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Aus: Ausgabe vom 23.11.2020, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

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Westliche Überheblichkeit

Zu jW vom 17.11.: »Ringen der Regierenden«

Bei den Runden der Regierenden (…) wird stets nur davon gesprochen, dass zum Schutz von Leben und Gesundheit der Bürger muss, der Bürger darf nicht, der Bürger hat zu unterlassen, wer’s nicht tut, muss damit rechnen, dass … Warum liest man nicht mal in den Protokollen: Das Bundesverkehrsministerium muss dafür sorgen, dass auf allen sanitären öffentlichen Einrichtungen des Verkehrswesens, sprich Bahnhöfen, Flughäfen, Seehäfen, Autobahnraststätten und -parkplätzen, Sauberkeit und hygienische Bedingungen zu herrschen haben und man sich waschen und desinfizieren kann; (…) die Klinikkonzerne müssen sofort durchsetzen, dass 100 Prozent mehr Reinigungskräfte zur Bekämpfung der jetzt völlig vergessenen Krankenhauskeime eingestellt werden und zugleich auch wesentlich mehr Pfleger, Schwestern und Ärzte, und die sind prinzipiell nach Tarif, besser noch übertariflich zu bezahlen. (…) Diese Coronapandemie ist ein gesundheitliches und hygienisches Problem und kann auch nur so gelöst werden. (…) China, Kuba, Südkorea machen’s vor, aber wir sind so überheblich, alles nur an unseren »westlichen Werten« messen zu wollen und die restliche Welt nach unserem Gutdünken einzukategorisieren.

Wieland König, Neustadt in Holstein (Onlinekommentar)

Zynisches Kalkül

Zu jW vom 17.11.: »Hightechkrieg in Afrika«

(…) »Hightechkrieg in Afrika«? Nichts wäre unpassender zur Beschreibung eines Konflikts, der nicht erst 2018 mit der Wahl Ahmed Abiys zum äthiopischen Ministerpräsidenten, sondern bereits vor 30 Jahren begann. Die Tigray bilden nur sechs Prozent der äthiopischen Bevölkerung, dennoch hat die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) das Land 27 Jahre lang (1991–2018) de facto allein regiert. Dabei war es die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) gewesen, die 1991 nach 30jährigem Befreiungskampf gegen das äthiopische Mengistu-Regime einen vollständigen Sieg errungen hatte, ohne den der Marsch der TPLF nach Addis Abeba nicht möglich gewesen wäre. Das hat die TPLF später, unter Meles Zenawi, nicht davon abgehalten, im Badme-Dreieck eritreisches Gebiet zu besetzen und einen Krieg zu entfachen, der erst Ende 2000 durch das Abkommen von Algier beendet wurde. Diesen Friedensvertrag – obwohl »endgültig und bindend« – hat die TPLF niemals umgesetzt, mit Billigung der USA und der EU, die in den folgenden Jahrzehnten Äthiopien zum größten Geldempfänger Afrikas machten. Das Geld floss vor allem nach Tigray. Als die TPLF nach Abiys Wahl ihre Felle davonschwimmen sah, hat sie den Konflikt mit der Zentralregierung eskalieren lassen. Das Nordkommando der Armee wurde überfallen, mit dem Kalkül, die Truppen würden überlaufen. Das ist ebensowenig passiert wie die erhoffte Erschütterung in den anderen Provinzen. Der völkerrechtswidrige Raketenangriff auf Eritrea – von einem TPLF-Sprecher damit gerechtfertigt, dies sei seit den »Präventivkriegen« Israels gegen arabische Staaten eine »international anerkannte Praxis«! – ist der Versuch, den Konflikt zu internationalisieren, um Einmischung von außen zu ermöglichen. Von all dem kein Wort in der jW, ebensowenig zu dem bemerkenswerten Umstand, dass Eritrea bis heute auf den Angriff militärisch nicht reagiert hat und diese Politik der Deeskalation wohl auch beibehalten wird.

Dirk Vogelsang, Vorsitzender der Deutsch-Eritreischen Gesellschaft (DEG)

Einseitige Diskussion

Zu jW vom 20.11.: »Giffey unter Druck«

Für mich als ehemaligen Hochschullehrer in der DDR, der Dissertationen betreut und Promotionsverfahren durchgeführt und geleitet hat, ist diese seit Jahren geführte Diskussion sehr einseitig, wenn man alles dem Doktoranden anlastet. Selbstverständlich hat die betreffende Universität bzw. die Hochschule an diesem Versagen Anteil. Sie hat ja den Titel verliehen, aufgrund ihres »Promotionsrechtes« mit entsprechenden Verantwortlichkeiten. Zur Betreuung eines Doktoranden gehört es dazu, von der Konzeption bis zum Endentwurf die Arbeiten zu lesen und Hinweise zu geben. Die Doktoranden wurden vorher auch geschult, was wissenschaftliches Arbeiten heißt. Das gibt es offenbar heute nicht mehr, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Die vergebenen Themen wurden ebenfalls vorher geprüft und zumeist auch in der gesamten DDR in den einzelnen Forschungsdisziplinen abgestimmt. Im Falle der Arbeit von Franziska Giffey scheint mir schon das Thema viel zu unkonkret und zu umfassend, um daraus einen neuen Erkenntnisgewinn abzuleiten, was ja eigentlich hinter einer Dissertation stehen sollte. Eine eingereichte Dissertationsschrift wurde selbstverständlich vorher auf richtiges Zitieren geprüft. Das kostet natürlich Zeit und Kraft, die heute offenbar besser für Nebenverdienste genutzt werden. Daher fände ich es an der Zeit, gleichfalls die Verfahren der Lehranstalten kritisch zu hinterfragen. Unter einer Promotionsurkunde stehen ja viele Unterschriften … Warum kann man dann nicht grundsätzlich das Promotionsrecht der Lehranstalten bzw. einzelnen Institute, wo solche Fälle gehäuft auftreten, in Frage stellen? Es ist doch ein Versagen, das auf die Anerkennung von Wissenschaft und Forschung insgesamt zurückfällt. Freilich kommt hinzu, dass Frau Giffey mal eine Politikerin ist, die sich von vielen positiv abhebt. Da findet man leicht Kritiker, die sie einfach nur weghaben wollen …

Prof. Hans Leutert, Rangsdorf (Onlinekommentar)

Profite, sonst nichts

Zu jW vom 19.11.: »Halsbrecherische ­Räumung«

Das gewaltsame Vorgehen gegen die Waldbesetzer im Dannenröder Forst zeigt wieder einmal, dass in der kapitalistischen BRD Profitinteressen notfalls mit Polizeigewalt durchgesetzt werden. Im Kapitalismus gibt es keinen Natur- und Umweltschutz. Für die Kapitalisten zählen nur die Profite, sonst nichts. Dafür nehmen sie die Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen gern in Kauf. Die Natur braucht uns nicht. Aber wir Menschen brauchen die Natur. Doch solange der Kapitalismus herrscht, wird sich an ihrer Zerstörung nichts ändern. Deshalb muss die Überwindung dieser Verhältnisse unser Zielsein.

Joachim Becker, per E-Mail

Solange der Kapitalismus herrscht, wird sich an der Zerstörung der Natur nichts ändern. Deshalb muss die Überwindung dieser Verhältnisse unser Ziel sein.

Unverzichtbar!

»Mit ihrer umfangreichen Berichterstattung in der Rubrik Betrieb und Gewerkschaft ist die junge Welt bei meiner Tätigkeit in einer betrieblichen Tarifkommission unverzichtbar – sie motiviert und stärkt in der Argumentation!« Claudia K., Angestellte in einem IT-Unternehmen

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Diese Zeit braucht eine starke linke Stimme – gedruckt und online!

Debatte

  • Beitrag von Torsten Andreas S. aus B. (24. November 2020 um 15:18 Uhr)
    Vielleicht so: Frau Giffey gibt die Arbeit/den Text in die Gruppe. Besser geht es nicht. Sofort wird sich jeder Vorwurf aufklären lassen.

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