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Aus: Ausgabe vom 28.11.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Falsche Parteinahme

Zu jW vom 20.11.: »Mitgliederoffensive bei GdL« und »Generalangriff auf Belegschaft«

(…) Statt dass ihr froh seid, dass sich die Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GdL) kämpferisch zu Wort meldet (…), macht ihr Stimmung gegen sie und ihren Vorsitzenden Claus Weselsky. (…) »Weselsky verstieg sich sogar zu der Aussage, wonach die EVG als ›Wasserträger der Gegenseite‹ nicht mehr als Gewerkschaft bezeichnet werden könne«, schreibt ihr. (…) Wenn das nicht tendenziös ist! Zugleich wird der Tarifabschluss der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mit dem angeblichen Gewinneinbruch in der Coronakrise verteidigt und die Beschäftigungsgarantie gutgeheißen. Zusammengefasst wird das Komanagement der EVG-Führung verteidigt und die GdL als Störenfried hingestellt. (…) Anbiederung an Kapitalinteressen ist auch der Tenor im Artikel zu Thyssen-Krupp in der gleichen Ausgabe. »Rhein und Ruhr ohne Hochöfen von Thyssen-Krupp. Eine Perspektive, an die sich die Menschen in der Region wohl gewöhnen müssen«, heißt es gleich zu Anfang. Damit wird der notwendige Kampf um jeden Arbeitsplatz auch im Interesse der Zukunft der Jugend von vornherein aufgegeben. (…) Die angeblich negative Bilanz wird als Begründung herangezogen. Habt ihr noch nie was von Profitmaximierung als oberstem Ziel im Kapitalismus gehört? Jammern gehört zum Geschäft, sagt der Volksmund und entlarvt damit das verlogene Weg- oder Kleinrechnen erwirtschafteter Profite. Und der ehemalige IG-Metall-NRW-Vorstand und jetzige Personalvorstand Oliver Burkhardt macht sich als Ausputzer zum Büttel der Geschäftsführung und »schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus«. Genau diesen Mann brauchte der Vorstand, um die Drecksarbeit zu erledigen, weil er mit seinem Einfluss auf die Kollegen verspricht, ihren Widerstand zu brechen. (…)

Kai Müller-Horn, per E-Mail

Schlechte Erfahrung

Zu jW vom 26.11.: »Lange Liste«

Die Bundesregierung will also »die Ursachen von Rechtsextremismus und Rassismus besser verstehen lernen«. Klingt erst mal gut, aber wenn ich da an Äußerungen Konservativer und Liberaler denke, die oft argumentieren, dass die Merkelsche Flüchtlingspolitik an dem Erstarken von Rassismus schuld sei, muss man skeptisch sein, zu was für fragwürdigen Erklärungen rechtstickende Menschen so gelangen. So hat mir gegenüber mal ein selbsterklärter FDP-Anhänger argumentiert, dass konsequenter abgeschoben werden müsse. (…) Nur dadurch könne man die AfD bekämpfen, weil die zu lasche Vorgehensweise doch Wasser auf ihre Mühlen sei. Phantastische Logik, die AfD dadurch bekämpfen, indem man ihre Forderungen erfüllt! (…) Und man erinnere sich an Innenminister Horst Seehofer (CSU). Er möchte ja keineswegs seinen Beamten irgendwas vorwerfen, dass diese womöglich in ihren Grundeinstellungen schon Rassisten waren, bevor sie zur Polizei gingen, und das Ganze vielleicht doch tiefergreifende, gesellschaftliche Wurzeln hat, und gelangte daher zu der These, dass fremdenfeindliche Einstellungen bei der Polizei letztlich das Ergebnis von schlechten Erfahrungen mit Ausländern seien (…). Wieder dasselbe: weniger Ausländer gleich weniger Ausländerfeindlichkeit. Diese Logik findet sich bis weit in die »bürgerliche Mitte«.

Ralf Schuster, Onlinekommentar

Zynische Haltung

Zu jW vom 25.11.: »Airbus nicht am Katzentisch«

Am Ende seines Beitrags über die »Dax-Reform« (…) stellt der Autor Erwägungen darüber an, wie bestimmte Waffen geächtet werden könnten, und gelangt zu dem Ergebnis, dazu bedürfe es »in Konsequenz immer der Gewalt oder deren Androhung«. Mit dieser Bemerkung fällt er der Bewegung zum Atomwaffenverbot (ICAN) in den Rücken, die es geschafft hat, die Mehrheit der Staaten hinter sich zu bringen, so dass das Verbot der Nuklearwaffen im Januar 2021 in Kraft treten kann. Gewalt hat die Initiative, die 2017 den Friedensnobelpreis erhielt, nicht angewandt. Statt den Erfolg von ICAN anzuerkennen, macht der Autor ihn madig, ohne dass er ihn nennt: »Aber wenn es dazu (zu einer Abschaffung der Atomwaffen) käme«, so fragt er, »stünden dann nicht schon subtiler scheinende, smartere, aber ebenso tödliche Alternativen bereit?« Diese Haltung kann ich nur zynisch nennen.

Lothar Zieske, Hamburg

Drei Bärchen

Zu jW vom 6./21./22./23.11.: »Launige Utopie«, »Zirkelweg ohne Hammerziel« und »›Zur Strecke gebracht? Der Kommunismus? Nein, wieso?‹«

Drei Bärchen streiten sich über die Beschaffenheit eines Honigs (Kommunismus), den sie nicht haben und nie hatten. Auslöser des Streits ist die Behauptung eines der drei, dass ihr inzwischen verstorbener Papabär in Wahrheit Rübensirup (Sozialismus) dem Honig längst vorgezogen habe. Diese kühne Behauptung war so ganz undenkbar nicht. Denn auch Papabär hatte wie die drei Streithähne Honig nie zu Gesicht bekommen. Illusionsfrei, wie er war, rechnete Papabär auch nicht damit, dass sich das zu seinen Lebzeiten noch ändern werde. Er sollte recht behalten. Könnte er darum auch tatsächlich den Sirup in der Hand süßer als den Honig auf dem Dach empfunden haben? Oder noch schlimmer: Hatte Papabär womöglich den immer unerreichbarer werdenden Honig inzwischen längst mit dem Sankt-Nimmerleins-Tag verbunden? In ihrem Streit forsteten die drei Bärchen wild im großen Nachlass von Papabär herum. Und jeder fand darin, was er für seine eigene Argumentation suchte. Papabär war eben viel zu schlau gewesen, sich in diesem heiklen Punkt festzulegen. Wer hätte auch je die Zukunft antizipiert? Honiggenies aller Generationen waren immer nur damit aufgefallen, durch originelle Beschreibung des aktuellen Honigmangels ihre Zeitgenossen zu verblüffen. Papabär war eben auch nur ein Honiggenie gewesen. Zu allem Überfluss war nun auch der Rübensirup ausgegangen. Der Streit der drei Bärchen um den sehr süßen Traum vom Honig wurde durch die süße Erinnerung an den Rübensirup nicht versöhnlicher. Denn jetzt war alles Traum. Darum sollte der wenigstens der süßeste sein. Die Bienen übrigens haben vom Gezänk der drei Bärchen nichts mitbekommen.

Enrico Mönke, Berlin

Phantastische Logik, die AfD dadurch bekämpfen, indem man ihre Forderungen erfüllt. Sie findet sich bis weit in die ›bürgerliche Mitte‹.

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Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (28. November 2020 um 10:39 Uhr)
    Auch sehr schön: MANDALAS. Bitte immer gleich mitschicken und andere Beiträge weglassen - vielen Dank!
  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (29. November 2020 um 00:11 Uhr)
    Jetzt kommen wir zur Vernunft:

    "Damit wird der notwendige Kampf um jeden Arbeitsplatz auch im Interesse der Zukunft der Jugend von vornherein aufgegeben. (…) Die angeblich negative Bilanz wird als Begründung herangezogen. Habt ihr noch nie was von Profitmaximierung als oberstem Ziel im Kapitalismus gehört? Jammern gehört zum Geschäft, sagt der Volksmund und entlarvt damit das verlogene Weg- oder Kleinrechnen erwirtschafteter Profite. Der ehemalige IG-Metall-NRW-Vorstand und jetzige Personalvorstand Oliver Burkhardt ist der Jobkiller zum Büttel der Geschäftsführung und »schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus«. Genau diesen Mann brauchte der Vorstand, um die Drecksarbeit zu erledigen, weil er mit seinem Einfluss auf die Kollegen verspricht, ihren Widerstand zu brechen. (…)"

    Lesen Sie das: "weil er mit seinem Einfluss auf die Kollegen verspricht, ihren Widerstand zu brechen" . Oder warum? Schicken Sie den Herrn einfach in die Wüste. Dort hat er genügend Platz.

    Übrigens: Ihren Anspruch haben wir uns gemerkt.