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Aus: Ausgabe vom 25.11.2020, Seite 3 / Schwerpunkt
Westsahara

»Es könnte zu einem verheerenden Krieg kommen«

Buchautor und Dozent Jacob Mundy warnt vor einer Eskalation des Konflikts in der Westsahara
Von Jacob Mundy
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Patrouille der Polisario in der befreiten Westsahara

Im Gespräch mit Amy Goodman vom alternativen US-Fernsehprogramm »Democracy Now!« erklärte der Buchautor und Dozent Jacob Mundy am 16. November zur Situation in der Westsahara:

»Solche Kämpfe gab es in der Westsahara seit 1991 nicht mehr. Es kam zu Spannungen, aber nicht zur offenen Kriegführung wie im Moment. Die Straßenblockade (…) hatte Marokko offensichtlich so sehr verärgert, dass es einen militärischen Überfall startete. Marokko hat ausdrücklich gesagt, dass dies eine militärische Operation war. Marokkanische Streitkräfte sind also in ein Sperrgebiet eingedrungen, das unter der Souveränität der Polisario steht, so dass dies ein klarer Verstoß gegen den Waffenstillstand ist. Und wir haben nichts vom Sicherheitsrat gehört. (…)

Wenn sich diese Situation weiter hochschaukelt, könnte es zu einem verheerenden Krieg zwischen Marokko und der Polisario kommen. Würde Marokko die Streitkräfte der Polisario bis Algerien verfolgen, könnte eine dritte Partei hinzukommen, nämlich Algerien, das sich ebenfalls in höchster Alarmbereitschaft befindet und sehr besorgt über die Sicherheit in der Sahara-Region ist. (…)

Die Sahrauis sind die leeren Versprechungen des Weltsicherheitsrats und des UN-Sekretariats leid. Einen persönlichen Gesandten, der die Verhandlungen zwischen Marokko und der Polisario leitet, gibt es seit 2019 nicht mehr. Der Sicherheitsrat sieht hier keinen Handlungsbedarf. Nicht einmal jetzt. (…) Die Sahrauis, vor allem diejenigen, die seit 1975 im Exil leben, etwa 180.000 von ihnen in den Flüchtlingslagern in Tindouf, sind am Ende ihrer Geduld. Sie sind seit Jahrzehnten frustriert. Im Jahr 2001 wären sie fast wieder in den Krieg zurückgekehrt. Hunderte Sahrauis aus der Diaspora kehrten damals freiwillig und unaufgefordert nach Algerien zurück, um sich dem Kampf anzuschließen. Wir werden sehen, wie viele Sahrauis heute, 20 Jahre später, bereit sind, in den Krieg zu ziehen. Es gibt keinen Grund für sie, der UNO zu vertrauen, denn die UNO verspricht seit 1991 ein Referendum, aber unternimmt nichts, es voranzutreiben. (…)

Die Sahrauis in den besetzten Gebieten stehen seit 2010, dem Aufstand von Gdeim Izik vor fast genau zehn Jahren, unter unglaublichem Druck. (…) Die Blockade von Guerguerat war einer der bedeutendsten Akte des zivilen Ungehorsams seit damals. Bedeutsam genug, um einen militärischen Einmarsch Marokkos hervorzurufen, der wiederum zur Folge hat, dass die Polisario den Krieg fortführt.

Für Polisario wird es sehr schwer, Territorium innerhalb der besetzten Westsahara zurückzuerobern. Aber die Befreiungsfront kann den marokkanischen Streitkräften entlang des Befestigungswalls, wo Zehntausende Soldaten stationiert sind, erheblichen Schaden zufügen. Es ist abzuwarten, was folgt. Ein Zermürbungskrieg? (…) Hoffentlich werden kühlere Köpfe aus der UNO kommen (…). Und hoffentlich entsteht daraus ein wirklicher Friedensprozess, der zur Selbstbestimmung führt.«

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Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (25. November 2020 um 00:01 Uhr)
    Sie denken in die falsche Richtung. Das Selbstbestimmungsrecht gilt.

    Falls Sie eine andere Ansicht vertreten, können Sie Ihre Meinung bei der UNO anmelden und klarstellen, aus welchem Grunde Sie die Meinung unterstützen, dass das letzte kolonisierte Volk nicht endlich die Freiheit erlangen kann. Falls Sie sich falsch entscheiden, gibt es richtig Ärger.

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