weg zur Amtsübergabe freimachen müsse, hat der Loser Trump uns abermals viel Freude bereitet. Volle achtzehn Stunden Bedenkzeit brauchte er zwischen zwei Tweets, um eine faule Ausrede für sein Einlenken auszubrüten. Am Ende verfiel er darauf, das Rückzugsmanöver als ritterliche Tat zugunsten von Emily Murphy auszugeben, die sich als Chefin der US-Bundesverwaltungsbehörde GSA bis dahin geweigert hatte, ihres Amtes zu walten und die »Transition« einzuleiten.

Auf Twitter warf er dann wieder so verschwenderisch mit Großbuchstaben und Ausrufezeichen um sich, wie es seit jeher nur Tölpel und Verlierer zu tun pflegen: »RIGGED ELECTION!!!«, »I WON!!!«, »I CONCEDE NO­THING!!!!!« Unterstützt wurde er in seinen Bemühungen um die größtmögliche Blamage von der Anwältin Sidney Powell, die uns die Enthüllung eines »Kraken« oder sogar eines »KRAKEN« versprochen hat, zu dessen Tentakeln u. a. Teile der CIA, kubanische und chinesische Einflussagenten und nicht zuletzt der 2013 verstorbene venezolanische Staatspräsident Hugo Chávez gehören sollen. Wegen ihrer allzugroßen Schusseligkeit wurde Mrs. Powell dann zwar vorübergehend aus dem Verkehr gezogen, aber auf Twitter hat Trump sich inzwischen wieder mit ihr verbündet, und während die von ihm angestrengten Gerichtsverfahren aus Mangel an Beweisen krachend scheitern, greint und schluchzt und jault und wimmert er unablässig weiter. Für Feinschmecker der Schadenfreude bilden seine Schmerzensschreie das Äquivalent zu gedünsteten Nachtigallenzungen mit Mandelblütenhonig: allerfeinste Delikatessen.

Mittlerweile befürchten die Republikaner, dass Trumps Gejammer über die systematischen Wahlfälschungen ihnen im Januar bei den Senatswahlen in Georgia schaden werde. Denn wer mag noch wählen gehen, wenn sowieso alles nur Lug und Trug ist? Auch in diesem Fall erweist Trump sich als König Midas der Umgekehrte, der alles, was er berührt, in Scheiße verwandelt. Zu seiner Verzweiflung hat er mit seinem ausladenden Hinterteil jetzt auch noch unfreiwillig den populären Hashtag #DiaperDon (Windel-Don) ins Leben gerufen. Und wir können sagen, wir sind dabei gewesen.

Hier noch die Antwort auf die Frage, welches Buch Donald Trump am meisten hasst: Michail Scholochow, »Der stille Don«.

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