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Aus: Ausgabe vom 25.11.2020, Seite 8 / Ansichten

Reiseziel des Tages: Der Mond

Von Michael Saager
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Die »Mondgöttin« besucht den Mond, um dort Steine zu sammeln

Heute schon den Mond angeheult? Zumindest mal hochgeschaut? In China geht der Blick – das kann man ruhig so behaupten – zurzeit öfters als sonst Richtung Himmel. So gut gucken, dass man das dicke Ding, die Riesenrakete mit dem klingenden Namen »Langer Marsch 5« mit bloßen Augen entdecken könnte, kann freilich niemand. Und zurückgucken kann auch keiner, das Raumschiff auf der Trägerrakete, die am frühen Dienstag morgen (Ortszeit) in Wenchang auf der südchinesischen Insel Hainan abhob, ist eine unbemannte Sonde. Sie heißt »Chang’e 5«, nach der chinesischen Mondgöttin. Die Risiken bemannter Raumfahrtmissionen – enorme Kosten, Strahlung, Muskelschwund, Gruppenkoller – mussten nicht eingegangen werden, geht es doch »bloß« darum, Mondgestein einzusammeln. Die Zeiten, in denen man das Zeug noch mit Handschuhen mühsam vom Boden aufklauben musste, sind jedenfalls längst vorbei.

Eine schöne Gelegenheit, die (zwölf) US-Amerikaner schlechtzumachen, die bei ihren sechs »Apollo«-Missionen nicht nur emsig Steine sammelten, sondern auch einen Haufen Zeug daließen. Werkzeuge, Kabel, Kameras, Golfbälle, Seife, Handtücher, Nagelscheren, Fäkalien, Urinbehälter, Beutel mit Erbrochenem. Aber auch die Bibel und 100 Banknoten. Und wenn sie gar nicht auf dem mit bis zu minus 233 Grad mächtig kalten Erdtrabanten gewesen sein sollten? Dann hätten wir an dieser Stelle natürlich umsonst gemeckert.

Das chinesische Raumschiff soll am Sonntag in einem Vulkangebiet landen, das im »Ozean der Stürme« liegt. Es ist verhältnismäßig jung, gerade mal 1,2 Millionen Jahre alt. Mondgestein, das die USA und die Sowjetunion in den 60er und 70er Jahren eingesammelt hatten, ist mit 3,1 und 4,4 Millionen Jahren deutlich älter. Dass auch ausländische Forscher »Hand« an die Brocken legen dürften, steht für Pei Zhaoyu, den Vizedirektor des Mondprogramms, außer Frage. Xiexie!

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Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (24. November 2020 um 23:10 Uhr)
    Ein fesselnder Text, den Sie präsentieren!

    Vor allem wunderte mich immer, dass von einem großen Schritt der Menschheit geredet wurde, aber nicht die Fahne der BewohnerInnen der Erde, sondern das Merkmal der Großmacht hinterlassen wurde.

    Darüber haben Herr Jähn und ich vor ein paar Jahren palavert und unsere Scherze gemacht. Am Ende fragte ich direkt: Gab es denn eine Mondlandung? Herr Jähn antwortete: Ich sage nicht NEIN.
  • Beitrag von Holger S. aus T. (26. November 2020 um 07:49 Uhr)
    Eine notwendige Korrektur zu diesem flapsig-oberflächlichen Artikel: Das korrekte Alter ist Milliarden statt »Millionen« Jahre.

    Dass es auf dem Mond »bis zu minus 233 Grad« kalt sein kann, ist, höflich formuliert, eine ungenaue und somit im Kontext des Artikels sinnlose und irreführende Angabe. Diese Temperaturen werden nur am Boden einiger Krater an den Polen, die nie von Sonnenlicht beschienen werden, erreicht.

    Und ja, die US-Amerikaner waren auf dem Mond. Ich gebe gerne zu, dass es mir eine Freude wäre, wenn es sich herausstellen würde, dass es diese Nation von Großsprechern nicht geschafft und die Landungen demzufolge hätte »faken« müssen.

    Allein, die Evidenz für die Realität der Mondlandungen ist absolut überwältigend, und mir ist kein einziges Argument der »Mondlandungsleugner« bekannt, das einer wissenschaftlichen Überprüfung standgehalten hätte.

    Abgesehen davon: Meine Glückwünsche an die chinesischen Forscher und Ingenieure zu dieser Leistung im speziellen und dem Raumfahrtprogramm der Volksrepublik im allgemeinen!

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