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Aus: Ausgabe vom 26.11.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Engagierte Belegschaft

Zu jW vom 19.11.: Leserbrief »Über Leichen«

Mit Verwunderung stelle ich fest, wie gut Leserbriefschreiberin Irene Wagner die Kollegen des Coca-Cola-Werks in Liederbach zu kennen scheint. Ich als Gewerkschaftssekretär, der den Betrieb von 1979 bis 2013 betreut hat, habe da ganz andere Erfahrungen gemacht. Die Beschäftigten haben nie nur die Probleme in ihrem Betrieb gesehen, sondern waren stets solidarisch mit den Beschäftigten in anderen Werken auf nationaler wie internationaler Ebene. Als Gewerkschafter bei Coca-Cola in Kolumbien ermordet wurden, trugen die Kollegen von Coca-Cola ein großes Transparent bei der Maidemo in Frankfurt, um ihre Solidarität auszudrücken. Sie sammelten im Betrieb Geld für die Kollegen in Kolumbien, und die internationale Solidarität war darüber hinaus immer ein Thema in Betriebsversammlungen. Während der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland gab der Betriebsrat von Coca-Cola ein Interview, um sich mit den indischen Bauern zu solidarisieren, die gegen den Coca-Cola-Konzern für ihr Recht auf Wasser kämpfen. Die Kollegen bei Coca-Cola haben stets nicht nur an Lohnerhöhungen und die Verbesserung ihrer Arbeitssituation gedacht, sondern sie legten zum Beispiel die Arbeit nieder und protestierten im Rahmen der Tarifauseinandersetzung mit dem Transparent »Kein Krieg für Öl« gegen den ersten Irak-Krieg. (…)

Hans-Jürgen Hinzer, Frankfurt am Main

Bewusste Provokation

Zu jW vom 21./22.11.: »Antirassisten angegriffen«

In der Tat, im Kapstädter Vorort Brackenfell kam es wiederholt zu heftigen Auseinandersetzungen. Der Anlass vor einer Woche war ein privater »Matric dance« (Abifeier), zu dem nur weiße Schüler eingeladen waren. Die Feier wurde aber von einigen Lehrern der Schule mit ihrer Anwesenheit »geadelt«. Normalerweise veranstalten die High Schools (Oberschulen/Gymnasien) diese Matric-dance-Veranstaltungen selber. Die offizielle Feier für Abiturienten fiel dieses Jahr aus wegen der Coronapandemie. Eine willkommene Gelegenheit für weiße Eltern, eine »aparte« Feier ohne schwarze Schüler durchzuziehen. Ich denke, sie taten dies mit dem vollen Wissen, dass ein solches offen rassistisches Signal auf Widerstand stoßen muss. Für mich ein klarer Fall von Provokation, wenn nicht gar eine bedachte Falle. Die Reaktion der »Economic Freedom Fighters« kam auch prompt mit allem Drum und Dran. Brackenfell zeigt, wie tief gespalten die südafrikanische Gesellschaft noch immer ist. Und es ist vorwiegend die Mehrheit der weißen Bevölkerung, die weiter auf ihre Privilegien pocht. Viele, zu viele weiße Mitbürger sind unwillens oder oftmals unfähig, sich als Teil einer schwarzen Mehrheitsgesellschaft zu begreifen. Tiefsitzendes rassistisches Denken und Fühlen ist schwerlich im Zeitraum einer Generation auszulöschen, insbesondere wenn man weiterhin das »aparte« Leben in seiner eingezäunten kleinen Welt genießen will.

Detlev Reichel, Tshwane, Südafrika

Grüne Kreislaufwirtschaft

Zu jW vom 21./22.11.: »Grenzen der Heuchelei«

So ein Videoparteitag hat natürlich unschätzbare Vorteile. Bei kritischen Wortmeldungen – so es in dieser »olivgrün-schwarzen« Truppe denn solche in nennenswerter Zahl überhaupt noch geben mag – kann es durchaus zu wiederholten technischen Störungen kommen, provokative Zwischenrufe sind ebenfalls nicht zu befürchten und rote Farbbeutel auf verlogene und skrupellose Kriegstreiber schon mal gar nicht. Ganz schön praktisch, so eine »alternative Basis«! O. K., das mit dem Hambacher Forst damals ist natürlich suboptimal gelaufen. Warum mussten diese blöden Bäume auch ausgerechnet und in Massen auf der schönen rheinischen Braunkohle herumstehen? War aber für die geschmeidigen Grünen schon seinerzeit kein wirkliches ökologisches Hindernis, geschweige denn ein ernstes politisches Problem, und ist es heute noch weniger. Mit dem Verbrennen von Braunkohle (und altehrwürdiger Baumbestände gleich mit) erzeugen die Grünen inzwischen »alternativ-ökologischen Strom«. Und aus den Gewinnen dieses »grünen Biostromes« fördern sie dann um so engagierter den Umweltschutz. Und da schließt sich dann der Kreis. Deshalb nennt man das in diesen Kreisen auch »natürliche Kreislaufwirtschaft«. Und damit dieser Kreislauf auch weiterhin so geschmiert läuft wie bisher, sitzen sie sicherheitshalber gleich selber zahlreich mit in den diversen Aufsichtsräten der Energiekonzerne. Ganz nach der altbewährten Devise: Vertrauen ist gut, Tantiemen sind besser! – Verstanden? Eigentlich doch ganz einfach, oder? Ja, und als man in NRW dann nicht mehr mit an der Regierung war, da standen rund 80 Prozent der Bäume nicht mehr im Wege und die Grünen als »Umweltschützer« bunt verkleidet mal wieder demonstrativ auf der Straße. Und das nicht nur in der »fünften Jahreszeit«. Is dat nit jeck?

Reinhard Hopp, per E-Mail

Alte Tradition

Zu jW vom 21./22.11.: »Grenzen der Heuchelei«

Die Grünen könnten von der alten Tante SPD lernen, was passiert, wenn man als potentieller Juniorpartner sich zu sehr verbiegt, nur um an der Macht lutschen zu dürfen. Obwohl … Als ein Herr Joseph Fischer mit Adorno auf den Lippen den letzten Rest Pazifismus über Bord warf und die Luftwaffe in ihren ersten Angriffskrieg schickte, hat das den Grünen offenbar nicht geschadet. Pazifismus war mal der ursprüngliche Markenkern. Petra Kelly und Gert Bastian rotieren in ihren Gräbern. Scheint so zu sein, dass die klassischen »Grün«-Stammwähler eine völlig andere Klientel sind als die (enttäuschten und gegebenenfalls ehemaligen) SPD-Stammwähler … Ach ja, je nach Zählweise und Traditionsverständnis war Jugoslawien 1999 nicht der erste, sondern sogar der vierte Angriffskrieg der Luftwaffe. 1961 bekam sie Gratulationen zum 50jährigen Bestehen (mir liegt ein Flugrevue-Sonderheft dazu vor). Also Tradition nahtlos seit 1911, Erster Weltkrieg, »Legion Condor« in Spanien, Zweiter Weltkrieg zählen auch mit, sorry.

Matthias Mansfeld, Onlinekommentar

Zu viele weiße Mitbürger sind unwillens, sich als Teil einer schwarzen Mehrheitsgesellschaft zu begreifen. Tiefsitzendes rassistisches Denken ist schwer im Zeitraum einer Generation auszulöschen.

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